Air2breeze
Cho
Oyu Expedition mit dem Summit Club vom 12.04. – 24.05.2004
Im Grunde
fängt bei mir
alles mit Chamonix und dem Mt. Blanc an. Nachdem ich über zahllose
Chamonix-Besuche immer wieder auf den Monte geschaut hatte, kam mir der
Gedanke, dass ich diesen „Hügel“ auch besteigen
könnte. Bis das Wirklichkeit
wurde, vergingen allerdings noch Jahre. Und mittlerweile gehörte
ich als
Marathonläufer zu den Leuten, die sich überlegen::: "Was
kannst du mit deiner
Kondi noch machen?" - Und als ich dann oben gewesen war, erkannte ich,
dass der Monte (4.810m) nicht
meine
Grenze gewesen war und stieg über 6.000m auf 7.500m
... und schliesslich nun auf
den Cho Oyu, der mit 8.201m der sechsthöchste Berg der Erde ist.
Dabei sehe ich
mich nicht als Bergsteiger im klassischen Sinne. Bei mir ist es eher so,
dass
mir diese Herausforderungen zufällig ins Hirn spazieren - und sie
ich dann eben
umsetze.
Klar,
man muss schon eine excellente Kondition für eine solche
Unternehmung haben,
und 2 mal Jogging pro Woche reicht ganz sicher nicht aus. Andrerseits
ist es
aber auch keine Hexerei. Denn "die Kraft zum Erreichen all deiner
Wünsche
und Ziele ist dir schon mit deiner Geburt gegeben worden. - Es hat nur
keiner behauptet,
dass du dich zu ihrer Erreichung nicht vielleicht sehr wirst anstrengen
müssen.” - Diese Worte beinhalten sehr viel Wahrheit
für mich
und haben sicher
auch für die Besteigung des CHO Gültigkeit. Das Fatale ist,
dass man mglw. erst
in der Höhe merkt, wenn man doch nicht ausreichend vorbereitet
war. Und das
bezahlt man dann u. U. mit dem Leben. Beispiele dafür gibt´s
genügend. Neben
physischer Stärke ist mentale Vorbereitung ebenfalls sehr wichtig.
Ein starker
Kopf und eine excellente Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.
So
ging es also am 12.04. los. Ca. 10 Stunden Flug nach Kathmandu. Dort
ins
Hotel -
eins der drei besten vor Ort. Mit für meinen Geschmack etwas
zuviel Luxus. Ich
brauche all den Luxus nicht - und schon gar nicht in der 3. Welt.
Wahrer Luxus
sind für mich Menschen mit einem schönen Herzen – es
gibt sie!
Auf
dem Landweg geht es mit einem uralten Bus nach Zhang Mu, dem
chinesischen
Grenzort
Von
dort am nächsten Tag weiter mit Jeeps nach Nyalam, wo wir 2 Tage
Aufenthalt für
die Akklimatisierung haben. – Hier machen wir auch eine erste
Eingehtour zur
Gewöhnung an die Höhe.
“Wir”,
das sind 7 Männer und Alex, die Frau unseres Guides, Matthias. Bei
einer
solchen Tour hat der Guide nur noch beratende Funktion am Berg. Er
trägt
keinerlei Verantwortung für die anderen Personen. Jeder geht auf
eigene Gefahr
und muss ein “selbständiger und konditonsstarker Bergsteiger
sein”. Das
unterschreibt man bei Vertragsabschluss.
Am
18.04. fahren wir weiter nach Tingri (4275m), wo wir eine weitere
Übernachtung
haben.
Am
Folgetag geht´s dann ins "Fahrerlager". Dort bleiben wir 3 Tage,
um
Zeit für die Akklimatisierung zu haben, wieder in Verbindung mit
Eingehtouren.
– Prinzip: “Go high – sleep down”.
Vom
Fahrerlager (4.900m) geht´s nun mit Yaks über das
"Zwischenlager"
(5.300m) und tags darauf ins ABC (AdvancedBaseCamp,5.700m).
Wir benötigen 40 Yaks für unsere gesamte Ausrüstung, die
etwa 2,3 Tonnen wiegt.
Die Verhandlungen mit den tibetischen Yak-Treibern sind immer wieder
ein
Abenteuer und ein Sherpa erzählt mir später, dass in dieser
Gegend von Tibet
jedes Jahr das Kilogramm neu definiert wird. Es gibt zu diesem Zweck
eigens
eine Kommission. Kein Wunder also, dass es immer wieder Unstimmigkeiten
beim
Wiegen gibt.
Beide
Seiten arbeiten mit allen Tricks. Während Matthias mit den Jungs
verhandelt,
warten wir in einem Teehaus. Matthias hat uns gebeten, den
Verhandlungen fern
zu bleiben, damit das Chaos nicht noch grösser wird. Als die
Verhandlungen
ihren Höhepunkt erreichen, kommt er ins Teehaus::: Er hat den
YakTreibern
erzählt, dass er sich nun bei unserem “Doc” (Dieter)
Geld
leihen müsste, was natürlich
auch eine Finte war, die aber gewirkt hat.
Das
Zwischenlager erreichen wir nach ca. 4 Stunden. Unterwegs fängt es
an zu schneien.
Bis
wir unsere Zelte aufbauen können, hat sich das Wetter zu einem
heftigen
Schneesturm ausgewachsen. Im Zwischenlager haust eine kleine tibetische
Familie,
die uns Essen und Tee anbietet. Auch ein Baby ist dort oben, das wohl
auch hier
zu Welt gekommen ist.
Schon
wirklich sehr harte Bedingungen für die Nomaden, die hier leben.
Wer sich in
unserer Zivilisation über alles beklagt, sollte sich zumindest
einmal klar
machen, dass es neben der unsrigen deutschen oder europäischen
Realität auch
noch völlig andere Realitäten gibt. Und ob die Menschen dort
überall unglücklicher
sind als wir, wage ich sehr zu bezweifeln. Ich finde es jedenfalls
absolut
beeindruckend.
Wenn
ich mich im ABC am CHO mit Sherpas abends im Mannschaftszelt unterhalte
oder im
Basecamp des Mustagh Ata in China mit Kirgisen, dann ist das einfach
phantastisch und hebt sich wohltuend vom Gehabe der ach so
“wichtigen” Menschen
ab, die man bei uns oft trifft und die sich hinter ihren armseligen
Fassaden
verschanzen. – Sprich mit einem wettergegerbten Nomaden, der mit
seiner Familie
in einer Yurte mitten irgendwo im tibetischen Hochland lebt und du
wirst
erfahren, was natürliche Ausstrahlung und Autorität sind.
Wir
gehen wieder überwiegend im Schneetreiben und benötigen 7
Stunden bis ins ABC.
Ich achte dabei - wie immer - diszipliniert darauf, möglichst
langsam zu gehen.
Ich will nichts riskieren und Kraft sparen.
Das
ABC liegt auf 5.700 m. Meine grösste Sorge gilt besonders diesem
ersten Teil
der Expedition. Es geht ständig höher und der Körper hat
kaum Zeit für die
Anpassung an die Höhe. Ich habe seit Tingri oft Kopfschmerzen und
kann anhand
meiner persönlichen Kenndaten leicht einschätzen, dass ich in
der
Akklimatisierung noch arge Defizite habe. Demzufolge ist für mich
immer das
Gebot, möglichst keine Kraft zu verschwenden. Da kann man
folgenschwere Fehler
machen. Es ist vergleichbar mit Marathonlaufen: Wenn man die ersten 5
km zu
schnell angeht, bezahlt man dafür auf den letzten 5 km.
Mit
Matthias haben wir jedoch einen Guide, der ebenfalls grössten Wert
auf die
Akklimatisierung legt. Ich bin im Fahrerlager auch mal eine Eingehtour
nicht
mitgegangen und habe mich geschont, weil es mir nicht gut ging.
