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Expedition zum Dhaulagiri, 8167m vom 11.04.-02.06.2009

Der Dhaulagiri ist mit 8.167m der siebhöchste Berg der Erde und liegt im Himalaya in Nepal. Der Berg wurde als vorletzter Achtausender erstmals 1960 bestiegen. Lange Zeit galt er als höchster Berg der Erde. - Nachdem "wir" ursprgl. die Besteigung des Manaslu ins Auge gefasst hatten, fiel unsere Wahl später dann doch auf den Dhaualgiri.

Unser Team

Wir, das sind zunächst einmal meine Freundin Alli - Lebensgefährtin von Luis, der zugleich Expeditionsleiter unseres Teams ist. Zum Team gehören insgesamt 9 Personen - darunter 3 Frauen, was in der Geschichte der 8.000er-Besteigungen bis zum heutigen Tag eine Besonderheit ist. Mit Alex(andra) war ich 2004 schon am Cho Oyu - d. h. wir kannten uns auch schon - und Helga und Jürgen kannte ich von Allis Erzählungen von der letztjährigen Nanga Parbat Expedition. Damit war schon klar, dass wir auf jeden Fall eine nette und fähige Gruppe bilden würden. Hinzu kam noch Rupert, ein Bergführer aus Österreich, ebenfalls ein sehr netter Mensch und zugleich auch sehr starker Bergsteiger. - Ein weiteres Schmankerl am Rande: Es nimmt ein zweiter Mülheimer an der Expedition teil, was ich relativ kurz vor Abfahrt erst erfahre. Schon ein netter Zufall, da wir vorher nichts voneinander wussten. - Da geht nicht einmal jedes Jahr überhaupt eine deutsche Expedition zu diesem Berg - und dann gleich zwei Bergsteiger aus "Flachland-Tirol" Mülheim ohne vorab voneinander zu wissen. - Schade, dass Gerd am Ende einer von beiden ist, die den Gipfel nicht erreichen.

Von Frankfurt nach Kathmandu

Am 11.04. gehts dann los auf die lange Reise, die uns zunächst zum Frankfurter Flughafen und von dort über Abu Dhabi nach Kathmandu in Nepal führt. Dort angekommen werden wir am Airport von den Locals der dortigen Agentur empfangen. Für mich ist es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, die ich von früheren Expeditionen her kenne - und irgendwie ist es ein Gefühl als käme man nach Hause. Ein besonders grosses Hallo gibt es mit Singi, dem einen unserer beiden Climbing Sherpas. Singi war 2005 am Pumori ebenfalls mit von der Partie und 500 m tief abgestürzt, nachdem ein Fixseil gerissen war. Man kann wohl sagen, dass wir ihm damals das Leben gerettet haben.

In Kathmandu sind nun noch einige Formalitäten zu erledigen. Luis muss zum Briefing ins Ministerium und die Expedition wird auch Ms. Hawley gemeldet, die seit Anbeginn der 8.000er Besteigungen akribisch Buch führt über jeden Bergsteiger der einen 8.000er Gipfel erreicht.

Start auf den langen Trek ins Basecamp

Dienstag gehts dann auf den langen Trek, der uns ins Basecamp führen wird. Los gehts zunächst noch mit dem Bus von Kathmandu nach Pokhara, einem der Ausgangspunkte für verschiedene Trekking-Runden und Wege zu den den Basislagern einiger hohen Berge, darunter Dhaulagiri und Annapurna. - Ab Beni gehts dann zu Fuss weiter und auch das Zeltleben beginnt. Bis zum Erreichen des BCs gehen wir noch zu zweit in die Zelte, die jeden Abend neu aufgestellt werden müssen und jeden Morgen wieder abgebaut werden. Die Landschaft die wir während des Trekkings erleben ist sehr unterschiedlich und vielfältig. Am wenigsten erwartet man sicher den dichten Regenwald, den wir in der Gegend um Dobang passieren. - Je höher man kommt, um so karger wird die Landschaft - und nach 12 Tagen schliesslich erreichen wir am Freitag, den 24. April, das Dhaulagiri Basecamp - gelegen auf einer Gletschermoräne in etwa 4.650 m Höhe.

