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Cho Oyu Expedition mit dem Summit Club vom 12.04. – 24.05.2004

WARUM macht man DAS? – Was bewegt jemanden, einen 8.000er zu besteigen?

Im Grunde fängt bei mir alles mit Chamonix und dem Mt. Blanc an. Nachdem ich über zahllose Chamonix-Besuche immer wieder auf den Monte geschaut hatte, kam mir der Gedanke, dass ich diesen „Hügel“ auch besteigen könnte. Bis das Wirklichkeit wurde, vergingen allerdings noch Jahre. Und mittlerweile gehörte ich als Marathonläufer zu den Leuten, die sich überlegen::: "Was kannst du mit deiner Kondi noch machen?" - Und als ich dann oben gewesen war, erkannte ich, dass der Monte (4.810m) nicht meine Grenze gewesen war und stieg über 6.000m auf 7.500m ... und schliesslich nun auf den Cho Oyu, der mit 8.201m der sechsthöchste Berg der Erde ist. Dabei sehe ich mich nicht als Bergsteiger im klassischen Sinne. Bei mir ist es eher so, dass mir diese Herausforderungen zufällig ins Hirn spazieren - und sie ich dann eben umsetze.

Persönliche Voraussetzungen für ein solches Unternehmen

Klar, man muss schon eine excellente Kondition für eine solche Unternehmung haben, und 2 mal Jogging pro Woche reicht ganz sicher nicht aus. Andrerseits ist es aber auch keine Hexerei. Denn "die Kraft zum Erreichen all deiner Wünsche und Ziele ist dir schon mit deiner Geburt gegeben worden. - Es hat nur keiner behauptet, dass du dich zu ihrer Erreichung nicht vielleicht sehr wirst anstrengen müssen.” - Diese Worte beinhalten sehr viel Wahrheit für mich und haben sicher auch für die Besteigung des CHO Gültigkeit. Das Fatale ist, dass man mglw. erst in der Höhe merkt, wenn man doch nicht ausreichend vorbereitet war. Und das bezahlt man dann u. U. mit dem Leben. Beispiele dafür gibt´s genügend. Neben physischer Stärke ist mentale Vorbereitung ebenfalls sehr wichtig. Ein starker Kopf und eine excellente Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.

12.04. – Flug nach Kathmandu, Nepal

flieger

So ging es also am 12.04. los. Ca. 10 Stunden Flug nach Kathmandu. Dort ins Hotel - eins der drei besten vor Ort. Mit für meinen Geschmack etwas zuviel Luxus. Ich brauche all den Luxus nicht - und schon gar nicht in der 3. Welt. Wahrer Luxus sind für mich Menschen mit einem schönen Herzen – es gibt sie!

hotel

   

15.04. – 19.04 Fahrt nach Zhang Mu, Tibet – Erreichen des “Fahrerlagers”

Auf dem Landweg geht es mit einem uralten Bus nach Zhang Mu, dem chinesischen Grenzort

grenze

Von dort am nächsten Tag weiter mit Jeeps nach Nyalam, wo wir 2 Tage Aufenthalt für die Akklimatisierung haben. – Hier machen wir auch eine erste Eingehtour zur Gewöhnung an die Höhe.

nyalam

“Wir”, das sind 7 Männer und Alex, die Frau unseres Guides, Matthias. Bei einer solchen Tour hat der Guide nur noch beratende Funktion am Berg. Er trägt keinerlei Verantwortung für die anderen Personen. Jeder geht auf eigene Gefahr und muss ein “selbständiger und konditonsstarker Bergsteiger sein”. Das unterschreibt man bei Vertragsabschluss.

klo

Am 18.04. fahren wir weiter nach Tingri (4275m), wo wir eine weitere Übernachtung haben. 

tingri

Am Folgetag geht´s dann ins "Fahrerlager". Dort bleiben wir 3 Tage, um Zeit für die Akklimatisierung zu haben, wieder in Verbindung mit Eingehtouren. – Prinzip: “Go high – sleep down”.

22.04.  Vom Fahrerlager ins Zwischenlager

fahrerlager

Vom Fahrerlager (4.900m) geht´s nun mit Yaks über das "Zwischenlager" (5.300m) und tags darauf ins ABC (AdvancedBaseCamp,5.700m).  

fahrerlager2

Wir benötigen 40 Yaks für unsere gesamte Ausrüstung, die etwa 2,3 Tonnen wiegt. Die Verhandlungen mit den tibetischen Yak-Treibern sind immer wieder ein Abenteuer und ein Sherpa erzählt mir später, dass in dieser Gegend von Tibet jedes Jahr das Kilogramm neu definiert wird. Es gibt zu diesem Zweck eigens eine Kommission. Kein Wunder also, dass es immer wieder Unstimmigkeiten beim Wiegen gibt.

kg

Beide Seiten arbeiten mit allen Tricks. Während Matthias mit den Jungs verhandelt, warten wir in einem Teehaus. Matthias hat uns gebeten, den Verhandlungen fern zu bleiben, damit das Chaos nicht noch grösser wird. Als die Verhandlungen ihren Höhepunkt erreichen, kommt er ins Teehaus::: Er hat den YakTreibern erzählt, dass er sich nun bei unserem “Doc” (Dieter) Geld leihen müsste, was natürlich auch eine Finte war, die aber gewirkt hat.

kuchen

Das Zwischenlager erreichen wir nach ca. 4 Stunden. Unterwegs fängt es an zu schneien.

zwischenlager2

Bis wir unsere Zelte aufbauen können, hat sich das Wetter zu einem heftigen Schneesturm ausgewachsen. Im Zwischenlager haust eine kleine tibetische Familie, die uns Essen und Tee anbietet. Auch ein Baby ist dort oben, das wohl auch hier zu Welt gekommen ist. 

zwischenlager

Schon wirklich sehr harte Bedingungen für die Nomaden, die hier leben. Wer sich in unserer Zivilisation über alles beklagt, sollte sich zumindest einmal klar machen, dass es neben der unsrigen deutschen oder europäischen Realität auch noch völlig andere Realitäten gibt. Und ob die Menschen dort überall unglücklicher sind als wir, wage ich sehr zu bezweifeln. Ich finde es jedenfalls absolut beeindruckend.

Wenn ich mich im ABC am CHO mit Sherpas abends im Mannschaftszelt unterhalte oder im Basecamp des Mustagh Ata in China mit Kirgisen, dann ist das einfach phantastisch und hebt sich wohltuend vom Gehabe der ach so “wichtigen” Menschen ab, die man bei uns oft trifft und die sich hinter ihren armseligen Fassaden verschanzen. – Sprich mit einem wettergegerbten Nomaden, der mit seiner Familie in einer Yurte mitten irgendwo im tibetischen Hochland lebt und du wirst erfahren, was natürliche Ausstrahlung und Autorität sind.

23.04. Einzug ins ABC und grundsätzliche Überlegungen zur Höhe

Wir gehen wieder überwiegend im Schneetreiben und benötigen 7 Stunden bis ins ABC. Ich achte dabei - wie immer - diszipliniert darauf, möglichst langsam zu gehen. Ich will nichts riskieren und Kraft sparen.

zwischenlager3

Das ABC liegt auf 5.700 m. Meine grösste Sorge gilt besonders diesem ersten Teil der Expedition. Es geht ständig höher und der Körper hat kaum Zeit für die Anpassung an die Höhe. Ich habe seit Tingri oft Kopfschmerzen und kann anhand meiner persönlichen Kenndaten leicht einschätzen, dass ich in der Akklimatisierung noch arge Defizite habe. Demzufolge ist für mich immer das Gebot, möglichst keine Kraft zu verschwenden. Da kann man folgenschwere Fehler machen. Es ist vergleichbar mit Marathonlaufen: Wenn man die ersten 5 km zu schnell angeht, bezahlt man dafür auf den letzten 5 km.

choABC

Mit Matthias haben wir jedoch einen Guide, der ebenfalls grössten Wert auf die Akklimatisierung legt. Ich bin im Fahrerlager auch mal eine Eingehtour nicht mitgegangen und habe mich geschont, weil es mir nicht gut ging. Matthias meinte dazu, dass viele Leute in solcher Lage dem Gruppendruck oder falschem Ehrgeiz unterliegen und dann doch mitgehen und sich letztlich damit schaden. Aber in dieser Hinsicht bin ich völlig "schmerzfrei". Ich habe mich mental lange und intensiv vorbereitet - verfolge meine Strategie und Taktik. So leicht bin ich nicht zu beeindrucken. Und wenn ich mich einmal intensiv mit einem solch bedeutendem Projekt beschäftigt habe, gibt es kaum etwas, was ich übersehe - und darin liegt ganz sicher eine persönliche Stärke, die mir sehr viel Selbstsicherheit gibt und hilfreich ist.