Matthias meinte
dazu, dass viele Leute in solcher Lage dem Gruppendruck oder falschem
Ehrgeiz
unterliegen und dann doch mitgehen und sich letztlich damit schaden.
Aber in
dieser Hinsicht bin ich völlig "schmerzfrei". Ich habe mich mental
lange und intensiv vorbereitet - verfolge meine Strategie und Taktik.
So leicht
bin ich nicht zu beeindrucken. Und wenn ich mich einmal intensiv mit
einem
solch bedeutendem Projekt beschäftigt habe, gibt es kaum etwas,
was ich
übersehe - und darin liegt ganz sicher eine persönliche
Stärke, die mir sehr
viel Selbstsicherheit gibt und hilfreich ist.
Im
ABC liegt mein Augenmerk weiter auf Akklimatisierung. – 5.700m
Höhe sind einfach
ungesund hoch für den Daueraufenthalt... und wir sind ja
annähernd 4 Wochen hier
oben - oft genug auch noch höher – eben bis hin zu über
8.000 m. Man erholt
sich im ABC nicht wirklich, sondern verliert unmerklich Substanz. Die
Grenze,
wo Menschen noch anpassungsfähig sind, liegt bei ca. 5.300m
Höhe. Darüber
reduziert sich bei einem Daueraufenthalt die Lebenserwartung von
Menschen
dramatisch.
Etabliert
ist man im ABC recht schnell und dann beginnt das Lagerleben - und man
verbringt sehr viel Zeit dort. - Und der Platz ist für die
Verhältnisse
eines BaseCamps nicht sehr günstig gelegen. Es ist sehr steinig.
Man holpert
immer über Geröll oder Felsbrocken. Es fehlt ein Bach, der
sehr angenehm wäre,
wenn man sich mal waschen oder Kleidungsstücke auswaschen
möchte. Zudem ist es
recht eng im ABC. Es sind mehrere Expeditionen aus aller Welt vor Ort.
Diese
Saison waren es ungefähr 15 – und nur 4 davon waren
erfolgreich, wobei
“erfolgreich” bedeutet, dass mindestens eine Person den
Gipfel erreicht.
Die
Temperaturen im ABC sind anfangs recht frisch: schon abends um 20 Uhr
um die
-18 Grad. Da wird es im Mannschaftszelt schnell ungemütlich
(gegessen wird um
18 Uhr) und man schaut, dass man in den Schlafsack kommt. Normal
braucht man fürs Basecamp keinen so leistungsstarken Schlafsack
wie für die grösseren Höhen, aber wenn der
2.
Schlafsack nicht ausreicht, kann man den HighendSchlafsack gleich schon
im ABC hernehmen...und kann ihn dann natürlich auch nicht auf
den Hochlagern deponieren, sondern muss ihn
immer
zwischen ABC und CI rauf und und runter schleppen. Und das sind
immerhin ca. 2
kg an zusätzlichem Gewicht. Aber Kälte ist bekanntlich ein
sehr subjektives
Gefühl und wird stark beeinflusst von Erschöpfung und
Gesundheit. Grundsätzlich
zähl ich mich eher zu den kälteempfindlichen Menschen, habe
allerdings mit
meinem 2. Schlafsack bei -18 grad noch keine Probleme. Der
HighendSchlafsack
für die Hochlager reicht bis -40 Grad und bietet
“Komfort” (ha ha ha) bis -25
Grad. Was besseres gibt es nicht. Beim Stichwort
“Komfort” muss ich grad
selbst doch etwas grinsen, weil die meisten Leute das Wort
“Komfort” in
Zusammenhang mit diesen Bedingungen erfahrungsgemäss eher absurd
finden ...
Nun,
wie geht es dann weiter? Die Strategie für die Gipfelbesteigung?
Eine Frage,
über die man trefflich diskutieren kann. Wir haben leider nicht
die grosse
Auswahl, weil uns schon das Wetter ziemlich ausbremst. Anfangs haben
wir oft
Schnee und später dann Phasen, wo im ABC bildschönes Wetter
ist - keine Wolke
am Himmel - dafür aber Höhenstürme beherrschend sind. -
NO-WAY für einen
Gipfelversuch.
Tja
- und nun zum Kern: dem Gipfelangriff. In unserem Fall läuft es
so, dass wir 2
Gruppen bilden müssen. Das ist erforderlich, weil wir nicht genug
Platz in den
Hochlagern haben. - Ergab sich aber auch aus dem, was einzelne Leute
vorher
gemacht hatten. Und da ich die Strategie hatte, möglichst einmal
im CII zu
schlafen, was ja leider nicht klappte, brauchte ich nach diesem
Fehlversuch
auch noch Ruhetage, so dass ich automatisch in Gruppe 2 gehe. Das ist
auch ok,
ausser evt. von der Wetterprognose her.
Im
übrigen ist die Sache mit der Gruppeneinteilung im Vorfeld der
einzige
Zeitpunkt, wo wir in der Gruppe Spannungen bekommen. Es gibt Leute, die
unbedingt in Gruppe I gehen wollen, weil sie darin eine Trennung nach
Stärke
sehen, was aber in diesem Fall absolut nicht zutrifft, da zu diesem
Zeitpunkt
niemand sagen kann, wie stark ein anderer tatsächlich ist. Nach
der Gipfeltour
werden wir wissen, dass grad die lautesten Schreihälse die
Schwächsten sind -
und mangels eigener Selbständigkeit die Nähe zum Guide
suchen. Als ich am 06.05.
morgens beim Frühstück für mich ein Szenario einer
Gruppe 3 eröffne:::
Gipfelanstieg mit Nawang, einem der beiden SherpaGuides ... und zu
einem noch
späteren Zeitpunkt ... wird es merkwürdig still in der
Gruppe. Für dieses Szenario
spricht die Chance einer Übernachtung auf CII. Dagegen evt. die
Zeit, wenn das
Wetter nicht mehr öffnen sollte. Doch Matthias sagt mir zu, dass
ich für diesen
Fall einen ClimbingSherpa als Begleitung bekäme. Ich beende dann
dieses
Gedankenspiel und fordere für die 2. Gruppe lediglich eine
qualifizierte
Person, die eben für den Notfall anwesend ist. Das wird anfangs
belächelt, aber
derjenige, der am meisten darüber gelächelt hat und es mir
hinterher offen
eingestanden hat, hat sich im nachhinein für seine Dummheit
entschuldigt. Fand ich nett, denn das
hätte er mir ja nicht eingestehen müssen ...aber es
hätte
mich auch nicht
interessiert, was andere über diese Forderung denken.
So
hatten wir also mit Nawang eine starken Sherpa dabei, der schon
mehrmals auf
dem CHO-Gipfel war::: Nawang - mein spezieller Freund. Ein Mensch, der
anfangs
schwer zugänglich ist, den man mit dem Herzen verstehen und
übers Herz mit ihm
kommunizieren muss. Das hat ganz eindeutig sehr gut funktioniert. Am
Ende
schenkt er mir einen tibetischen
Ring.
Eine ganz besondere Geste, die
ausser
mir nur noch Matthias zuteil wird, der auch einen ähnlichen Draht
zu Nawang
hat. Nawang, ein Mensch über den ich noch sehr viel erzählen
könnte - und den
ich ganz sicher nie vergessen werde.
Wir
gehen dann einen Tag versetzt zu Gruppe I mit Oli und Cédric,
meinem schweizer
BergFreund (Er sagt mit seinem frz. Akzent immer zu mir: “Eh
Reinhold, lass uns
besser auf die Malediven fahren...") und natürlich Nawang, auf Gipfeltour. Die Wetterprognose
ist
günstig, wenn auch nicht optimal.