Im BC angekommen gilt es nun die ersten beiden Tage sich dort einzurichten - was z. T. sehr mühsam ist, da man einerseits noch nicht an die Höhe angepasst ist - andererseits aber schwere Arbeit verrichten muss. Das schaffen der Zeltplattformen auf dem abschüssigen, vereisten und schuttartigen Untergrund der Moräne ist körperliche Schwerstarbeit. Ich habe nie im Leben zuvor soviele schwere Steine gechleppt. So muss sich wohl ein Strafgefangener in den sprichwörtlichen Steinbrüchen in Sibirien fühlen. Und unwillkürlich denke ich an den Spruch, den ich desöfteren zu hören bekommen habe: "Was du da machst ist doch kein Urlaub - das ist Arbeit und dafür müsstest du eigentlich Geld bekommen anstatt auch noch dafür zu bezahlen.".  Desweiteren muss nun Ausrüstung - wie Zelte, Kocher, Seile - gesichtet und überprüft werden. Das Material und Verpflegung für die Transportgänge auf die Hochlager muss sortiert und bereit gelegt werden.


Sonntag, den 26. April machen wir eine erste Eingehtour hinauf zum French Col auf 5.350m, um uns zu akklimatisieren und zwei Tage später, am Dienstag, gehts dann erstmalig hoch zu CI auf ca. 5.700 m Höhe. - Dabei ist die Höhendifferenz zwischen BC und CI mit ca. 1.100 m schon enorm für diese Höhe. Zumal man nicht akklimatisiert ist und zudem einen schweren Rucksack mit Hochlagermaterial mitnehmen muss. Neben dem Wetter ist die relativ grosse Höhendifferenz zwischen den Hochlagern sicher eins der besonderen Merkmale am Dhaualgiri.

Erster Materialtransport zu CI

Da man beim Aufstieg zu CI die dominierende "Eiger"-Felsformation passieren muss - und diese bei Sonneneinstrahlung stark steinschlaggefährdet ist, geht man zwangsläufig sehr früh am morgen los. Was bedeutet: 3:45 Wecken - 4:00 Frühstück und 5:00 Start. - Bei diesem ersten Aufstieg richten wir ein Material-Depot unterhalb von CI ein und kehren dann wieder um zum BC, weil die Sonne mittlerweile heiss auf den Geltscher scheint und damit die Spaltenbrücken aufweichen, so dass das Risiko eines Spaltensturzes enorm steigt. - Warnung ist uns ein kleines Bambuskreuz, das am Rande einer Spalte unterhalb von CI steht, in die Anfang April ein Pole gefallen ist und dabei tödlich verunglückt ist.

Wenn man aus der Höhe zurück ins BC kommt, legt man meist ein oder zwei Ruhetage ein, um sich für erneute Aufstiege zu regenerieren. - Das Wetter am Dhaulagiri ist eine weitere Besonderheit dieses Bergs. Er trägt seine Beinamen jedenfalls zu recht: "Berg der Stürme" und auch "Weisser Berg" sind sehr zutreffend. Meist ist das Wetter vormittags schön und wird zum frühen Nachmittag hin schlecht. In der Höhe haben wir dann oft Schneefall, auch mal Gewitter meist einhergehend mit stürmischem Wind, der dann natürlich auch noch Treibschnee den Berg hinunter bläst. - Von unten kann man oft auch schön die Schneefahne sehen, wenn diese oben am Gipfel weht. An solchen Tagen ist der Gipfel nicht zu besteigen, da der Sturm dort oben dann zu heftig bläst.

