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Gasherbrum II Expedition mit dem Summit Club vom 25.06. – 14.08.2006


Vorgeschichte und Vorbereitung

Wie konnte das passieren - wieder rauf auf einen 8.000er? – Und warum grad der GII?

Nun, schon auf der pumori expedition letztes jahr (2005) sprachen alli und ich wieder mal darüber, gemeinsam einen 8.000er zu besteigen... und da war ShishaPangma der berg der 1. wahl, weil wir den ursprgl. schon vorm CHO für eine gemeinsame begehung ins auge gefasst hatten... aber wie schon beim CHO, wars mir eigentlich nicht so wichtig, welcher 8.000er es wäre - er musste halt für mich nur machbar sein. - und dann etwas später ...wieder daheim ... kam von alli die info, dass luis für 2006 plane, den GII als SonderExpedition anzubieten... ShishaPangma wäre ihm zu lasch... er wolle es lieber etwas anspruchsvoller. - also gut, dann eben der GII. - haken an der sache schien mir hauptsächlich::: 7 wochen freizeit erforderlich, weil der kleine weit drin im karakorum steht und nur über mehrere tage trekking zu erreichen ist... würde ich den urlaub genehmigt bekommen???

nun, mit gerlinde, meiner arbeitskollegin hatte ich schon weit im vorfeld gesprochen, ob sie was gegen diese tour hätte... ihr einverständnis hatte ich schon... und kurz vor weihnachten fragte ich bei meinem chef an... nach weihnachten hatte ich auch schon eine antwort...oder genauer gesagt gleich zwei... in form zweier emails. - der inhalt der ersten lautete::: "das kann man keinesfalls..." - und der inhalt der zweiten mail dann::: "ablehnen..." - passend zur ausgefallenheit der reise also auch die genehmigung derselben auf sehr originelle weise. - damit waren die weichen gestellt...und mit dem 01. januar 2006 stieg ich wieder in die spezielle vorbereitung für die expedition ein... dabei gabs kein pardon, denn ein 8.000er verzeiht keine nachlässigkeiten in der vorbereitung und auch keine schwächen im kopf und in der mentalen einstellung...


oli, mit dem ich schon am mustagh ata und am CHO gewesen war, war schliesslich auch mit dabei... was mich sehr freute, da wir uns sehr gut verstehen ... damit waren also schon mal zwei bekannte personen dabei, was ich als schön und einen grossen vorteil empfinde... und nimmt man luis also guide hinzu, waren es schon drei sehr nette menschen... 

eine besonderheit sollte es zudem geben::: das DynafitTeam, das im letzten jahr die speedbegehung am mustagh ata gegangen war, sollte dabei sein und wollte nun erneut eine speedbegehung am GII machen... begleitet von einem kameramann, der die unternehmung filmen sollte...

21.04. – Vorbesprechung in München

am 21. april dann gabs die obligatorische vorbesprechung beim summit-club in münchen... vor dem eigentlichen teffen kurz noch treffen mit alli auf n kaffee in der city... beim eigentlichen treffen dann wiedersehen mit oli... und kennenlernen von elisabeth, herbert und siggi... aufnahme etlicher infos und tips von luis, der das treffen leitete. - etwas erstaunt war ich über die teilnahme von siggi. ich hatte ihn beim nachtreffen des CHO mit matthias erlebt und hielt ihn anhand seines verhaltens dort nicht für fähig, einen 8.000er zu besteigen. und auch die detailfragen, die er zur GII expedition stellte, liessen mangelnde expeditionserfahrung und fehlenden selbständigkeit erkennen und vermuten, dass er der sache eher nicht gewachsen sein würde...