Wir gehen::: CI 6.400m
--> CII 7.000m
--> CIII 7.400m
--> Gipfel 8.201m. - Soweit funktioniert alles sehr gut, bis auf die Tatsache, dass das Wetter leider oben am Gipfel ziemlich übel ist, obwohl es vorher immer sonnig war, so dass ich leider den höchsten Punkt nicht gesehen hab. Wir sind gezwungen kurz davor umzukehren. Aber wir waren eben so nah dran, dass dies üblicherweise als Gipfelerfolg gewertet wird. Auch für die Statistik der Ms. Hawley, die akribisch jeden Besteiger eines Himalaya-8.000ers nach Möglichkeit persönlich befragt und ihre Chronik führt. (Matthias hatte uns in Kathmandu bei ihr angemeldet.) - Mittlerweile ist sie eine Dame von 75 jahren und geniesst in Bergsteigerkreisen allerhöchsten Respekt. Keiner kann über das Himalaya mehr erzählen als sie. Niemand hat mehr Daten gesammelt. - Cédric und ich erreichen das Gipfelschneefeld und damit eine Höhe von ca. 8.150 m, während Oli vorm “Gelben Band” auf 7580m umgekehrt ist, weil es ihm zu kalt war. Anfangs ist er schon sehr enttäuscht darüber – klar! Aber ich würde da nicht - wie er es zunächst tut - von Versagen sprechen. Im Gegenteil. Ein Erlebnis ist es trotzdem. Und ich denke, dass grad Kälte - wie schon erwähnt - eine sehr subjektive Sache ist. Und ganz sicher ist es eine gute Entscheidung, umzukehren, denn Erfrierungen hat man schnell. Dieter bspw. hat sich die Zehen erfroren - und Alex hat eine Erfrierung am Kinn. Andere klagen über Taubheit in den Fingerkuppen oder Zehen. Ungefährlich ist die Höhe also KEINESFALLS, wie sich auch uns leider noch zeigen sollte.
Ich war auch nicht durchweg nur stark. Einen argen Durchhänger hatte ich auf CII. Die Tour dorthin war sehr anstrengend. Man musste einen senkrechten Eisfall mit kleineren Überhängen hoch, der aus hartem Blankeis bestand
und dann eine
weitere BlankeisPassage hinauf - nicht mehr ganz so steil, aber sehr
kraftraubend.
Und das
alles auf ca. 6.600 – 6.800m Höhe. Eine harte 9 Stunden Tour
mit schwerem
Gepäck. Jedenfalls dachte ich zunächst, ich müsste am
nächsten Morgen aus CII
wieder absteigen. Ich hatte Kopfschmerzen und mir war vom Magen her gar
nicht
gut. Mit Mühe und Arschtritt des inneren Schweinhundes (ja, es
gibt ihn!)
konnte ich mich abends zu den RoutineTätigkeiten, wie
Wasserkochen, aufraffen.
Als die Sonne unter ging, überkam mich zudem ein heftiges Zittern,
was Cédric,
mit dem ich das Zelt teilte, dazu veranlasste, mir mitzuteilen, dass er
sich
ein paar Sorgen wegen meines Zitterns machte. Auf meine
Überlegung, dass ich
evt. am nächsten Morgen absteigen müsste, meinte er dann aber
komischerweise
wieder: "Eh, Reinhold, ich weiss, du wirst morgen weiter hochgehen."
Am nächsten Tag ging es dann tatsächlich doch. Ich hatte
gegen morgen 2 Stunden
gut geschlafen und die Kopfschmerzen waren verschwunden. - Ich dachte::
Absteigen kann ich immer noch.
Zur Gipfeletapppe bin ich dann wieder topfit.
Keine Ahnung,
warum das so
ist. Das
war auf der Mustagh Ata-Expedition auch schon so. Ich habe mich
irgendwie gut
erholt - trotz der Höhe - und das führe ich auf meine - wohl
doch sehr gute -
Ausdauer zurück und die Tatsache, dass ich es einfach auch
gewöhnt bin, 1.
dauerhaft mit sehr wenig Schlaf auszukommen und doch gute sportliche
Leistungen
zu bringen - und es auch gewöhnt bin, im täglichen Training
immer mal wieder so
grauenhaft miese Tage zu haben, von denen ich mich dann aber auch gut
erhole –
eben auch mit wenig Schlaf. Es ist einfach ein neuer Tag und es geht
wieder.
Hier hat sicher jeder seine individuellen Stärken und Schwächen. Man muss sich einfach nur sehr gut kennen und richtig einschätzen können. Mit Sebastian hatten wir einen jungen Leistungsturner dabei. Ein Kraftpaket also. Aber eben mit weniger Ausdauer. Er hatte oft Probleme mit der Höhe - und musste strategisch - anders als ich z. b. - versuchen, möglichst schnell rauf und wieder runter zu kommen, um halt kein Opfer der Höhe zu werden. Und da er enorme Kraft hatte, konnte er z. b. von CI direkt zu CIII gehen.
Das
schaffen
nur 10% der Bergsteiger, die es versuchen. Das hätte ich niemals
gekonnt, weil
mir dazu die Kraft gefehlt hätte. – Klar! - Jemand der sich
mit waagerecht
ausgestreckten Armen in die Ringe hängen kann und Seitpferd auf
dem Boden
turnt, geht natürlich in der Steigklemme anders den senkrechten
Eisfall hoch
als ich mit meinen MiniBizepsen. Da helfen auch meine täglichen
140 LiegeStützen
nicht viel ((((wenn ich nochmal sowas vorbereiten sollte, würde
ich
statt der
Liegestützen Klimmzüge ins Programm nehmen – oder noch
besser::: beides))). – Für
Sebastian war das also genau die richtige Strategie. und es zeigt eben
sehr
schön, wie man seine Stärken ausnutzen kann, wenn man sich
gut kennt. – (((Er hat
übrigens auf dem Gipfel ein Foto mit Kopfstand gemacht, was er
allerdings mit
sehr starken Kopfschmerzen bezahlt hat)))
In unserer Gruppe ist immer Cédric weit vorne. Er geht mit einer speziellen Atemtechnik, (Lippenpresse) auf die er seine Schnelligkeit zurückführt. Da wär ich nicht mitgekommen. Zumindest hätte ich dann bewusst was an meiner Aufstiegstechnik ändern müssen – und das wollte ich nicht. So bin ich einfach nur mit meiner ganz normalen Atmung gegangen. Wenn es hart wurde, habe ich schon mal bewusst tief geatmet, aber meist völlig normal, wie im Training auf dem Rad oder beim Wandern im SWF (SherWoodForest) halt auch.

Jedenfall
hat es
keine Momente gegeben, wie auf der Mustagh Ata-Expedition, wo ich mich
zusammenreissen musste und mir gesagt habe: "Wer regiert hier
eigentlich?
- Die Beine oder der Kopf?" - und danach dann eben konzentriert mit der
Stärke des Kopfes zu Lager III gegangen bin. Ich hatte die
"Daddelei"
einfach satt, die uns an diesem Tag alle ergriffen hatte. Durch das
bewusste
Freisetzen der Kraft des Geistes - und mit Hilfe zweier Mantras - war
ich
damals dann fast eine Stunde vor allen anderen auf Lager III. Aber an
solche
Grenzen bin ich am CHO nicht gestossen. Möglicherweise, weil ich
– für einen
FlachlandTiroler bestmöglich vorbereitet und besser akklimatisiert
war. Die
allerletzten Reserven brauchte ich am CHO nicht zu mobilisieren.
Um 1 Uhr klingelt der Wecker. Um 3 Uhr wollen wir starten. Nun denkt man vielleicht, 2 Stunden wären lange für die Vorbereitung. Aber das ist nicht so. – Das Zelt ist klein und es geht sehr eng zu, da die Daunenkleidung und Schlafsäcke allein schon sehr viel Platz wegnehmen.
– Zudem
ist es lausig kalt und allein das
Anziehen ist schon
ein kraftraubender Akt für sich. Wir kochen Wasser, essen etwas.