Im ABC liegt mein Augenmerk weiter auf Akklimatisierung. – 5.700m Höhe sind einfach ungesund hoch für den Daueraufenthalt... und wir sind ja annähernd 4 Wochen hier oben - oft genug auch noch höher – eben bis hin zu über 8.000 m. Man erholt sich im ABC nicht wirklich, sondern verliert unmerklich Substanz. Die Grenze, wo Menschen noch anpassungsfähig sind, liegt bei ca. 5.300m Höhe. Darüber reduziert sich bei einem Daueraufenthalt die Lebenserwartung von Menschen dramatisch.

aus ABC 

Lagerleben im ABC

Etabliert ist man im ABC recht schnell und dann beginnt das Lagerleben - und man verbringt sehr viel Zeit dort. - Und der Platz ist für die Verhältnisse eines BaseCamps nicht sehr günstig gelegen. Es ist sehr steinig. Man holpert immer über Geröll oder Felsbrocken. Es fehlt ein Bach, der sehr angenehm wäre, wenn man sich mal waschen oder Kleidungsstücke auswaschen möchte. Zudem ist es recht eng im ABC. Es sind mehrere Expeditionen aus aller Welt vor Ort. Diese Saison waren es ungefähr 15 – und nur 4 davon waren erfolgreich, wobei “erfolgreich” bedeutet, dass mindestens eine Person den Gipfel erreicht.

toi zelt

Respekt vor der Höhe und dem Berg habe ich mehr als genug::: Wir waren für die Verhältnisse auch 2002 am Mustagh Ata sehr lange in grosser Höhe. Da bekommt man einen Vorgeschmack. Und nach der Reise habe ich damals den Substanzverlust sehr deutlich zu spüren bekommen. Und nach der Besteigung des CHO haben am Ende alle in der Gruppe extrem an Körpergewicht verloren.

certag bag

Temperaturen im ABC

Die Temperaturen im ABC sind anfangs recht frisch: schon abends um 20 Uhr um die -18 Grad. Da wird es im Mannschaftszelt schnell ungemütlich (gegessen wird um 18 Uhr) und man schaut, dass man in den Schlafsack kommt. Normal braucht man fürs Basecamp keinen so leistungsstarken Schlafsack wie für die grösseren Höhen, aber wenn der 2. Schlafsack nicht ausreicht, kann man den HighendSchlafsack gleich schon im ABC hernehmen...und kann ihn dann natürlich auch nicht auf den Hochlagern deponieren, sondern muss ihn immer zwischen ABC und CI rauf und und runter schleppen. Und das sind immerhin ca. 2 kg an zusätzlichem Gewicht. Aber Kälte ist bekanntlich ein sehr subjektives Gefühl und wird stark beeinflusst von Erschöpfung und Gesundheit. Grundsätzlich zähl ich mich eher zu den kälteempfindlichen Menschen, habe allerdings mit meinem 2. Schlafsack bei -18 grad noch keine Probleme. Der HighendSchlafsack für die Hochlager reicht bis -40 Grad und bietet “Komfort” (ha ha ha) bis -25 Grad. Was besseres gibt es nicht. Beim Stichwort  “Komfort” muss ich grad selbst doch etwas grinsen, weil die meisten Leute das Wort “Komfort” in Zusammenhang mit diesen Bedingungen erfahrungsgemäss eher absurd finden ...

schnee im ABC

Gipfelstrategie

Nun, wie geht es dann weiter? Die Strategie für die Gipfelbesteigung? Eine Frage, über die man trefflich diskutieren kann. Wir haben leider nicht die grosse Auswahl, weil uns schon das Wetter ziemlich ausbremst. Anfangs haben wir oft Schnee und später dann Phasen, wo im ABC bildschönes Wetter ist - keine Wolke am Himmel - dafür aber Höhenstürme beherrschend sind. - NO-WAY für einen Gipfelversuch.

puja

Unter diesen Bedingungen leidet auch das Einrichten der Hochlagerkette. Unsere beiden ClimbingSherpas können nicht hoch und sind anfangs auch etwas träge, weil sie zunächst nicht so gut harmonieren. Meine IdealVorstellung ist, möglichst einmal auf CII zu übernachten. Das kriegen wir aber leider nicht hin. Bei einem Versuch haben wir schon auf CI derartigen Sturm, dass wir uns in die Ecken des Zeltes setzen, weil wir befürchten, es könnte sonst vom Sturm losgerissen und mitsamt der Insassen davon getragen werden. Wir müssen also wieder ins ABC absteigen. Im übrigen haben wir im Sturm auf CI auch ein MaterialZelt verloren – mit ausgerechnet 2 weiteren Zelten für die Hochlager darin. An diesem Tag wird das halbe CI zerstört. Die Gewalt der Natur in dieser Höhe ist enorm. Und nur kleine Wetteränderungen können schon so entscheidend sein, dass es für Menschen dort oben dann sehr gefährlich – bis tödlich - werden kann.

pickel

6.5. – 12.5. Gipfelangriff

Tja - und nun zum Kern: dem Gipfelangriff. In unserem Fall läuft es so, dass wir 2 Gruppen bilden müssen. Das ist erforderlich, weil wir nicht genug Platz in den Hochlagern haben. - Ergab sich aber auch aus dem, was einzelne Leute vorher gemacht hatten. Und da ich die Strategie hatte, möglichst einmal im CII zu schlafen, was ja leider nicht klappte, brauchte ich nach diesem Fehlversuch auch noch Ruhetage, so dass ich automatisch in Gruppe 2 gehe. Das ist auch ok, ausser evt. von der Wetterprognose her.

weg zum killerhang

2 Gruppen, die im Abstand eines Tages aufsteigen werden

Im übrigen ist die Sache mit der Gruppeneinteilung im Vorfeld der einzige Zeitpunkt, wo wir in der Gruppe Spannungen bekommen. Es gibt Leute, die unbedingt in Gruppe I gehen wollen, weil sie darin eine Trennung nach Stärke sehen, was aber in diesem Fall absolut nicht zutrifft, da zu diesem Zeitpunkt niemand sagen kann, wie stark ein anderer tatsächlich ist. Nach der Gipfeltour werden wir wissen, dass grad die lautesten Schreihälse die Schwächsten sind - und mangels eigener Selbständigkeit die Nähe zum Guide suchen. Als ich am 06.05. morgens beim Frühstück für mich ein Szenario einer Gruppe 3 eröffne::: Gipfelanstieg mit Nawang, einem der beiden SherpaGuides ... und zu einem noch späteren Zeitpunkt ... wird es merkwürdig still in der Gruppe. Für dieses Szenario spricht die Chance einer Übernachtung auf CII. Dagegen evt. die Zeit, wenn das Wetter nicht mehr öffnen sollte. Doch Matthias sagt mir zu, dass ich für diesen Fall einen ClimbingSherpa als Begleitung bekäme. Ich beende dann dieses Gedankenspiel und fordere für die 2. Gruppe lediglich eine qualifizierte Person, die eben für den Notfall anwesend ist. Das wird anfangs belächelt, aber derjenige, der am meisten darüber gelächelt hat und es mir hinterher offen eingestanden hat, hat sich im nachhinein für seine Dummheit entschuldigt. Fand ich nett, denn das hätte er mir ja nicht eingestehen müssen ...aber es hätte mich auch nicht interessiert, was andere über diese Forderung denken.