Erste Übernachtung auf CI und Materialtransport zu CII

Im nächsten Schritt gehen wir wieder hoch auf CI und übernachten dort. - eine Regel des Höhenbergsteigens lautet: "Go high - sleep down" - und so akklimatisiert man sich und schiebt die Lagerkette mit der Zeit höher und höher. - Nach unserer ersten Übernachtung gehen wir am nächsten morgen weiter aufwärts in Richtung CII, das auf etwa 6.700m Höhe liegt. Auch hier errichten wir wieder ein Materialdepot unterhalb des eigentlichen Lagers, da das Wetter sehr stürmisch geworden ist und uns zur Umkehr zwingt. Es schliesst sich eine weitere Übernachtung auf CI an und folgend der Abstieg ins BC. - Für mich persönlich waren beide Übernachtungen schlecht - wie ich überhaupt auf dieser Expedition auf den Hochlagern kaum einmal überhaupt - geschweige denn gut - geschlafen habe. Auf der anderen Seite habe ich noch auf keiner anderen Expedition so selten Kopfschmerzen gehabt wie auf dieser - für mich ebenfalls eine völlig neue Erfahrung.

Ruhetage im Basecamp

Nach diesem Aufenthalt in der Höhe ruhen wir uns im BC aus. Mittlerweile haben wir auch hier ergiebigere Schneefälle gehabt, was uns erstmalig auch hier unten das Gefühl gibt, in einer Winterlandschaft zu sein. - Das Leben im BC spielt sich mit der Zeit ein. Und an den Ruhe- oder Schlechtwettertagen gibt es nicht mehr viel zu tun. Man hat z. B. Zeit sich selbst oder Kleidungsstücke zu waschen... kann in Ruhe essen - auch mal länger schlafen (Frühstück erst um 8:30) ... und verbringt Zeit im Schlafsack mit Musik hören oder lesen - oder hält halt ein Nickerchen. Besonders nachmittags wirds oft feucht kalt weil die Wolken aus dem Tal hochziehen und sich bis auf den Gletscher legen. Da fühlt man sich dann im warmen Schlafsack am wohlsten und lässt sich allenfalls noch mal zwischendruch auf einen Kaffee ins Mess-Zelt locken. - Gelegentliche gegenseitige Besuche von anderen Expeditionen sind auch an der Tagesordnung. Man tauscht Neuigkeiten aus oder gleicht z. B. die Wetterberichte miteinander ab. Mit Tunc Findic treffen wir einen alten Freund von Luis, der zufällig auch hier ist. Mit ihm besprechen wir beim gemeinsamen Abendessen die Aufstiegsroute und da er vor uns auf den Gipfel geht kann er uns später noch Tips für das Auffinden des richtigen Gipfelcouloirs geben. - Sehr gute und freundliche Kontakte halten wir auch zur indischen Armee Expedition. - Die Inder sind mit einem sehr grossen Team angereist - aber unsere anfänglichen Befürchtungen, dass der Berg damit überlaufen wäre, bestätigen sich nicht, da es nur 2 Teams mit je 6 Personen gibt, die in die Höhe gehen. Und letztlich wird die Expedition beendet, nachdem ein Team von beiden unter Zuhilfenahme von Flaschen-Sauerstoff auf dem Gipfel war.

Materialtransport über CI --> CII --> bis auf CIII

So langsam kommt das Unternehmen für uns dann in seine entscheidende Phase. Es gilt nun die Lager oberhalb von CI vorzubereiten bzw. zu erstellen. Das geschieht in einer recht anstrengenden Aktion, die uns zunächst auf CI führt - dann am nächsten Tag zu CII, was wir bei dieser Gelegenheit aufbauen, und dann dort 2 Übernachtungen haben, bevor es am folgenden Morgen hoch geht zu CIII, das auf ca. 7.250 m liegt. - Ca. 60m unterhalb des Lagers in 7.200 m Höhe errichten wir letztlich wieder ein Depot, weil andauernder Sturm und Schneefall uns auch hier zur Umkehr zwingen. Anschliessend verbringen wir eine weitere Nacht auf CII - und steigen dann am nächsten Tag wieder ins BC ab. - Dieser Höhenaufenthalt hat sehr viel Kraft gekostet - ich habe mir erneut eine Erkältung eingefangen und haben oberhalb von CI wieder so gut wie nicht geschlafen... womit ich mich so langsam frage, wie ich das auf Dauer körperlich durchhalten soll - zumal ich in der Höhe auch nur sehr wenig essen kann und mir schon ein paar Gedanken um meine Kräfte mache.