Ich bekomm nur
etwas gefrorenes Schwarzbrot mit ebenfalls gefrorener Leberwurst durch
den
Hals. Auf meinen Rucksack verzichte ich. Er ist mir schon vom
Leergewicht (2,6
kg) zu schwer. Ich packe mir die beiden Trinkflaschen in die
Innentaschen der
Daunenjacke, Ski- und Gletscherbrille, Sonnenöl,
LippenSchutzStick, Fotoapparat
in die Aussentaschen. Stirnlampe setz ich auf. DaunenHandschuhe brauch
ich
nicht, nehm sie aber vorsichtshalber unter dem Latz der Daunenhose mit
(((Finger
sind sehr gefährdet für Erfrierungen – und das Risiko
möchte ich nicht
eingehen.))) - Dann noch Riegel als Verpflegung. Den Sitzgurt hab ich
angelegt,
Steigklemme dabei, Pickel in eine Materialschlaufe des Gurts gesteckt
– sicher
etwas Rambo-mässig. (((Ja, ich bin Rambo und Highlander in einer
Person – das
wissen allerdings nur Leute, die mich sehr gut kennen;-)))
Wir sind trotz
der frühen
Weckzeit relativ spät dran. Als wir endlich das Zelt verlassen,
kommt auch Oli
vor die “Tür”. Er teilt das Zelt mit Nawang, was
erhöhten Komfort bedeutet,
weil Nawang sich um alles kümmert. Zunächst ärgere ich
mich noch tierisch über
meine Trekkingstöcke, weil die sich wieder mal nicht feststellen
lassen. (((Einer
von Matthias` Sponsoren ist Leki. Klar, dass ich ihm immer wieder
erzähle, wie
scheisse ich Leki-Stöcke finde. Das ist natürlich nur ein
Scherz, um Matthias
zu “teasen” – tatsächlich gibt´s keine
besseren.))) - Ich muss beide Handschuhe
ausziehen, was bei ca. – 28 Grad kein Spass ist. Und die
dämliche Dreherei
erschöpft mich. Alles was man in dieser Höhe macht, kostet
einfach sehr viel
Kraft. Zu allem Überfluss breche ich mir noch den linken
Daumennagel ab. Aber
meine Finger sind zu kalt, um einen Schmerz zu spüren.
Örtliche Betäubung SoToSay. Aber ich weiss schon jetzt, dass
ich da noch
“Spass” bekommen werde,
denn es fehlt ein ganzes Stück vom Nagel auf dem Nagelbett. -
Überhaupt::: Haut
und Verletzungen::: Meine beiden Daumenkuppen sehen schlimm aus. Kleine
Risse
sind zu dicken Einkerbungen geworden, die höllisch schmerzen
– trotz aller
Eincremerei. Ich kann keinen Reissverschluss mit Daumen und Zeigefinger
betätigen. In der Höhe heilt nichts. Den anderen geht es
ähnlich. Auch die
Lippen sind bei uns allen ein übles Thema. Jeder hat Risse in den
Lippen -
trotz aller Sorgfalt. Im ABC haben wir auf dem Tisch im Basecamp eine
Salbe liegen,
die
jeder reihum immer wieder benutzt. Das Schlimme ist, wenn die Lippen
wieder
trocken sind - und man dann lacht - und das tun wir ja sehr oft
- reissen die
Lippen sofort wieder ein - und das Lachen verkommt zur
schmerzverzerrten
Grimasse. Aber das alles spüren wir heute morgen nicht.
Nawang und Oli steigen zu uns auf. Unser Zelt liegt ein paar Meter höher. Ich kann endlich meine Handschuhe wieder anziehen. Dann geht es um ca. 3:45 Uhr im Schein der Stirnlampen los. Es ist zwar sehr kalt, aber kaum windig. Der Aufstieg geht über sehr groben Schotter bis hin zum Gelben Band.
Ich habe
ständig das Gefühl, betrunken zu sein - irgendwie zu
schwanken. Man findet mit
den Steigeisen unter den plumpen ThermoSchuhen auf den losen
Steinbrocken
einfach keinen Halt. Ich torkel mehr als das ich gehe. So kommt es mir
zumindest vor. Nawang, der uns nun den Weg durch das Gelbe Band
führen wird,
geht voran. Ihm scheint das Geröll nichts auszumachen. Er und
Cédric sind etwas
vor mir. Oli bleibt bald zurück. Etwas unterhalb neben uns -
seitlich vom
Geröll im Schnee - entdecken wir plötzlich den Amerikaner.
Dieser ist schon
seit CI immer in unserer Nähe. Ich ärgere mich ein wenig,
dass Nawang uns übers
Geröll schickt, denn im Schnee ginge es sich viel angenehmer. Aber
Nawang ist
da “schmerzfrei” - und es ist ihm vermutlich wirklich egal,
wo er lang geht.
Dann erreichen wir das Gelbe Band. Es wird langsam hell. Und als ich
mich
wieder umdrehe, ist Oli zurückgeblieben. Er sitzt auf einem
Stein. Und wenig
später sehen wir ihn absteigen. Warum, ist mir zu dem Zeitpunkt
nicht ganz
klar, denn ich hatte schon den Eindruck, dass Oli fit war. Er hatte z.
b. nie
Kopfschmerzen. - Ok, er war sicher auch nicht der Stärkste von
uns, aber den
Gipfel hätte ich ihm schon zugetraut
Das Gelbe Band ist mit Fixseilen gesichert und stellte keine grössere Schwierigkeit dar. Ohne Fixseile ist es eine Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrad. Nach dem Gelben Band gab es keine weiteren grösseren technischen Schwierigkeiten mehr. Man geht zunächst durch Steinfelder mit Schnee durchsetzt. Das ist nicht sonderlich schwierig - und es war auch nicht sonderlich ausgesetzt. Nun fing Nawang an, uns immer wieder anzuspornen::: Sein “GO-GO-GO!!!”
wurde
später
in den Erzählungen zum
geflügelten Wort. - Wir haben viel darüber gelacht. Warum er
uns anfeuerte war
mir nicht ganz klar. Langsam waren wir jedenfalls nicht. Das Tempo
passte mir
aber - ich war einfach sehr gut drauf. Irgendwann rutschte ich einmal
mit dem Steigeisen
nach hinten weg, wie es eben schon mal im Schnee geschehen kann. Das
nahm
Nawang zum Anlass, mir vorzuführen, wie man mit Steigeisen geht.
Das war sehr
skurril und eher lustig, denn Nawang ging nun vor mir her und stampfte
seine
Steigeisen in den Schnee::: SO sollte ich es machen. - Einfach zu
lustig, wie
dieses Männlein - Nawang ist sicher einen Kopf kleiner als ich, so
vor mir
herstampfte. Wir hatten also auch da oben unseren Spass. Ich zumindest.
- Das
Wetter war zunächst gut. Es gab Wolken, aber die Sonne schien.
Doch mit
zunehmender Höhe, wurde klar, dass das nicht so bleiben würde
- und vielleicht
war das der Grund, der Nawang bewogen hatte, schon frühzeitig aufs
Tempo zu
drücken. Nachdem wir die Gesteinspassage verlassen hatten, die man
aus dem ABC
auch sehr gut erkennen kann, querten wir ein Schneefeld. Hier wurde
Cédric das
Tempo zu schnell. Wir machten unsere erste Pause und hockten uns in den
Schnee.
Wir führten ein paar Diskussionen über den richtigen Weg zum Gipfel, weil Matthias immer gesagt hatte::: oben rechts halten. Die zunächst sichtbare Kuppe ist nicht der höchste Punkt des CHO. Aber Nawang kannte sich ja bestens aus. Wir mussten zuvor noch durch die Felspassage unterhalb des Gipfelschneefelds, die auch aus dem ABC sehr markant zu sehen ist und die auch mit Fixseilen gesichert war.