zum ABC

Nawang

So hatten wir also mit Nawang eine starken Sherpa dabei, der schon mehrmals auf dem CHO-Gipfel war::: Nawang - mein spezieller Freund. Ein Mensch, der anfangs schwer zugänglich ist, den man mit dem Herzen verstehen und übers Herz mit ihm kommunizieren muss. Das hat ganz eindeutig sehr gut funktioniert. Am Ende schenkt er mir einen tibetischen Ring. Eine ganz besondere Geste, die ausser mir nur noch Matthias zuteil wird, der auch einen ähnlichen Draht zu Nawang hat. Nawang, ein Mensch über den ich noch sehr viel erzählen könnte - und den ich ganz sicher nie vergessen werde.

nachts im ABC

Der Aufstieg

Wir gehen dann einen Tag versetzt zu Gruppe I mit Oli und Cédric, meinem schweizer BergFreund (Er sagt mit seinem frz. Akzent immer zu mir: “Eh Reinhold, lass uns besser auf die Malediven fahren...") und natürlich Nawang, auf Gipfeltour. Die Wetterprognose ist günstig, wenn auch nicht optimal.

Wir gehen::: CI 6.400m 

CI3

--> CII 7.000m

CII

--> CIII 7.400m

CIII

--> Gipfel 8.201m. - Soweit funktioniert alles sehr gut, bis auf die Tatsache, dass das Wetter leider oben am Gipfel ziemlich übel ist, obwohl es vorher immer sonnig war, so dass ich leider den höchsten Punkt nicht gesehen hab. Wir sind gezwungen kurz davor umzukehren. Aber wir waren eben so nah dran, dass dies üblicherweise als Gipfelerfolg gewertet wird. Auch für die Statistik der Ms. Hawley, die akribisch jeden Besteiger eines Himalaya-8.000ers nach Möglichkeit persönlich befragt und ihre Chronik führt. (Matthias hatte uns in Kathmandu bei ihr angemeldet.) - Mittlerweile ist sie eine Dame von 75 jahren und geniesst in Bergsteigerkreisen allerhöchsten Respekt. Keiner kann über das Himalaya mehr erzählen als sie. Niemand hat mehr Daten gesammelt. - Cédric und ich erreichen das Gipfelschneefeld und damit eine Höhe von ca. 8.150 m, während Oli vorm “Gelben Band” auf 7580m umgekehrt ist, weil es ihm zu kalt war. Anfangs ist er schon sehr enttäuscht darüber – klar! Aber ich würde da nicht - wie er es zunächst tut - von Versagen sprechen. Im Gegenteil. Ein Erlebnis ist es trotzdem. Und ich denke, dass grad Kälte - wie schon erwähnt - eine sehr subjektive Sache ist. Und ganz sicher ist es eine gute Entscheidung, umzukehren, denn Erfrierungen hat man schnell. Dieter bspw. hat sich die Zehen erfroren - und Alex hat eine Erfrierung am Kinn. Andere klagen über Taubheit in den Fingerkuppen oder Zehen. Ungefährlich ist die Höhe also KEINESFALLS, wie sich auch uns leider noch zeigen sollte.

reast

Wie fühlt man sich während des Aufstiegs?

Ich war auch nicht durchweg nur stark. Einen argen Durchhänger hatte ich auf CII. Die Tour dorthin war sehr anstrengend. Man musste einen senkrechten Eisfall mit kleineren Überhängen hoch, der aus hartem Blankeis bestand 

eishang

und dann eine weitere BlankeisPassage hinauf - nicht mehr ganz so steil, aber sehr kraftraubend. Und das alles auf ca. 6.600 – 6.800m Höhe. Eine harte 9 Stunden Tour mit schwerem Gepäck. Jedenfalls dachte ich zunächst, ich müsste am nächsten Morgen aus CII wieder absteigen. Ich hatte Kopfschmerzen und mir war vom Magen her gar nicht gut. Mit Mühe und Arschtritt des inneren Schweinhundes (ja, es gibt ihn!) konnte ich mich abends zu den RoutineTätigkeiten, wie Wasserkochen, aufraffen. Als die Sonne unter ging, überkam mich zudem ein heftiges Zittern, was Cédric, mit dem ich das Zelt teilte, dazu veranlasste, mir mitzuteilen, dass er sich ein paar Sorgen wegen meines Zitterns machte. Auf meine Überlegung, dass ich evt. am nächsten Morgen absteigen müsste, meinte er dann aber komischerweise wieder: "Eh, Reinhold, ich weiss, du wirst morgen weiter hochgehen." Am nächsten Tag ging es dann tatsächlich doch. Ich hatte gegen morgen 2 Stunden gut geschlafen und die Kopfschmerzen waren verschwunden. - Ich dachte:: Absteigen kann ich immer noch.

Individuelle Stärken und Schwächen

Zur Gipfeletapppe bin ich dann wieder topfit.

rast2

Keine Ahnung, warum das so ist. Das war auf der Mustagh Ata-Expedition auch schon so. Ich habe mich irgendwie gut erholt - trotz der Höhe - und das führe ich auf meine - wohl doch sehr gute - Ausdauer zurück und die Tatsache, dass ich es einfach auch gewöhnt bin, 1. dauerhaft mit sehr wenig Schlaf auszukommen und doch gute sportliche Leistungen zu bringen - und es auch gewöhnt bin, im täglichen Training immer mal wieder so grauenhaft miese Tage zu haben, von denen ich mich dann aber auch gut erhole – eben auch mit wenig Schlaf. Es ist einfach ein neuer Tag und es geht wieder.

Hier hat sicher jeder seine individuellen Stärken und Schwächen. Man muss sich einfach nur sehr gut kennen und richtig einschätzen können. Mit Sebastian hatten wir einen jungen Leistungsturner dabei. Ein Kraftpaket also. Aber eben mit weniger Ausdauer. Er hatte oft Probleme mit der Höhe - und musste strategisch - anders als ich z. b. - versuchen, möglichst schnell rauf und wieder runter zu kommen, um halt kein Opfer der Höhe zu werden. Und da er enorme Kraft hatte, konnte er z. b. von CI direkt zu CIII gehen.

toms-abstieg

Das schaffen nur 10% der Bergsteiger, die es versuchen. Das hätte ich niemals gekonnt, weil mir dazu die Kraft gefehlt hätte. – Klar! - Jemand der sich mit waagerecht ausgestreckten Armen in die Ringe hängen kann und Seitpferd auf dem Boden turnt, geht natürlich in der Steigklemme anders den senkrechten Eisfall hoch als ich mit meinen MiniBizepsen. Da helfen auch meine täglichen 140 LiegeStützen nicht viel ((((wenn ich nochmal sowas vorbereiten sollte, würde ich statt der Liegestützen Klimmzüge ins Programm nehmen – oder noch besser::: beides))). – Für Sebastian war das also genau die richtige Strategie. und es zeigt eben sehr schön, wie man seine Stärken ausnutzen kann, wenn man sich gut kennt. – (((Er hat übrigens auf dem Gipfel ein Foto mit Kopfstand gemacht, was er allerdings mit sehr starken Kopfschmerzen bezahlt hat)))

Wer regiert in mir? – Der Kopf oder die Beine? - Was tun gegen Schwäche?

In unserer Gruppe ist immer Cédric weit vorne. Er geht mit einer speziellen Atemtechnik, (Lippenpresse) auf die er seine Schnelligkeit zurückführt. Da wär ich nicht mitgekommen. Zumindest hätte ich dann bewusst was an meiner Aufstiegstechnik ändern müssen – und das wollte ich nicht. So bin ich einfach nur mit meiner ganz normalen Atmung gegangen. Wenn es hart wurde, habe ich schon mal bewusst tief geatmet, aber meist völlig normal, wie im Training auf dem Rad oder beim Wandern im SWF (SherWoodForest) halt auch.