Nun sind wir bereits gerüstet für den Gipfelangriff. Zwar stehen unsere Zelte auf CIII noch nicht. Aber auch wenn wir CIII schon erreicht hätten, hätten wir sie nicht aufgestellt - einfach weil dort oben oben auf dem ausgesetzten Grat der Sturm so heftig bläst, dass die Wahrscheinlichkeit von Beschädigungen der Zelte einfach viel zu gross ist. - Also bleibt diese Arbeit auf dem Gipfelgang zu tun. Später werden wir im unteren CIII einige zerstörte und zurückgelassene Zelte sehen - und auch auf dem oberen CIII auf 7.400 m sieht es nicht besser aus.

Start zum Gipfel - Aufstieg auf CIII über die Lagerkette

Nun gilt es also im BC neue Kraft für den Gipfelangriff zu schöpfen. Dazu planen wir mindestens 3 Ruhetage - und hoffen dann auf eine günstige Wetterprognose für den Gipfelgang. Auch in dieser Hinsicht ist der Dhaulagiri anders als andere 8.000er: Normal wartet man auf ein paar stabile Tage ohne Niederschlag und Sturm mit möglichst klarem Wetter, um dann Tag um Tag die Lagerkette hinauf bis auf den Gipfel zu steigen. Am Dhaulagiri kann man sehr alt werden, wenn man auf 4 solche Schönwettertage warten wollte. Man kann sich freuen, wenn man einen guten Tag für den eigentlichen Gipfeltag hat - und muss für den Aufstieg bis zum höchsten Lager das Wetter so nehmen, wie es halt kommt. Und das bedeutet in aller Regel, dass man vormittags auf gutes Wetter hoffen kann, aber den Rest des Aufstiegs bei Schneefall und Sturm machen muss. So war es auch bei uns. Und noch als wir CIII erreichten - und weiter bis zu unserem Start frühmorgens um 2 Uhr - stürmte es. Dabei war es nur sehr schwer möglich, in der Zeltapsis Wasser zu kochen, was aber dringend nötig war, um die Wasserspeicher des Körpers wieder aufzufüllen.

Gipfelangriff am 18. Mai ausgehend von CIII

So gehts dann am 18. Mai um 2 Uhr morgens los in Richtung Gipfel. Zu diesem Zeitpunkt hatte schon ein Teilnehmer im CII aufgegeben. Und ein weiterer kehrte nur 50 m nach dem Start oberhalb von CIII wieder um. Gründe waren Erschöpfung und beginnende Erfrierungen. Auch unsere beiden Climbing Sherpas gaben im Verlauf des weiteren Aufstiegs wegen beginnender Erfrierungen an Händen und Füssen auf. - Dabei waren die Temperaturen in der Tat schon grenzwertig kalt, woran der Windchill, bedingt durch den stürmischen Wind, natürlich einen grossen Anteil hatte. Die Temperaturen mögen irgendwo im Bereich von -20 Grad gelegen haben, aber mit diesem Sturm war die gefühlte Temperatur erheblich kälter.

Aufstieg über den ausgesetzten Nordost-Grat

Im weiteren Aufstieg gehts nun zunächst den steilen und z. T. vereisten Nordost-Grat hinauf, bis man diesen dann unterhalb der Gipfelquerung verlässt, die einen dann unter die Gipfel-Felsformationen führt. - Die Querung erreichen wir mit Sonnenaufgang - und nun legte sich endlich auch der stürmische Wind und es wurde wärmer. Wir bekamen unseren Schönwetter-Gipfeltag.