Allerdings
fast nur sehr leichte Kletterei, die man auch ohne Fixseil leicht
hinbekommen
hätte. Das Fixseil war allerdings schon eine Hilfe, weil man sich
hochziehen kann
und eben gleichzeitig gesichert ist, wenn man mal abrutscht.
Mittlerweile war
ich ein ganzes Stück vor Cédric. Nawang ging gar nicht im
Seil, sondern sprang
wie eine Gemse durch die Felsen - war mal gar nicht zu sehen - dann
stieg er
uns auf einmal von oben wieder entgegen. Er feuerte uns - wie
gesagt -
immer wieder mit seinem “GO-GO-GO!!!” an.
Glück
hatte ich, als ich
einmal mit der Seilklemme abrutschte, weil diese nicht packte
(vereist?) und im
Seil ein
Stück zurückrutschte. Ich hatte es wohl mit der Seilspannung
etwas übertrieben,
so dass die Zähne der Klemme nicht unmittelbar greifen konnten.
Kann auch sein,
dass das Seil etwas verschliessen war. Ich fiel so unvermittelt und
abrupt
zurück, dass ich die Seilklemme losliess und mit dem Rücken
abwärts auf den
Fels fiel. Es waren aber nur ein paar Meter und nicht so steil,
so dass
ich schnell zum Liegen kam - und mir glücklicherweise nichts getan
hatte.
Später habe ich mir ausgemalt, was wohl passiert wäre, wenn
das im Eisfall
geschehen wäre. Dort wäre es steil abwärts gegangen -
bis der Karabiner vom
nächsten FixPunkt des FixSeils gehalten worden wäre. Aber
die FixPunkte lagen
u. U. auch mal 30 m unter einem. Und dann wäre ein solcher Sturz
sicher nicht
so harmlos abgelaufen. Aber das Leben ist nun mal gefährlich
– auch im
Strassenverkehr zuhause.
Das Wetter
verschlechterte
sich nun dramatisch. Vom Gipfel kamen uns 2 Tschechen entgegen –
hinter uns war
der Amerikaner - aber auch noch weit unter uns. Wir erreichten das
GipfelSchneeFeld. Und dann war auch bald Schluss. Nawang winkte uns
zurück. Es
wurde etwas brenzelig, weil es sich ziemlich zuzog. Sicht hatten wir
keine
mehr. Und der stürmische Wind blies uns den Schnee ins Gesicht.
Zum erstenmal auf
einer Tour überhaupt musste ich die Skibrille aufsetzten. Der
Gipfel hatte seine
Schneefahne - und die verheisst bekanntlich nichts Gutes. Sturm zog
auf. Und
Nawangs Reaktion verhiess ebenfalls nichts Gutes. Nicht mal ans
Bildermachen
dachte ich - und erst als wir schon wieder ein Stück in den Felsen
waren, fiel
mir das ein. Ich ging noch einmal ein Stück aufwärts, um
wenigstens noch ein
Stückchen des Gipfelschneefelds zu erwischen. Auch unterwegs hatte
man genug zu
tun, sich zu konzentrieren. Ich hab da kaum an Essen oder Trinken oder
an Fotos
gedacht. Die Höhe ist schon extrem und lähmt wohl doch das
Denken. Ja, es ist
schon ein phantastisches und einzigartiges Erlebnis – ganz sicher.
Im Abstieg dann
wurde das
Wetter wieder zunehmend besser. Es blies ein zunehmend stürmischer
Wind. Nawang
selbst war
auch nicht gut drauf und zeigte immer wieder auf seine Lunge (klar...
wer auf
8.000m raucht....;-))) ). Er ging ein Stückchen vor mir,
während Cédric
zurückblieb, um Fotos zu machen. Da das Gelände nicht
gefährlich war, gab es
keinen zwingenden Grund, dicht zusammen zu bleiben. Ich war gut drauf
und sah zu, dass ich runterkam. Am Gelben Band machte ich vor dem
Abseilen
eine
kurze Rast. Zumal Nawang weiter unterhalb noch das Seil blockierte -
und ich gerne seins
nehmen
wollte, weil ich damit sicher sein konnte, dass ich ein Gutes und vor
allem
frei liegendes Seil erwischte. Das war nicht immer so einfach::: an
manchen
Stellen waren die Seile ins Eis eingefroren. Dann muss man im Hang
schauen,
dass man ein anderes freies erwischt - und manche Seile sahen auch
nicht mehr
grad vertrauenerweckend aus. Erst letztes Jahr im Herbst war ein
Führer von
Amical an der Ama Dablam abgestürzt, weil ein altes Fixseil
gerissen war.
Matthias war zu der Zeit auch mit einer Gruppe vom Summit Club an der
Ama und
hatte die Unfallstelle gesehen. So etwas wollte ich ausschliessen.
Ich seile mich dann durch das Gelbe Band ab und gehe hinunter ins CIII.
Diesmal
nicht
über den Schotter, sondern seitlich im Schnee, was viel angenehmer
ist. Im CIII
angekommen ist es zwar sonnig, aber doch sehr stark windig mit weiter
zunehmender Tendenz. Es ist
15:50 Uhr.
Auch wenn´s sehr schwer fällt (der SchweineHund, you
know...), raffe ich mich
sogleich auf, Schnee fürs Kochen zu holen, solange ich noch die
Steigeisen
trage, denn sobald man den Schotter verlässt, und aufs Eis geht,
wird es doch
sehr schlüpfrig. Und wenn man auf dem Hang dann den Halt verliert,
gibt´s
erstmal kein Halten, auch wenn der Hang nicht soooo steil ist, aber man
hat ja
keinen Pickel, nicht einmal die TrekkingStöcke. Und man braucht
beide Hände für
das Schleppen der schweren Mülltüte mit dem Schnee. Klar bin
ich nun kaputt,
aber Wasserkochen ist erste Pflicht in der Höhe. Dann befestige
ich noch die
ZeltApsis, die im mittlerweile stürmischen Wind sehr stark
flattert, so dass
Kochen nicht gefahrlos möglich wäre. Das restliche Zelt steht
sehr gut und wird
auch einem heftigeren Sturm, der für die Nacht zu erwarten ist,
standhalten.
Etwas
später taucht der
Amerikaner auf und genau vor dem Zelt von Nawang stürzt er -
rutscht einfach
weg und fällt sehr unglücklich und bleibt erst einmal liegen.
Er scheint sich
sehr weh getan zu haben, denn er steht erst einmal nicht wieder auf.
Ich gehe
zu ihm hin und frage, was mit ihm ist. Auch Nawang kommt aus seinem
Zelt, hilft ihm auf und kümmert sich um ihn - und so gehe ich
zurück zu unserem Zelt.
- Später steigt der Amerikaner dann Richtung CII ab. Scheint noch
einmal gut
gegangen zu
sein.
Im
Zelt breite ich mich dann aus und verkrieche mich in den Schlafsack,
beginne zu
kochen und halte Ausschau nach Cédric. Es dauert noch ca. 1,5
Stunden, bis er
endlich kommt. Er schafft sich ins Zelt und murmelt ewas von... er
wäre total
fertig - und hätte beim Abseilen wohl Probleme gehabt. Dann wirft
er sich auf
den Schlafsack und bleibt erst einmal liegen. Er schläft sofort
ein und atmet
dabei immer wieder auch in der Pressatmung. Da er die Füsse im
Vorzelt hat,
fordere ich ihn auf, die Schuhe auszuziehen und in den Schlafsack zu
kriechen.