SWF

Jedenfall hat es keine Momente gegeben, wie auf der Mustagh Ata-Expedition, wo ich mich zusammenreissen musste und mir gesagt habe: "Wer regiert hier eigentlich? - Die Beine oder der Kopf?" - und danach dann eben konzentriert mit der Stärke des Kopfes zu Lager III gegangen bin. Ich hatte die "Daddelei" einfach satt, die uns an diesem Tag alle ergriffen hatte. Durch das bewusste Freisetzen der Kraft des Geistes - und mit Hilfe zweier Mantras - war ich damals dann fast eine Stunde vor allen anderen auf Lager III. Aber an solche Grenzen bin ich am CHO nicht gestossen. Möglicherweise, weil ich – für einen FlachlandTiroler bestmöglich vorbereitet und besser akklimatisiert war. Die allerletzten Reserven brauchte ich am CHO nicht zu mobilisieren.

10.05. Gipfeltag

Um 1 Uhr klingelt der Wecker. Um 3 Uhr wollen wir starten. Nun denkt man vielleicht, 2 Stunden wären lange für die Vorbereitung. Aber das ist nicht so. – Das Zelt ist klein und es geht sehr eng zu, da die Daunenkleidung und Schlafsäcke allein schon sehr viel Platz wegnehmen.

zelt CIII

– Zudem ist es lausig kalt und allein das Anziehen ist schon ein kraftraubender Akt für sich. Wir kochen Wasser, essen etwas. Ich bekomm nur etwas gefrorenes Schwarzbrot mit ebenfalls gefrorener Leberwurst durch den Hals. Auf meinen Rucksack verzichte ich. Er ist mir schon vom Leergewicht (2,6 kg) zu schwer. Ich packe mir die beiden Trinkflaschen in die Innentaschen der Daunenjacke, Ski- und Gletscherbrille, Sonnenöl, LippenSchutzStick, Fotoapparat in die Aussentaschen. Stirnlampe setz ich auf. DaunenHandschuhe brauch ich nicht, nehm sie aber vorsichtshalber unter dem Latz der Daunenhose mit (((Finger sind sehr gefährdet für Erfrierungen – und das Risiko möchte ich nicht eingehen.))) - Dann noch Riegel als Verpflegung. Den Sitzgurt hab ich angelegt, Steigklemme dabei, Pickel in eine Materialschlaufe des Gurts gesteckt – sicher etwas Rambo-mässig. (((Ja, ich bin Rambo und Highlander in einer Person – das wissen allerdings nur Leute, die mich sehr gut kennen;-)))

Wecken – WehWehchen in der Höhe

Wir sind trotz der frühen Weckzeit relativ spät dran. Als wir endlich das Zelt verlassen, kommt auch Oli vor die “Tür”. Er teilt das Zelt mit Nawang, was erhöhten Komfort bedeutet, weil Nawang sich um alles kümmert. Zunächst ärgere ich mich noch tierisch über meine Trekkingstöcke, weil die sich wieder mal nicht feststellen lassen. (((Einer von Matthias` Sponsoren ist Leki. Klar, dass ich ihm immer wieder erzähle, wie scheisse ich Leki-Stöcke finde. Das ist natürlich nur ein Scherz, um Matthias zu “teasen” – tatsächlich gibt´s keine besseren.))) - Ich muss beide Handschuhe ausziehen, was bei ca. – 28 Grad kein Spass ist. Und die dämliche Dreherei erschöpft mich. Alles was man in dieser Höhe macht, kostet einfach sehr viel Kraft. Zu allem Überfluss breche ich mir noch den linken Daumennagel ab. Aber meine Finger sind zu kalt, um einen Schmerz zu spüren. Örtliche Betäubung SoToSay. Aber ich weiss schon jetzt, dass ich da noch “Spass” bekommen werde, denn es fehlt ein ganzes Stück vom Nagel auf dem Nagelbett. - Überhaupt::: Haut und Verletzungen::: Meine beiden Daumenkuppen sehen schlimm aus. Kleine Risse sind zu dicken Einkerbungen geworden, die höllisch schmerzen – trotz aller Eincremerei. Ich kann keinen Reissverschluss mit Daumen und Zeigefinger betätigen. In der Höhe heilt nichts. Den anderen geht es ähnlich. Auch die Lippen sind bei uns allen ein übles Thema. Jeder hat Risse in den Lippen - trotz aller Sorgfalt. Im ABC haben wir auf dem Tisch im Basecamp eine Salbe liegen, die jeder reihum immer wieder benutzt. Das Schlimme ist, wenn die Lippen wieder trocken sind - und man dann lacht - und das tun wir ja sehr oft - reissen die Lippen sofort wieder ein - und das Lachen verkommt zur schmerzverzerrten Grimasse. Aber das alles spüren wir heute morgen nicht.

Im Schein der Stirnlampen über Geröll zum Gelben Band

Nawang und Oli steigen zu uns auf. Unser Zelt liegt ein paar Meter höher. Ich kann endlich meine Handschuhe wieder anziehen. Dann geht es um ca. 3:45 Uhr im Schein der Stirnlampen los. Es ist zwar sehr kalt, aber kaum windig. Der Aufstieg geht über sehr groben Schotter bis hin zum Gelben Band.

gelbes band

Ich habe ständig das Gefühl, betrunken zu sein - irgendwie zu schwanken. Man findet mit den Steigeisen unter den plumpen ThermoSchuhen auf den losen Steinbrocken einfach keinen Halt. Ich torkel mehr als das ich gehe. So kommt es mir zumindest vor. Nawang, der uns nun den Weg durch das Gelbe Band führen wird, geht voran. Ihm scheint das Geröll nichts auszumachen. Er und Cédric sind etwas vor mir. Oli bleibt bald zurück. Etwas unterhalb neben uns - seitlich vom Geröll im Schnee - entdecken wir plötzlich den Amerikaner. Dieser ist schon seit CI immer in unserer Nähe. Ich ärgere mich ein wenig, dass Nawang uns übers Geröll schickt, denn im Schnee ginge es sich viel angenehmer. Aber Nawang ist da “schmerzfrei” - und es ist ihm vermutlich wirklich egal, wo er lang geht. Dann erreichen wir das Gelbe Band. Es wird langsam hell. Und als ich mich wieder umdrehe, ist Oli zurückgeblieben. Er sitzt auf einem Stein. Und wenig später sehen wir ihn absteigen. Warum, ist mir zu dem Zeitpunkt nicht ganz klar, denn ich hatte schon den Eindruck, dass Oli fit war. Er hatte z. b. nie Kopfschmerzen. - Ok, er war sicher auch nicht der Stärkste von uns, aber den Gipfel hätte ich ihm schon zugetraut

GO-GO-GO!!! und Schnell-Kurs in SteigeisenTechnik;-)))

Das Gelbe Band ist mit Fixseilen gesichert und stellte keine grössere Schwierigkeit dar. Ohne Fixseile ist es eine Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrad. Nach dem Gelben Band gab es keine weiteren grösseren technischen Schwierigkeiten mehr. Man geht zunächst durch Steinfelder mit Schnee durchsetzt. Das ist nicht sonderlich schwierig - und es war auch nicht sonderlich ausgesetzt. Nun fing Nawang an, uns immer wieder anzuspornen::: Sein “GO-GO-GO!!!” 

nawang

wurde später in den Erzählungen zum geflügelten Wort. - Wir haben viel darüber gelacht. Warum er uns anfeuerte war mir nicht ganz klar. Langsam waren wir jedenfalls nicht. Das Tempo passte mir aber - ich war einfach sehr gut drauf. Irgendwann rutschte ich einmal mit dem Steigeisen nach hinten weg, wie es eben schon mal im Schnee geschehen kann. Das nahm Nawang zum Anlass, mir vorzuführen, wie man mit Steigeisen geht. Das war sehr skurril und eher lustig, denn Nawang ging nun vor mir her und stampfte seine Steigeisen in den Schnee::: SO sollte ich es machen. - Einfach zu lustig, wie dieses Männlein - Nawang ist sicher einen Kopf kleiner als ich, so vor mir herstampfte. Wir hatten also auch da oben unseren Spass. Ich zumindest. - Das Wetter war zunächst gut. Es gab Wolken, aber die Sonne schien. Doch mit zunehmender Höhe, wurde klar, dass das nicht so bleiben würde - und vielleicht war das der Grund, der Nawang bewogen hatte, schon frühzeitig aufs Tempo zu drücken. Nachdem wir die Gesteinspassage verlassen hatten, die man aus dem ABC auch sehr gut erkennen kann, querten wir ein Schneefeld. Hier wurde Cédric das Tempo zu schnell. Wir machten unsere erste Pause und hockten uns in den Schnee.