Passieren der Gipfelquerung und Aufstieg zum Gipfel über das Gipfel-Couloir

Das Passieren der Querung ist eine recht trügerische Sache insofern, als dass sie technisch leicht zu begehen ist. - Kommt es hier allerdings zum Sturz - und man kommt ins Rutschen, dann hat man gute Chancen 2.000 m tief abzustürzen. Vermutlich in diesem Bereich ist der Iraner tödlich verunglückt. - Der weitere Aufstieg geht nun in dieser Höhe naturgemäss recht langsam voran. Der Schnee ist meist hoch und weich, so dass man immer wieder tief in die vorhandene Spur einsinkt. - An diesem Tag sind mit uns ebenfalls ein Japaner und zwei Koreaner auf ihrem Weg zum Gipfel. So erreichen wir nach der Querung endlich das Gipfel-Couloir - eine steile Eisrinne, die nun von den Schneefällen der letzten Tage auch tiefen Schnee führt, aber dadurch gut begehbar ist. Noch Anfang Mai als Tunc seinen Gipfelgang hatte, gab es hier Blankeis. Und damit wird dann diese Passage dann sehr gefährlich. So mühen wir uns also das Couloir hoch, wofür wir ca. eine weitere Stunde benötigen - und steigen dann um ca. 16:15 aus dem Couloir aus und erreichen das Gipfel-Felsplateau. Von dort erreicht man linkerhand nach wenigen Metern die eigentliche Gipfelfelsstruktur.

Es ist geschafft. Der Lohn für all unsere Mühen. Der Gipfelerfolg ist wirklich hart erkämpft. Der Berg schenkt einem nichts. - Während unserer Anwesenheit am Berg war dies zudem das einzige Gut-Wetterfenster für den Gipfelgang, was wir konsequent genutzt haben. Eine zweite Chance für einen Gipfelgang hätte es für uns nicht gegeben.

Ein eindringliches Mahnmal auf dem Gipfel ist ein toter Bergsteiger, der gleich rechterhand neben dem Ausstieg aus dem Couloir auf den Felsen liegt. Sein Anblick führt einem vor Augen, wie nah Leben und Tod hier beieinander liegen - und wie zerbrechlich doch ein kleines Menschleben hier in der gewaltigen Natur ist.

Abstieg vom Gipfel ins CIII

Wir halten uns ca. eine Stunde auf dem Gipfel auf. Das Wetter hat sich bisher hervorragend gehalten - aber es beginnt nun leicht zu schneien, so dass es Zeit wird für uns, von hier oben zu verschwinden. Der Abstieg wird nun eine recht mühsame Angelegenheit. Der Schnee ist weich und tief und es kostet viel Kraft, konzentriert und definiert sauber zu gehen, um jeglichen Sturz - und sei es nur ein Umfaller - in den weichen Schnee zu vermeiden. Eine Sturzverletzung kann hier oben sehr böse Folgen haben. Am Ende fühle ich mich schon ziemlich erschöpft - und muss an die schlaflosen letzten Nächte - z. T. unter sehr schlechten grenzwertigen Bedingungen in einem vom Schnee und Sturm beschädigten Zelt - denken. Das hat ganz sicher eine Menge Kraft gekostet. Und so bin ich froh, dass ich es trotzdem auf den Gipfel geschafft habe. Am Ende erreiche ich um 22 Uhr erschöpft aber glücklich CIII, wo mich Singi bereits im Zelt erwartet.

Abstieg von CIII ins Basecamp

Am nächsten Tag geht es dann abwärts bis ins BC. Dabei müssen CI und CII abgebaut werden und das Material zu CI transportiert werden. Mein Rucksack ist so schwer, dass ich ihn ihm Stehen nicht hochnehmen kann. Zudem bin ich ziemlich erschöpft... leide unter meiner Erkältung... und zahle wohl gerade den Tribut für die miesen Nächte im Aufstieg. Langsam kämpfe ich mich den Berg hinunter. Hinzu kommt, dass mich bei jedem Schritt eine Wadenverletzung mit stechendem Schmerz plagt. - Endlich irgendwann abends um 21 Uhr erreichen wir den Fuss des Eigers, wo uns auf dem Gletscher Kiru, unser Sirdar, mit Pasang, dem Küchejungen, mit warmen Getränken und Keksen empfangen. Gemeinsam erreichen wir gegen 22 Uhr das BC. Erschöpft aber glücklich geniessen wir unser Abendessen mit dem - für mich - ersten Bier dieses Jahr. Zur Ehre des Tages hat Dill einen Kuchen für uns zum Dessert gebacken.