Er murmelt etwas, lässt aber keine Taten folgen. Seine Füsse,
an denen er noch
die Thermoschuhe trägt, bleiben weiterhin draussen im Vorzelt. Die
Steigeisen
hatte er bereits vor dem Zelt abgelegt. Ich koche also
“lustig” weiter
Wasser, bis unsere Flaschen voll sind. Als ich damit fertig bin, ist es
dunkel
und ich möchte das Innenzelt verschliessen. Doch Cédric ist
nicht gewillt,
seine Füsse aus dem Vorzelt zu nehmen. Und auch in den Schlafsack
will er nicht
gehen. Also nehme ich seine Füsse und ziehe sie soweit ins
Innenzelt, dass ich
den Reissverschluss schliessen kann. Da Cédric seine Daunenjacke
und Daunenhose
trägt und auch die warmen Thermoschuhe - zudem auf dem warmen
Schlafsack liegt
und die Daunenmatraze als Unterlage hat, mache ich mir wegen Kälte
keine
Sorgen. In dem engen Zelt mit zwei Personen und all den Sachen ist es
nun nicht
so kalt. Die Nacht schlafe ich recht gut für diese Höhe. Ich
träume etwas wirr
und diffus, aber ein solches Erlebnis, wie ich es z. b. im Lager III
des
Mustagh nach der Gipfeletappe hatte, wo ich mitten in der Nacht wach
wurde und
auf einmal nicht mehr wusste, wo oben oder unten war - und ob ich mit
dem Kopf
vorne oder hinten im Zelt lag (oder die berühmte Steigeisen-Story
nach der Mt.
Blanc-Überquerung) habe ich nicht. Ich denke, dass das eine Sache
der
Erschöpfung ist - und ich bin einfach “zu” gut drauf.
Cédric rührt sich in der
Nacht nicht. Er schläft - und mein Eindruck ist, dass er sehr
erschöpft ist.
Aber ich denke intuitiv, dass er sich bis zum nächsten Morgen
erholen wird.
Kann sein, dass Cédric sich schon bis zum Aufstieg auf CIII verausgabt hatte. Anzumerken ist es ihm erstmal nicht. Jedenfalls kann er nach der Gipfeletappe am nächsten Tag den CHO aus eigener Kraft nicht mehr absteigen. Mit Nawang, der zufällig noch oben ist, muss ich Cédric bergen. Man stelle sich meinen Schock vor, als er am Morgen nach dem Gipfeltag nicht in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen - geschweige denn zu gehen. Ich funke mit Matthias - und der meint::: DER MUSS HEUTE NOCH RUNTER! - Egal wie. Ich bekam nun die “Führerrolle” und die Verantwortung für Cédrics abtransport. Ich möchte das hier nicht zu ausführlich beschreiben, aber Nawang und ich schafften Cédric ins CII, wo uns Jamie, ein Neuseeländer, der zufällig mit seiner Gruppe im Aufstieg war, geholfen hat.
Wir
steigen bis in die Dunkelheit ins Zwischenlager zwischen CI und CII ab,
das
Jamie für seine Gruppe dort eingerichtet hatte. Am nächsten
Morgen kamen dann 4
Sherpas verschiedener Expeditionsgruppen hoch, um Cédric
über den Eisfall zu CI
und ins ABC runterzuschaffen. Es war schon eine sehr herbe Geschichte.
Allein
wär Cédric nicht mehr runtergekommen. Und die Aktion hat
sehr viel Kraft
gekostet. Wenn ich oben selbst nicht gut drauf gewesen wäre und
Nawang nicht
dagewesen wäre - dann “gute Nacht”. Cédric
konnte im Zelt nichts mehr tun. Ich
musste alles für ihn mitmachen – anziehen - packen. - selbst
aufrichten und
abstützen zum Pinkeln. - Und das alles ist in dieser Höhe
sehr, sehr
anstrengend. Man hat genug mit sich selbst zu tun. Unten im ABC fiebern
nicht
nur unsere Leute mit. Pasang, unser Sirdar, hat wohl den ganzen Tag
nichts
anderes getan, als nur den Berg mit dem Fernglas zu beobachten.
Matthias hätte
selbst nicht mehr hochkommen können, wie er mir später sagte.
Ihm hätte die
Kraft gefehlt und er wäre höhenkrank geworden. Er bedankt
sich immer wieder bei
mir und meint, mit dieser Aktion in der Höhe würde ich auf
jeden Fall in die
Geschichte eingehen. Naja - sei´s drum. Ich hab das nicht
gemacht, um in die
Geschichte einzugehen. Aber es ist schon ein seltsamer Zufall. Ich habe
vor
einiger Zeit mal mit Andrea, Cédrics damaliger
Lebensgefährtin
telefoniert, als
er am Aconcagua war. Da meinte sie, dass sie sich schon Sorgen um ihn
machen
würde, vor allem auch, weil sie meinte, dass Cédric u. U.
nicht im rechten
Augenblick umkehren könne, wenn es mal brenzelig würde.
Damals hab
ich ihr
gesagt, wenn ER mit MIR geht, ist das kein Problem::: Er zieht mich
hoch
und ich
zieh ihn runter. - Das war so zu verstehen, dass Cédric ein sehr
guter und
selbständiger Bergsteiger ist - auch mit viel Erfahrung in den
Alpen.
Wohingegen ich sehr ausgeprägte Alarmglocken hat, die mich
frühzeitig warnen.
Und ich habe dann auch kein Problem, abzubrechen und umzukehren, wenn
ich
Gefahr aufziehen spüre. So wollte ich Andrea zu verstehen geben,
dass wir ein sehr
gutes Team abgeben. Und nun war es tatsächlich so, dass ich
Cédric
"runterzog" - fast schon makaber.
Die Diagnose
bei Cédric
lautet zunächst auf Nervenversagen wegen Unterversorung mit
Sauerstoff. – In
Jamies Team ist zufällig eine neuseeländische Ärztin,
die ihn zuerst im
ZwischenCamp untersucht. Später im ABC untersucht Dieter ihn
erneut. In der
Schweiz wird sich später herausstellen, dass er ein Hirnödem
hatte. Man sieht:::
die Höhe hat es in sich. Vorher war Cédric immer sehr stark
- und noch auf dem
Gipfel deutete nichts auf eine derartige Schwäche hin. Ok,
Cédric war sicher
nicht so gut trainiert, wie ich es z. b. war. Und auch der Mitstreiter,
der den
CHO und Everest machen wollte, ist übers CIII nicht hinausgekommen
und musste
von einem Sherpa und Matthias runtergeführt werden, wobei er auch
kaum aufrecht
gehen konnte und oft in den Schnee stürzte. Bei ihm waren es aber
eher eine
krasse Fehleinschätzung seiner eigenen Fähigkeiten -
einhergehend mit Arroganz
- und fehlender Einstellung zum Berg und fehlendem Respekt im
allgemeinen. –
Dummheit also!
Der abschliessende Abstieg ins ABC ist eine Tortur. Man sammelt sein Material der Hochlager ein, was man dort im Aufstieg deponiert hat. Am Ende muss ich dann den Killerhang (man geht aus dem ABC in Richtung CI zunächst flach ansteigend und dann über den steilen geröllführenden Killerhang zum CI hoch) mit einem 29 kg Rucksack runter. Das ist sehr unschön. Zumal sich der Schnee zwischenzeitlich verabschiedet hatte - und man nur noch über dicke Geröllsteine und Felsbrocken geht. Ein Weg ins ABC ist nicht mehr erkennbar.
Dann in
der
Dunkelheit den Weg ins ABC suchen - Steinmännchen orten. Eine
wenig “lustige”
Aussicht. Aber es gibt da eine Erscheinung, die mich am Ende doch sehr
beeindruckt hat.