Durch die Felsen zum GipfelSchneeFeld

Wir führten ein paar Diskussionen über den richtigen Weg zum Gipfel, weil Matthias immer gesagt hatte::: oben rechts halten. Die zunächst sichtbare Kuppe ist nicht der höchste Punkt des CHO. Aber Nawang kannte sich ja bestens aus. Wir mussten zuvor noch durch die Felspassage unterhalb des Gipfelschneefelds, die auch aus dem ABC sehr markant zu sehen ist und die auch mit Fixseilen gesichert war.

unterm gipfel

Allerdings fast nur sehr leichte Kletterei, die man auch ohne Fixseil leicht hinbekommen hätte. Das Fixseil war allerdings schon eine Hilfe, weil man sich hochziehen kann und eben gleichzeitig gesichert ist, wenn man mal abrutscht. Mittlerweile war ich ein ganzes Stück vor Cédric. Nawang ging gar nicht im Seil, sondern sprang wie eine Gemse durch die Felsen - war mal gar nicht zu sehen - dann stieg er uns auf einmal von oben wieder entgegen. Er feuerte uns - wie gesagt  - immer wieder mit seinem “GO-GO-GO!!!” an.

Unfälle passieren... und sind U N F Ä L L E

Glück hatte ich, als ich einmal mit der Seilklemme abrutschte, weil diese nicht packte (vereist?) und im Seil ein Stück zurückrutschte. Ich hatte es wohl mit der Seilspannung etwas übertrieben, so dass die Zähne der Klemme nicht unmittelbar greifen konnten. Kann auch sein, dass das Seil etwas verschliessen war. Ich fiel so unvermittelt und abrupt zurück, dass ich die Seilklemme losliess und mit dem Rücken abwärts auf den Fels fiel. Es waren aber nur ein paar Meter und nicht so steil, so dass ich schnell zum Liegen kam - und mir glücklicherweise nichts getan hatte. Später habe ich mir ausgemalt, was wohl passiert wäre, wenn das im Eisfall geschehen wäre. Dort wäre es steil abwärts gegangen - bis der Karabiner vom nächsten FixPunkt des FixSeils gehalten worden wäre. Aber die FixPunkte lagen u. U. auch mal 30 m unter einem. Und dann wäre ein solcher Sturz sicher nicht so harmlos abgelaufen. Aber das Leben ist nun mal gefährlich – auch im Strassenverkehr zuhause.

Das Wetter mag uns nicht

Das Wetter verschlechterte sich nun dramatisch. Vom Gipfel kamen uns 2 Tschechen entgegen – hinter uns war der Amerikaner - aber auch noch weit unter uns. Wir erreichten das GipfelSchneeFeld. Und dann war auch bald Schluss. Nawang winkte uns zurück. Es wurde etwas brenzelig, weil es sich ziemlich zuzog. Sicht hatten wir keine mehr. Und der stürmische Wind blies uns den Schnee ins Gesicht. Zum erstenmal auf einer Tour überhaupt musste ich die Skibrille aufsetzten. Der Gipfel hatte seine Schneefahne - und die verheisst bekanntlich nichts Gutes. Sturm zog auf. Und Nawangs Reaktion verhiess ebenfalls nichts Gutes. Nicht mal ans Bildermachen dachte ich - und erst als wir schon wieder ein Stück in den Felsen waren, fiel mir das ein. Ich ging noch einmal ein Stück aufwärts, um wenigstens noch ein Stückchen des Gipfelschneefelds zu erwischen. Auch unterwegs hatte man genug zu tun, sich zu konzentrieren. Ich hab da kaum an Essen oder Trinken oder an Fotos gedacht. Die Höhe ist schon extrem und lähmt wohl doch das Denken. Ja, es ist schon ein phantastisches und einzigartiges Erlebnis – ganz sicher.

Rückzug und Abstieg

Im Abstieg dann wurde das Wetter wieder zunehmend besser. Es blies ein zunehmend stürmischer Wind. Nawang selbst war auch nicht gut drauf und zeigte immer wieder auf seine Lunge (klar... wer auf 8.000m raucht....;-))) ). Er ging ein Stückchen vor mir, während Cédric zurückblieb, um Fotos zu machen. Da das Gelände nicht gefährlich war, gab es keinen zwingenden Grund, dicht zusammen zu bleiben. Ich war gut drauf und sah zu, dass ich runterkam. Am Gelben Band machte ich vor dem Abseilen eine kurze Rast. Zumal Nawang weiter unterhalb noch das Seil blockierte - und ich gerne seins nehmen wollte, weil ich damit sicher sein konnte, dass ich ein Gutes und vor allem frei liegendes Seil erwischte. Das war nicht immer so einfach::: an manchen Stellen waren die Seile ins Eis eingefroren. Dann muss man im Hang schauen, dass man ein anderes freies erwischt - und manche Seile sahen auch nicht mehr grad vertrauenerweckend aus. Erst letztes Jahr im Herbst war ein Führer von Amical an der Ama Dablam abgestürzt, weil ein altes Fixseil gerissen war. Matthias war zu der Zeit auch mit einer Gruppe vom Summit Club an der Ama und hatte die Unfallstelle gesehen. So etwas wollte ich ausschliessen.

Zurück im CIII

Ich seile mich dann durch das Gelbe Band ab und gehe hinunter ins CIII.

gelbes band1

Diesmal nicht über den Schotter, sondern seitlich im Schnee, was viel angenehmer ist. Im CIII angekommen ist es zwar sonnig, aber doch sehr stark windig mit weiter zunehmender Tendenz. Es ist 15:50 Uhr. Auch wenn´s sehr schwer fällt (der SchweineHund, you know...), raffe ich mich sogleich auf, Schnee fürs Kochen zu holen, solange ich noch die Steigeisen trage, denn sobald man den Schotter verlässt, und aufs Eis geht, wird es doch sehr schlüpfrig. Und wenn man auf dem Hang dann den Halt verliert, gibt´s erstmal kein Halten, auch wenn der Hang nicht soooo steil ist, aber man hat ja keinen Pickel, nicht einmal die TrekkingStöcke. Und man braucht beide Hände für das Schleppen der schweren Mülltüte mit dem Schnee. Klar bin ich nun kaputt, aber Wasserkochen ist erste Pflicht in der Höhe. Dann befestige ich noch die ZeltApsis, die im mittlerweile stürmischen Wind sehr stark flattert, so dass Kochen nicht gefahrlos möglich wäre. Das restliche Zelt steht sehr gut und wird auch einem heftigeren Sturm, der für die Nacht zu erwarten ist, standhalten.

Etwas später taucht der Amerikaner auf und genau vor dem Zelt von Nawang stürzt er - rutscht einfach weg und fällt sehr unglücklich und bleibt erst einmal liegen. Er scheint sich sehr weh getan zu haben, denn er steht erst einmal nicht wieder auf. Ich gehe zu ihm hin und frage, was mit ihm ist. Auch Nawang kommt aus seinem Zelt, hilft ihm auf und kümmert sich um ihn - und so gehe ich zurück zu unserem Zelt. - Später steigt der Amerikaner dann Richtung CII ab. Scheint noch einmal gut gegangen zu sein.