Die letzten Tage im Basecamp

Nun verbringen wir noch ein paar Tage im BC. Wir haben die Porter bestellt - aber schlechtes Wetter hindert sie am Aufstieg. Auch der erneute Aufstieg auf den Gipfel von Luis und Rupert - mit dem Ziel der ersten durchgängigen Skiabfahrt von ganz oben bis ins BC - scheitert letztlich am schlechten Wetter. Der Monsun scheint hier oben schon begonnen zu haben, so kommt es uns am Ende vor. Und so müssen wir schliesslich das BC fast fluchtartig verlassen.

Verlassen des Basecamps nach Marpha

Eine "Gewalttour" vom BC nach Mafa in nur einem Tag führt uns amende der Expedition noch in eine grenzwertige Situation, weil wir in schlechtes Wetter mit Gewitter und Schneesturm geraten und im damit einhergehendem Whiteout den richtigen Weg nicht mehr finden. So sind wir gezwungen, völlig durchnässt eine Nacht im freien in 4.500m Höhe bei Schneefall und Temperaturen unter Null Grad zu verbringen. - Grenzwertig ist das Ganze insofern, als dass wir von dem langen Marsch mit schwerem Rucksack sehr erschöpft sind... und nichts mehr zu Essen und zu Trinken haben. Um dieses Gelände wieder verlassen zu können müssen wir ca. 500 Höhenmeter wieder steil aufsteigen, um dann den richtigen Weg zu suchen. Wäre das Wetter am nächsten morgen wieder schlecht gewesen, so hätte die Situation sehr gefährlich werden können. - Wir hatten dann aber Glück, dass wir am nächsten morgen erstens gutes Wetter hatten... und zweitens Yak-Wege fanden, über die wir absteigen konnten. Der Weitere Abstieg dauerte dann zwar noch einmal erschöpfende 10 - statt der von den Locals versprochenen 3,5 Stunden. Aber zumindest waren wir der Gefahr entkommen - und hatten die Sache damit zum guten Ende gebracht.

Fazit

Dhaulagiri hat sich als der schwierige und unbequeme Berg erwiesen, den wir erwartet hatten. Er hat vor allem seinem Beinamen "Berg der Stürme" alle Ehre gemacht - und der Gipfelerfolg wurde uns wahrlich nicht leicht gemacht und war hart erkämpft. Auch die Tatsache, dass von den anwesenden Expeditionen nur wenige Bergsteiger erfolgreich waren - mindestens sieben davon unte Zuhilfenahme von Flaschen-Sauerstoff - spricht auch für sich. Eine polnische Expedition z. B. musste komplett erfolglos den Berg verlassen. Zwei Tote in dieser Saison und zwei weitere Bergsteiger, die aus dem BC ausgeflogen werden mussten, weil sie schwere Erfrierungen hatten, sprechen eine weitere deutliche Sprache. - Gefährlich ist der Berg vor allem wegen seiner vielen Spalten im unteren Bereich. Im oberen Bereich liegt die Gefahr in der Steilheit einhergehend mit sehr harten Blankeispassagen, in denen das Aufsteigen gefährlich wird. Gefährlich und schwer zu besteigen wird der Berg vor allem aber auch durch das Wetter. Beim Erstellen der Lagerkette kommt man kaum umhin, sich durch Sturm und Schnee aufwärts kämpfen zu müssen, weil das Wetter meist jeden Nachmittag schlecht wird. Wenn man z. B. auf dem Gipfelgang im Abstieg in schlechtes Wetter kommt - und im Whiteout entweder seinen Weg suchen muss oder auf bessere Sicht warten muss, kann das ebenfalls sehr gefährlich werden. Ein Fehltritt kann dann tödlich sein. - Insofern und alles in allem also schon ein tolles Gefühl, diese Leistung vollbracht zu haben und auf einem der schwerer zu bezwingenden 8.000er gestanden zu haben - und vor allem: heil wieder zurück gekommen zu sein. Ein guter Bergsteiger ist nicht der, der den Gipfel erreicht, sondern der, der zurück kommt.

...für interessierte weitere fotos der expedition: Dhaulagiri Expedition 2009

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