Unterhalb des Killerhangs kommt mir plötzlich eine Gestalt entgegen. - Ganz in schwarz - und zunächst denke ich, es ist wieder so ein Tibeter, der meinen Rucksack tragen will. Doch die Gestalt winkt mir zu - und zu meiner grössten Überraschung ist es Sebastian. Ich bin sehr erstaunt. Er ist nur meinetwegen hierher gekommen. Bietet mir sogar an, meinen Rucksack zu tragen, was ich natürlich nicht akzeptiere. Das ist für mich eine Frage der Ehre - und ich sage ihm, dass ich lieber sterben würde, als mir nun den Rucksack tragen zu lassen - auch wenn er noch so schwer ist. Ich bin völlig am Ende. Die Rettungsaktion hat sehr viel Kraft gekostet – und der Rucksack ist einfach scheisse-schwer. Jeder kleine MiniGegenansteig hinunter in Richtung ABC zwingt mich zum StehenBleiben. Sebastian ist immer vor mir und feuert mich an. Ich bin zwar nicht der Typ, der auf so etwas gross reagiert, weil ich schon intrinsisch gut eingestellt bin und innerlich WILL, aber Sebastians Anwesenheit tut doch gut. Als es dunkel wird, weiss ich seine Hilfe erst recht zu schätzen. Mit DEM Rucksack möglicherweise auch noch verlaufen? Dann hätte ich ihn wohl irgendwann weggeworfen (und vermutlich tagsdrauf als "Strandgut" von einem Tibeter zurückkaufen können -hahaha). Doch... Sebastian war mir eine echte Hilfe. Und das hätte ich von ihm niemals erwartet, zumal wir nicht grade viele Berührungspunkte während der ganzen Zeit zuvor hatten. Das war ein Akt grosser sportlicher Fairness und es hat mich sehr berührt und beeindruckt. Ich bedanke mich vor der Gruppe in aller Form bei ihm und "ziehe meinen Hut". Eine vielleicht kleine Geste eines Sportlers mit grossem Herzen und Respekt für die Leistung anderer drückt sich in seinem Handeln aus. Eines der kleinen menschlichen Erlebnisse, die ich ebenfalls nie vergessen werde. - (Liebe) Menschen sind mir das wichtigste im Leben - und die Natur mit Tieren und Pflanzen - alles andere ist abgeleitet und tot. - Und immer wieder sehe ich mich in solchen Momenten bestätigt.
Im
ABC mache ich “3 Kreuze”, dass ich es endlich hinter mir
hab. Dort gibt es ein
grosses Hallo. Es sitzt bereits eine grosse Runde beisammen und feiert.
Auch
ein paar Gäste darunter, die den restlichen Abtransport von
Cédric vom Fuss des
Killerhangs bis ins ABC unterstützt haben. Darunter Angie und
Olaf, die
"zu zweit allein" am CHO waren. Angie hat den Gipfel wohl auf allen
Vieren erreicht, aber mit einem Typen wie Olaf an ihrer Seite ist das
kein
Problem. Er trug das Gepäck für beide und hätte sie
notfalls runtergetragen.
Olaf - sicher einer der besten Höhenbergsteiger, die es in
Deutschland derzeit
gibt. Seine Erzählungen aus alten DDR-Zeiten im ABC sind sehr
interessant. So wie
Olaf stelle ich mir wirkliche Bergsteiger vor::: Wenig reden,
dafür
handeln,
äusserst fähig... wenn ich hingegen an Tom denke, der auf den
CHO und Everest
wollte – TopAthlet von eigenen Gnaden... der sein Versagen im
Alter von 25
immer noch mit dem Recht der Jugend erklärt - da wird mir schlecht
(ein Jugendlicher nimmt sich wohl normalerweise nicht den Cho Oyu UND
den Everest als Double vor) ... In dem
Alter haben andere Leistungssportler ihre Karriere schon längst
hinter sich ... und SJ war mit 10 schon professioneller (((als Tom es
mit
seiner Einstellung je sein wird))) hat TopLeistungen ... gemessen an
ihrem Alter ... gebracht ohne ich-bin-was-besseres-als-ihr-gehabe
...
Im ABC herrscht gute Stimmung. Wir feiern unseren Gipfelerfolg - und die Erleichterung über den glimpflichen Verlauf der Rettungsaktion ist allenthalben zu spüren.

Besonders
Matthias ist sehr erleichtert. Ein Toter
macht sich nie
gut für einen Veranstalter. Matthias meint, ich wär ein
harter Hund. Nun - er
kennt mich ja nicht. Ich bin schon eher WarmDuscher. Aber ich war halt
einfach
sehr gut drauf - und man tut eben was man kann - oder??? - Hm...
gestern
hab ich
mal LG gefragt, ob sie je gedacht hätte, dass ich mal n 8.000er
besteigen
würde. Da sagt die doch glatt: "Klar - dir trau ich alles zu!!!" -
Unglaublich!!! - Da kennt man sich so lange - und dann wird man so
verkannt
-hahaha. - Nein, ein Weichei bin ich und WarmDuscher... nur manchmal
halt
dann
doch nicht;-)))
Dass diese Unternehmung derartigen Wirbel nach sich ziehen würde, hatte ich ebenfalls nicht erwartet. - Klar hab ich mich zuvor intensiv mit dieser Herausforderung auseinandergesetzt. Aber als besonders empfand ich es nur von meinem Aufwand her. Auf den Berg selbst bezogen hab ich nur gesagt::: Ich geh da hoch. - Und dann bin ich einfach hochgegangen - nichts weiter.
Ich
habe für mich erkannt::: wenn man einmal über CII
hinausgeht und dann nicht zum
Erfolg kommt, dann dürfte ein 2. Versuch wohl kaum noch gelingen.
Der
Kräfteverschleiss und Substanzverlust ist sehr gross. Und auch der
Kopf wird
dann Schwierigkeiten machen. Es hat einige Personen anderer
ExpeditionsGruppen
gegeben,
die mehrmals auf CII und sogar CIII waren - nur hat es am Ende auf der
Gipfeletappe dann kräftemässig nicht mehr gereicht.
Also sollte man sich
auf e i n e n gescheiten GipfelVersuch einstellen.
Zwischen den Anbietern, also etwa Amical und Summit Club sehe ich keine gravierenden Unterschiede. - Ich würde auch mit Amical fahren. Mit dem Summit-Club jederzeit auch wieder, zumal wir mit Matthias wieder einen sehr guten Führer hatten. Zudem hatten wir eine Gruppe, mit der wir sehr viel Spass hatten. Wir haben viel gelacht - und so sollte es sein - ist aber leider wohl nicht immer so...
Naja...
am Ende hat mich dann doch noch ein gemeiner Durchfall im Hotel
erwischt. Aber
das gehört ja net mehr zur eigentlichen Expediton. Aber es hat
mich schon noch
sehr geschwächt...
So, das war´s nun im groben. Natürlich gab es die vielen kleinen Dinge, über die man berichten - manchmal auch lachen kann. – Derjenige mit arroganter Selbstüberschätzung, ein Teilnehmer psychisch stark überfordert, oder jemand der auf CIII seine PinkelPulle in seinen eigenen Schuh entleert hat – dann Olis Herzblatt Yensidoma, eine Tibeterin, mit der er FastSex hatte (((fast im Sinne von nahezu - nicht im Sinne von Quickie! - und natürlich nur im übertriebenen Scherz))) - eine sehr nette HerzensAngelegenheit, die allerdings auch immer für netten Spott gesorgt hat - dann die Epsiode eines Teilnehmers, wie er zwei raffinierten Holländerinnen auf den Leim gegangen ist und sich dabei um den Verstand getrunken hat - einfach unglaublich (((der Anfang vom Ende seiner hochtrabenden Ambitionen))) - all das eben, was man nicht mal eben so erzählen kann, was aber letzlich das persönliche der Tour ausmacht. - Die emotionale Seite – das gefühlte Erlebnis – die Stimmungen, z. B. bei –18 Grad im ABC im Kegel der im Sturm unter dem Zeltdach schaukelnden Diodenlampe im Schlafsack zu liegen, Musik zu hören – und seine Gedanken auf die Reise zu schicken... Aber auch ein intensives Gespräch mit Pasang, in dem er mir mitteilt, dass er das Kinderhaus in Pashupatinath - Maiti Nepal - kennt, das ich nur vage kenne und gerne besichtigen und fördern möchte. – Ich hatte kaum noch Hoffnung, bei unserer Rückkehr Gelegenheit zu haben, es zu finden, zumal in Kathmandu 3 Tage gestreikt wurde und nicht einmal der Hotelbus fuhr. Die Aussicht Maiti Nepal doch besuchen zu können gab mir ungeheure Stärke im Kopf. Aber all das zu erzählen, würde den Rahmen dieses Berichts bei weitem sprengen...