Cédrics Rückkehr zum CIII

Im Zelt breite ich mich dann aus und verkrieche mich in den Schlafsack, beginne zu kochen und halte Ausschau nach Cédric. Es dauert noch ca. 1,5 Stunden, bis er endlich kommt. Er schafft sich ins Zelt und murmelt ewas von... er wäre total fertig - und hätte beim Abseilen wohl Probleme gehabt. Dann wirft er sich auf den Schlafsack und bleibt erst einmal liegen. Er schläft sofort ein und atmet dabei immer wieder auch in der Pressatmung. Da er die Füsse im Vorzelt hat, fordere ich ihn auf, die Schuhe auszuziehen und in den Schlafsack zu kriechen. Er murmelt etwas, lässt aber keine Taten folgen. Seine Füsse, an denen er noch die Thermoschuhe trägt, bleiben weiterhin draussen im Vorzelt. Die Steigeisen hatte er bereits vor dem Zelt abgelegt. Ich koche also “lustig” weiter Wasser, bis unsere Flaschen voll sind. Als ich damit fertig bin, ist es dunkel und ich möchte das Innenzelt verschliessen. Doch Cédric ist nicht gewillt, seine Füsse aus dem Vorzelt zu nehmen. Und auch in den Schlafsack will er nicht gehen. Also nehme ich seine Füsse und ziehe sie soweit ins Innenzelt, dass ich den Reissverschluss schliessen kann. Da Cédric seine Daunenjacke und Daunenhose trägt und auch die warmen Thermoschuhe - zudem auf dem warmen Schlafsack liegt und die Daunenmatraze als Unterlage hat, mache ich mir wegen Kälte keine Sorgen. In dem engen Zelt mit zwei Personen und all den Sachen ist es nun nicht so kalt. Die Nacht schlafe ich recht gut für diese Höhe. Ich träume etwas wirr und diffus, aber ein solches Erlebnis, wie ich es z. b. im Lager III des Mustagh nach der Gipfeletappe hatte, wo ich mitten in der Nacht wach wurde und auf einmal nicht mehr wusste, wo oben oder unten war - und ob ich mit dem Kopf vorne oder hinten im Zelt lag (oder die berühmte Steigeisen-Story nach der Mt. Blanc-Überquerung) habe ich nicht. Ich denke, dass das eine Sache der Erschöpfung ist - und ich bin einfach “zu” gut drauf. Cédric rührt sich in der Nacht nicht. Er schläft - und mein Eindruck ist, dass er sehr erschöpft ist. Aber ich denke intuitiv, dass er sich bis zum nächsten Morgen erholen wird.

11.05. – 12.05. Abstieg ins ABC – Cédric mit Problemen

Kann sein, dass Cédric sich schon bis zum Aufstieg auf CIII verausgabt hatte. Anzumerken ist es ihm erstmal nicht. Jedenfalls kann er nach der Gipfeletappe am nächsten Tag den CHO aus eigener Kraft nicht mehr absteigen. Mit Nawang, der zufällig noch oben ist, muss ich Cédric bergen. Man stelle sich meinen Schock vor, als er am Morgen nach dem Gipfeltag nicht in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen - geschweige denn zu gehen. Ich funke mit Matthias - und der meint::: DER MUSS HEUTE NOCH RUNTER! - Egal wie. Ich bekam nun die “Führerrolle” und die Verantwortung für Cédrics abtransport. Ich möchte das hier nicht zu ausführlich beschreiben, aber Nawang und ich schafften Cédric ins CII, wo uns Jamie, ein Neuseeländer, der zufällig mit seiner Gruppe im Aufstieg war, geholfen hat.

rettung

Wir steigen bis in die Dunkelheit ins Zwischenlager zwischen CI und CII ab, das Jamie für seine Gruppe dort eingerichtet hatte. Am nächsten Morgen kamen dann 4 Sherpas verschiedener Expeditionsgruppen hoch, um Cédric über den Eisfall zu CI und ins ABC runterzuschaffen. Es war schon eine sehr herbe Geschichte. Allein wär Cédric nicht mehr runtergekommen. Und die Aktion hat sehr viel Kraft gekostet. Wenn ich oben selbst nicht gut drauf gewesen wäre und Nawang nicht dagewesen wäre - dann “gute Nacht”. Cédric konnte im Zelt nichts mehr tun. Ich musste alles für ihn mitmachen – anziehen - packen. - selbst aufrichten und abstützen zum Pinkeln. - Und das alles ist in dieser Höhe sehr, sehr anstrengend. Man hat genug mit sich selbst zu tun. Unten im ABC fiebern nicht nur unsere Leute mit. Pasang, unser Sirdar, hat wohl den ganzen Tag nichts anderes getan, als nur den Berg mit dem Fernglas zu beobachten. Matthias hätte selbst nicht mehr hochkommen können, wie er mir später sagte. Ihm hätte die Kraft gefehlt und er wäre höhenkrank geworden. Er bedankt sich immer wieder bei mir und meint, mit dieser Aktion in der Höhe würde ich auf jeden Fall in die Geschichte eingehen. Naja - sei´s drum. Ich hab das nicht gemacht, um in die Geschichte einzugehen. Aber es ist schon ein seltsamer Zufall. Ich habe vor einiger Zeit mal mit Andrea, Cédrics damaliger Lebensgefährtin telefoniert, als er am Aconcagua war. Da meinte sie, dass sie sich schon Sorgen um ihn machen würde, vor allem auch, weil sie meinte, dass Cédric u. U. nicht im rechten Augenblick umkehren könne, wenn es mal brenzelig würde. Damals hab ich ihr gesagt, wenn ER mit MIR geht, ist das kein Problem::: Er zieht mich hoch und ich zieh ihn runter. - Das war so zu verstehen, dass Cédric ein sehr guter und selbständiger Bergsteiger ist - auch mit viel Erfahrung in den Alpen. Wohingegen ich sehr ausgeprägte Alarmglocken hat, die mich frühzeitig warnen. Und ich habe dann auch kein Problem, abzubrechen und umzukehren, wenn ich Gefahr aufziehen spüre. So wollte ich Andrea zu verstehen geben, dass wir ein sehr gutes Team abgeben. Und nun war es tatsächlich so, dass ich Cédric "runterzog" - fast schon makaber.

Die Diagnose bei Cédric lautet zunächst auf Nervenversagen wegen Unterversorung mit Sauerstoff. – In Jamies Team ist zufällig eine neuseeländische Ärztin, die ihn zuerst im ZwischenCamp untersucht. Später im ABC untersucht Dieter ihn erneut. In der Schweiz wird sich später herausstellen, dass er ein Hirnödem hatte. Man sieht::: die Höhe hat es in sich. Vorher war Cédric immer sehr stark - und noch auf dem Gipfel deutete nichts auf eine derartige Schwäche hin. Ok, Cédric war sicher nicht so gut trainiert, wie ich es z. b. war. Und auch der Mitstreiter, der den CHO und Everest machen wollte, ist übers CIII nicht hinausgekommen und musste von einem Sherpa und Matthias runtergeführt werden, wobei er auch kaum aufrecht gehen konnte und oft in den Schnee stürzte. Bei ihm waren es aber eher eine krasse Fehleinschätzung seiner eigenen Fähigkeiten - einhergehend mit Arroganz - und fehlender Einstellung zum Berg und fehlendem Respekt im allgemeinen. – Dummheit also!

Abstieg von CI ins ABC

Der abschliessende Abstieg ins ABC ist eine Tortur. Man sammelt sein Material der Hochlager ein, was man dort im Aufstieg deponiert hat. Am Ende muss ich dann den Killerhang (man geht aus dem ABC in Richtung CI zunächst flach ansteigend und dann über den steilen geröllführenden Killerhang zum CI hoch) mit einem 29 kg Rucksack runter. Das ist sehr unschön. Zumal sich der Schnee zwischenzeitlich verabschiedet hatte - und man nur noch über dicke Geröllsteine und Felsbrocken geht. Ein Weg ins ABC ist nicht mehr erkennbar.

rueckkehrABC

Dann in der Dunkelheit den Weg ins ABC suchen - Steinmännchen orten. Eine wenig “lustige” Aussicht. Aber es gibt da eine Erscheinung, die mich am Ende doch sehr beeindruckt hat.

Unterhalb des Killerhangs kommt mir plötzlich eine Gestalt entgegen. - Ganz in schwarz - und zunächst denke ich, es ist wieder so ein Tibeter, der meinen Rucksack tragen will. Doch die Gestalt winkt mir zu - und zu meiner grössten Überraschung ist es Sebastian. Ich bin sehr erstaunt. Er ist nur meinetwegen hierher gekommen. Bietet mir sogar an, meinen Rucksack zu tragen, was ich natürlich nicht akzeptiere. Das ist für mich eine Frage der Ehre - und ich sage ihm, dass ich lieber sterben würde, als mir nun den Rucksack tragen zu lassen - auch wenn er noch so schwer ist. Ich bin völlig am Ende. Die Rettungsaktion hat sehr viel Kraft gekostet – und der Rucksack ist einfach scheisse-schwer. Jeder kleine MiniGegenansteig hinunter in Richtung ABC zwingt mich zum StehenBleiben. Sebastian ist immer vor mir und feuert mich an. Ich bin zwar nicht der Typ, der auf so etwas gross reagiert, weil ich schon intrinsisch gut eingestellt bin und innerlich WILL, aber Sebastians Anwesenheit tut doch gut. Als es dunkel wird, weiss ich seine Hilfe erst recht zu schätzen. Mit DEM Rucksack möglicherweise auch noch verlaufen? Dann hätte ich ihn wohl irgendwann weggeworfen (und vermutlich tagsdrauf als "Strandgut" von einem Tibeter zurückkaufen können -hahaha). Doch... Sebastian war mir eine echte Hilfe. Und das hätte ich von ihm niemals erwartet, zumal wir nicht grade viele Berührungspunkte während der ganzen Zeit zuvor hatten. Das war ein Akt grosser sportlicher Fairness und es hat mich sehr berührt und beeindruckt. Ich bedanke mich vor der Gruppe in aller Form bei ihm und "ziehe meinen Hut". Eine vielleicht kleine Geste eines Sportlers mit grossem Herzen und Respekt für die Leistung anderer drückt sich in seinem Handeln aus. Eines der kleinen menschlichen Erlebnisse, die ich ebenfalls nie vergessen werde. - (Liebe) Menschen sind mir das wichtigste im Leben - und die Natur mit Tieren und Pflanzen - alles andere ist abgeleitet und tot. - Und immer wieder sehe ich mich in solchen Momenten bestätigt.

kopfstand-kuchen

Im ABC mache ich “3 Kreuze”, dass ich es endlich hinter mir hab. Dort gibt es ein grosses Hallo. Es sitzt bereits eine grosse Runde beisammen und feiert. Auch ein paar Gäste darunter, die den restlichen Abtransport von Cédric vom Fuss des Killerhangs bis ins ABC unterstützt haben. Darunter Angie und Olaf, die "zu zweit allein" am CHO waren. Angie hat den Gipfel wohl auf allen Vieren erreicht, aber mit einem Typen wie Olaf an ihrer Seite ist das kein Problem. Er trug das Gepäck für beide und hätte sie notfalls runtergetragen. Olaf - sicher einer der besten Höhenbergsteiger, die es in Deutschland derzeit gibt. Seine Erzählungen aus alten DDR-Zeiten im ABC sind sehr interessant. So wie Olaf stelle ich mir wirkliche Bergsteiger vor::: Wenig reden, dafür handeln, äusserst fähig... wenn ich hingegen an Tom denke, der auf den CHO und Everest wollte – TopAthlet von eigenen Gnaden... der sein Versagen im Alter von 25 immer noch mit dem Recht der Jugend erklärt - da wird mir schlecht (ein Jugendlicher nimmt sich wohl normalerweise nicht den Cho Oyu UND den Everest als Double vor) ... In dem Alter haben andere Leistungssportler ihre Karriere schon längst hinter sich ... und SJ war mit 10 schon professioneller (((als Tom es mit seiner Einstellung je sein wird))) hat TopLeistungen ... gemessen an ihrem Alter ... gebracht ohne ich-bin-was-besseres-als-ihr-gehabe ...

Im ABC herrscht gute Stimmung. Wir feiern unseren Gipfelerfolg - und die Erleichterung über den glimpflichen Verlauf der Rettungsaktion ist allenthalben zu spüren.

dank-an-nyamgal

Besonders Matthias ist sehr erleichtert. Ein Toter macht sich nie gut für einen Veranstalter. Matthias meint, ich wär ein harter Hund. Nun - er kennt mich ja nicht. Ich bin schon eher WarmDuscher. Aber ich war halt einfach sehr gut drauf - und man tut eben was man kann - oder??? - Hm... gestern hab ich mal LG gefragt, ob sie je gedacht hätte, dass ich mal n 8.000er besteigen würde. Da sagt die doch glatt: "Klar - dir trau ich alles zu!!!" - Unglaublich!!! - Da kennt man sich so lange - und dann wird man so verkannt -hahaha. - Nein, ein Weichei bin ich und WarmDuscher... nur manchmal halt dann doch nicht;-)))

Dass diese Unternehmung derartigen Wirbel nach sich ziehen würde, hatte ich ebenfalls nicht erwartet. - Klar hab ich mich zuvor intensiv mit dieser Herausforderung auseinandergesetzt. Aber als besonders empfand ich es nur von meinem Aufwand her. Auf den Berg selbst bezogen hab ich nur gesagt::: Ich geh da hoch. - Und dann bin ich einfach hochgegangen - nichts weiter.

tibeter-singen

Ein paar abschliessende Anmerkungen...

Ich habe für mich erkannt::: wenn man einmal über CII hinausgeht und dann nicht zum Erfolg kommt, dann dürfte ein 2. Versuch wohl kaum noch gelingen. Der Kräfteverschleiss und Substanzverlust ist sehr gross. Und auch der Kopf wird dann Schwierigkeiten machen. Es hat einige Personen anderer ExpeditionsGruppen gegeben, die mehrmals auf CII und sogar CIII waren - nur hat es am Ende auf der Gipfeletappe dann kräftemässig nicht mehr gereicht.  Also sollte man sich auf e i n e n gescheiten GipfelVersuch einstellen.

Zwischen den Anbietern, also etwa Amical und Summit Club sehe ich keine gravierenden Unterschiede. - Ich würde auch mit Amical fahren. Mit dem Summit-Club jederzeit auch wieder, zumal wir mit Matthias wieder einen sehr guten Führer hatten. Zudem hatten wir eine Gruppe, mit der wir sehr viel Spass hatten. Wir haben viel gelacht - und so sollte es sein - ist aber leider wohl nicht immer so...

abschied-abc

Naja... am Ende hat mich dann doch noch ein gemeiner Durchfall im Hotel erwischt. Aber das gehört ja net mehr zur eigentlichen Expediton. Aber es hat mich schon noch sehr geschwächt...