Eine Frage die
ich für
mich eindeutig beantworte::: Für mich ist es heutzutage Doping.
Jeder 8.000er ist
heute ohne Sauerstoff machbar. Und wer es ohne nicht schafft, ist nicht
gut
genug – so einfach ist das. Er muss entweder an sich arbeiten
oder auf den
Gipfel verzichten. Aber ich habe auch gelernt, dass man andere so
lassen sollte
wie sie sind. Und sicher ist ein solcher Berg auch mit Sauerstoff
anspruchsvoll. Aber ich würde es höchstens mit einem 7.000er
vergleichen. Und
da Sauerstoff dem Körper im eigentlichen Sinne nicht schadet, wie
Doping es
tut, will ich hier tolerant sein. Für mich wäre Sauerstoff
kein Thema. Wenn ich
an meine Grenzen stosse, werde ich das akzeptieren und lieber umkehren
als mit
Sauerstoff einen Gipfel zu erreichen.
Auch
hier gäb es sehr viel zu erzählen. Hartes Training, nette
Gespräche und mein
Gejammere per SMS beim Wandern im dunklen SWF, wobei wir oft viel Spass
hatten.
Nach der Rückkehr dann eine nie gekannte Schwäche –
Luft in den Muskeln. Eine
grosse Klarheit im Kopf und irgendwie eine persönliche
Weiterentwicklung – ganz
sicher. – Topaktuell: Anfrage für einen PhoneCall von Mick,
dem stellvertrenden
GL des Summits... wird wohl um die Rettung von Cédric gehen...
was sag ich dem
bloss??? – Ich mag den Rummel um meine Person überhaupt gar
nicht...
möchte
ich nicht verschweigen, dass mich einige liebe Menschen moralisch sehr
unterstützt haben und ich ihnen dankbar bin, dass sie an mich
geglaubt haben.
Sie haben mich ungeheuer stark gemacht:::
Allen
voran LG, meine Lebenspartnerin, die mir einen Schutzengel mitgegeben
hat, den
ich dann mal zeitweise verloren hab. Auch eine sehr eigene Geschichte,
wie er
mich am Ende - nach fast 14-tägiger Abwesenheit - doch noch
wiedergefunden hat.
Dann gibt es eben ein paar wenige HeartToHearts, die schon die
Vorbereitung
sehr intenisv miterlebt haben und die mich mit sehr viel positiver
Energie
gepusht haben. Das alles hat mir sehr viel Kraft gegeben. Es sind immer
Menschen... Menschen können einem sehr viel geben - man muss nur
die richtigen finden :-)))
Eine
Frage, die mir nun immer wieder gestellt wird. Okay, eigentlich wollte
ich nach
dem CHO sportlich etwas kürzer treten. Doch völlig unerwartet
hat ein
Arbeitskollege schon sehr kurz nach meiner Rückkehr meine
Phantasie wieder in
Gang gesetzt. Er wird vielleicht wissen, wen ich meine;-))) – Und
erst grad hab
ich den Kauf “meines” geliebten Smart Roadsters bis auf
weiteres ausgesetzt,
weil ich das Geld natürlich vieeeel lieber in etwas mit bleibendem
Wert
investiere – we´ll see ;-)))
http://www.matthiasrobl.de -
die Seite von Matthias, unseres Guides, mit Erwähnung unserer Tour.
http://www.project-himalaya.com/dispatches/2004/04-cho-oyu-10.html
– Die Seite von Jamie - dem Neuseelander, der uns bei der Rettung
geholfen hat.
Die Rettungsaktion ist auch bei ihm erwähnt. Seine Gruppe ist mit
Sauerstoff
gegangen. Nur eine Frau hat den Gipfel erreicht. Catherine, die
Ärztin, die Cédric
im Zwischenlager untersucht hatte. Sie hatte es sich dort noch nicht
zugetraut.
Ich hab sie ermutigt, dass sie es schaffen kann. – Auch als sie
wieder ins ABC
kam, war sie gut drauf und ich hatte zufällig das Glück, ihr
erster Gratulant
zu sein.
www.dav-summit-club.de -
Die Seite vom Summit, wo der Erfolg der Tour nachzulesen war und mglw.
ein
offizieller Tourenbericht folgen wird.
http://www.expeditionsbergsteigen.com/Berichte/cho_oyu_robl.html
- Statement
von
Matthias.
Folgend
der Ausschnitt von Jamies Seite, unsere Rettungsaktion betreffend
(Jamie war im
Herbst übrigens zum 2. Mal in diesem Jahr im ABC am CHO).
Anzumerken ist, dass
Cédric nicht wie dort nachzulesen ist, abgestürzt ist,
sondern ein Hirnödem
hatte. Am Tag des Abstiegs vom Gipfel zum CIII hatte er noch keinerlei
Ausfallerscheinungen. Und wir hatten auch jederzeit Funkkontakt zum
ABC. Aber
das sind Dinge, die sich oberhalb vom CII zugetragen haben – und
Jamie kam uns
erst ab CII zu Hilfe. – Der Rest entspricht den Tatsachen.
Jamie
berichtet: http://www.project-himalaya.com/dispatches/2004/04-cho-oyu-10.html
The day
before the sherpas had told me (Jamie)
that one of the DAV Summit Club clients had taken a fall while their
sherpa was
talking on the radio. Today we knew that this client - Cédric -
could not walk
properly. They
had lost
radio contact.
We saw three
(including Bernd, another team
member) descending from Camp 3 late in the day and obviously painfully
slow and
in real difficulty. Myself and Namgyal went up to C2 to assist as none
of the
DAV group or sherpas were in a position to help.
We climbed
to a little above C2 where Cédric was
lying in the snow. Apparently he had taken a fall on the rock band
using an old
rope but had got up and walked to Camp 3. The next morning he wasn't
able to
pee, and then had real difficulty walking. Although obviously in real
trouble,
he was in good spirits and didn't want oxygen (which we had at C2; the
only
team that did).
We decided
to get him down to our C1.5 camp and
alternately walked him supported by Jamie, and lowered him; Namgyal
belaying
him down, Jamie guiding/supporting. We got to C1.5 at around 8pm where
we had a
spare tent and Dawa fed them. Both were very thankful, but I knew it
was just
the beginning of what would probably be a very long ordeal.
In the
morning Catherine, a doctor, made a quick
examination and thought that he had a stable vertebrate fracture and
recommended that he not twist at all.
out of his
pack, right in front of us. A thief
that if karma does exist, will deal with harshly I
hope.
12 May - to Camp
2, 7000m
We were
going up, setting off at a usual late
time.
Cédric
and Bernd were waiting for a rescue team
to arrive. This was Temba from our team, Tarke from Thamserku, Chuldim
from
Amical and Lhakpa from DAV (although he only made it up to just above
C1). When
they eventually got moving, it was a very long day to ABC, arriving
well after
dark.
I (Jamie) have to point out that on our summit bid we were able to assist with this rescue, which we did willingly, and by having a strong team of sherpas, we didn't compromise our summit bid at all. Ours was the only team on the mountain capable of this.
...für interessierte: weitere fotos der expedition: Cho Oyu Expedition 2004