So, das war´s nun im groben. Natürlich gab es die vielen kleinen Dinge, über die man berichten - manchmal auch lachen kann. – Derjenige mit arroganter Selbstüberschätzung, ein Teilnehmer psychisch stark überfordert, oder jemand der auf CIII seine PinkelPulle in seinen eigenen Schuh entleert hat – dann Olis Herzblatt Yensidoma, eine Tibeterin, mit der er FastSex hatte (((fast im Sinne von nahezu - nicht im Sinne von Quickie! - und natürlich nur im übertriebenen Scherz))) - eine sehr nette HerzensAngelegenheit, die allerdings auch immer für netten Spott gesorgt hat - dann die Epsiode eines Teilnehmers, wie er zwei raffinierten Holländerinnen auf den Leim gegangen ist und sich dabei um den Verstand getrunken hat - einfach unglaublich (((der Anfang vom Ende seiner hochtrabenden Ambitionen))) - all das eben, was man nicht mal eben so erzählen kann, was aber letzlich das persönliche der Tour ausmacht. - Die emotionale Seite – das gefühlte Erlebnis – die Stimmungen, z. B. bei –18 Grad im ABC im Kegel der im Sturm unter dem Zeltdach schaukelnden Diodenlampe im Schlafsack zu liegen, Musik zu hören – und seine Gedanken auf die Reise zu schicken... Aber auch ein intensives Gespräch mit Pasang, in dem er mir mitteilt, dass er das Kinderhaus in Pashupatinath - Maiti Nepal - kennt, das ich nur vage kenne und gerne besichtigen und fördern möchte. – Ich hatte kaum noch Hoffnung, bei unserer Rückkehr Gelegenheit zu haben, es zu finden, zumal in Kathmandu 3 Tage gestreikt wurde und nicht einmal der Hotelbus fuhr. Die Aussicht Maiti Nepal doch besuchen zu können gab mir ungeheure Stärke im Kopf. Aber all das zu erzählen, würde den Rahmen dieses Berichts bei weitem sprengen...

schotterpiste

Sauerstoff? – ja oder nein?

Eine Frage die ich für mich eindeutig beantworte::: Für mich ist es heutzutage Doping. Jeder 8.000er ist heute ohne Sauerstoff machbar. Und wer es ohne nicht schafft, ist nicht gut genug – so einfach ist das. Er muss entweder an sich arbeiten oder auf den Gipfel verzichten. Aber ich habe auch gelernt, dass man andere so lassen sollte wie sie sind. Und sicher ist ein solcher Berg auch mit Sauerstoff anspruchsvoll. Aber ich würde es höchstens mit einem 7.000er vergleichen. Und da Sauerstoff dem Körper im eigentlichen Sinne nicht schadet, wie Doping es tut, will ich hier tolerant sein. Für mich wäre Sauerstoff kein Thema. Wenn ich an meine Grenzen stosse, werde ich das akzeptieren und lieber umkehren als mit Sauerstoff einen Gipfel zu erreichen.

Vorbereitung - Nachbereitung

Auch hier gäb es sehr viel zu erzählen. Hartes Training, nette Gespräche und mein Gejammere per SMS beim Wandern im dunklen SWF, wobei wir oft viel Spass hatten. Nach der Rückkehr dann eine nie gekannte Schwäche – Luft in den Muskeln. Eine grosse Klarheit im Kopf und irgendwie eine persönliche Weiterentwicklung – ganz sicher. – Topaktuell: Anfrage für einen PhoneCall von Mick, dem stellvertrenden GL des Summits... wird wohl um die Rettung von Cédric gehen... was sag ich dem bloss??? – Ich mag den Rummel um meine Person überhaupt gar nicht...

Abschliessend ...

möchte ich nicht verschweigen, dass mich einige liebe Menschen moralisch sehr unterstützt haben und ich ihnen dankbar bin, dass sie an mich geglaubt haben. Sie haben mich ungeheuer stark gemacht:::

Allen voran LG, meine Lebenspartnerin, die mir einen Schutzengel mitgegeben hat, den ich dann mal zeitweise verloren hab. Auch eine sehr eigene Geschichte, wie er mich am Ende - nach fast 14-tägiger Abwesenheit - doch noch wiedergefunden hat. Dann gibt es eben ein paar wenige HeartToHearts, die schon die Vorbereitung sehr intenisv miterlebt haben und die mich mit sehr viel positiver Energie gepusht haben. Das alles hat mir sehr viel Kraft gegeben. Es sind immer Menschen... Menschen können einem sehr viel geben - man muss nur die richtigen finden :-)))

Was kommt als nächstes?

Eine Frage, die mir nun immer wieder gestellt wird. Okay, eigentlich wollte ich nach dem CHO sportlich etwas kürzer treten. Doch völlig unerwartet hat ein Arbeitskollege schon sehr kurz nach meiner Rückkehr meine Phantasie wieder in Gang gesetzt. Er wird vielleicht wissen, wen ich meine;-))) – Und erst grad hab ich den Kauf “meines” geliebten Smart Roadsters bis auf weiteres ausgesetzt, weil ich das Geld natürlich vieeeel lieber in etwas mit bleibendem Wert investiere – we´ll see ;-)))

Ein paar Web-Links

http://www.matthiasrobl.de - die Seite von Matthias, unseres Guides, mit Erwähnung unserer Tour.

http://www.project-himalaya.com/dispatches/2004/04-cho-oyu-10.html – Die Seite von Jamie - dem Neuseelander, der uns bei der Rettung geholfen hat. Die Rettungsaktion ist auch bei ihm erwähnt. Seine Gruppe ist mit Sauerstoff gegangen. Nur eine Frau hat den Gipfel erreicht. Catherine, die Ärztin, die Cédric im Zwischenlager untersucht hatte. Sie hatte es sich dort noch nicht zugetraut. Ich hab sie ermutigt, dass sie es schaffen kann. – Auch als sie wieder ins ABC kam, war sie gut drauf und ich hatte zufällig das Glück, ihr erster Gratulant zu sein.

www.dav-summit-club.de - Die Seite vom Summit, wo der Erfolg der Tour nachzulesen war und mglw. ein offizieller Tourenbericht folgen wird.

http://www.expeditionsbergsteigen.com/Berichte/cho_oyu_robl.htmlStatement von Matthias.

Die Rettung auf Jamies Web-Seite

Folgend der Ausschnitt von Jamies Seite, unsere Rettungsaktion betreffend (Jamie war im Herbst übrigens zum 2. Mal in diesem Jahr im ABC am CHO). Anzumerken ist, dass Cédric nicht wie dort nachzulesen ist, abgestürzt ist, sondern ein Hirnödem hatte. Am Tag des Abstiegs vom Gipfel zum CIII hatte er noch keinerlei Ausfallerscheinungen. Und wir hatten auch jederzeit Funkkontakt zum ABC. Aber das sind Dinge, die sich oberhalb vom CII zugetragen haben – und Jamie kam uns erst ab CII zu Hilfe. – Der Rest entspricht den Tatsachen.

Jamie berichtet: http://www.project-himalaya.com/dispatches/2004/04-cho-oyu-10.html

An unfolding drama

The day before the sherpas had told me (Jamie) that one of the DAV Summit Club clients had taken a fall while their sherpa was talking on the radio. Today we knew that this client - Cédric - could not walk properly. They had lost radio contact.

We saw three (including Bernd, another team member) descending from Camp 3 late in the day and obviously painfully slow and in real difficulty. Myself and Namgyal went up to C2 to assist as none of the DAV group or sherpas were in a position to help.

We climbed to a little above C2 where Cédric was lying in the snow. Apparently he had taken a fall on the rock band using an old rope but had got up and walked to Camp 3. The next morning he wasn't able to pee, and then had real difficulty walking. Although obviously in real trouble, he was in good spirits and didn't want oxygen (which we had at C2; the only team that did).

We decided to get him down to our C1.5 camp and alternately walked him supported by Jamie, and lowered him; Namgyal belaying him down, Jamie guiding/supporting. We got to C1.5 at around 8pm where we had a spare tent and Dawa fed them. Both were very thankful, but I knew it was just the beginning of what would probably be a very long ordeal.

In the morning Catherine, a doctor, made a quick examination and thought that he had a stable vertebrate fracture and recommended that he not twist at all.

out of his pack, right in front of us. A thief that if karma does exist, will deal with harshly I hope.

12 May - to Camp 2, 7000m

We were going up, setting off at a usual late time.

Cédric and Bernd were waiting for a rescue team to arrive. This was Temba from our team, Tarke from Thamserku, Chuldim from Amical and Lhakpa from DAV (although he only made it up to just above C1). When they eventually got moving, it was a very long day to ABC, arriving well after dark.

I (Jamie) have to point out that on our summit bid we were able to assist with this rescue, which we did willingly, and by having a strong team of sherpas, we didn't compromise our summit bid at all. Ours was the only team on the mountain capable of this.

...für interessierte: weitere fotos der expedition: Cho Oyu Expedition 2004

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