Alles zu Ende??? - blankes Entsetzen::: SprunggelenksVerletzung

nach der vorbesprechung fuhr ich noch auf 2 stunden bei tanja vorbei... auch immer ne sehr schöne sache, wenn ich mal in der gegend bin, was ja so oft nicht vorkommt... diesmal allerdings kostete mich dieser besuch fast die expedition::: auf dem heimweg verlief ich mich im dunkeln vor dem haus und trat auf einer ebenerdig in die tiefe führenden ...für mich unbekannten und unsichtbaren... kellertreppe ins leere... und überdehnte mir dabei das umlaufende gelenkband des rechten sprunggelenks... und knickte dann noch heftigst seitlich um... der fuss wurde im nu knalldick... ich humpelte den tränen nah zum auto und wusste::: das konnte es 6 wochen vor der abreise gewesen sein...

Zittern: kann ich das wandertraining wieder aufnehmen?

passiert war der unfall freitags...und dienstags gings für 10 tage nach new york...


dort humpelte ich nach besten kräften rum... an training war nun während dieser zeit nicht mehr zu denken ...bzw... begab ich mich täglich für eine stunde aufs ergometer, um wenigstens nicht anz einzurosten. - das gelenk war stark geschwollen und ein bluterguss von gelb bis dunkelblau zierte den fuss. - ich hatte schmerzen bis in die zehen. - wieder daheim kam dann der keypoint::: ich musste versuchen, meine 20 km-runde im SWF zu wandern... wenn das nicht ginge, konnte ich die expedition canceln. - ginge es hingegen, bestand weiter hoffnung... gleich am 1. tag nach der heimkehr machte ich den versuch... bandagierte das gelenk... und es ging gut. - es tat zwar recht weh, aber in dem dicken lederstiefel war der fuss gut fixiert und ich hatte auch ein gutes gefühl dabei, es richtig zu machen... klar, so schnell wie ich sonst gewohnt bin zu gehen, gings natürlich zunächst mal nicht...aber das war auch nicht so wesentlich. - wichtig war, ich konnte wandern und damit weiter trainieren... es gab hoffnung. - mit der zeit liessen die schmerzen dann auch nach... und bis zum tag der abreise war dann klar, ich würde es versuchen, auch wenn das gelenk immer noch schmerzte und bisweilen auch noch dick wurde - vor allem am aussenknöchel... aber ich wusste auch, die zeit würde weiter für mich arbeiten...

25.06. Flug nach Islamabad

Los gehts mitten in der nacht mit dem ICE von essen nach münchen und von dort weiter mit der s-bahn zum aiport...dort bin ich relativ früh und setze mich vor den airport draussen in die trübe sonne ...und mit einem mal fährt ein zubringerbus vor und jemand ruft aus dem bus raus::: "bernd steig schnell ein!!!" - ich bin völlig perplex...und erkenne luis... ich packe mein zeugs...luis springt raus und hilft mir...  es gibt ein freudiges wiedersehen... 

wenig später sind wir im richtigen terminal und treffen dort die anderen expeditionsteilnehmer... grosses hallo mit alli und oli... dann einchecken ...und los gehts...

wir starten gegen 13 uhr und haben in doha eine zwischenlandung... einen aufenthalt von 4 stunden... und landen in islamabad um 6:30 uhr ortszeit... die uhr wird im vergleich zu deutschland um 3 stunden vorgestellt. - der flug verläuft ohne nennenswerte vorkommnisse... ich sitze auf dem 2. teil der reise neben siggi...er erzählt mir von der vorjahresexpedition zum GII, die sein persönlicher (höhen)papst thomas lämmle durchgeführt hat. - nach ner zeit kann ich das negativ-geschwätz nicht mehr hören... der GII ist ja soooo schwer... und die bedingungen sind ja sooo scheisse... und siggi will ja eh nur bis höchstens auf CII... mehr ist da für ihn nicht drin, meint er... und überhaupt ist er ja nur auf dieser expedition dabei, weil sein papst, der thomas lämmle, die eigentlich geplante mustagh ata tour abgesagt hat (wie konnte er nur??? - lieber thomas, du hättest uns einiges erspart, wenn du die mustagh ata-expdition nicht abgesagt und den siggi mitgenommen hättest). - nach ner zeit setze ich die kopfhörer meines MP3 players auf, um zu signalisieren, dass ich nicht mehr reden will... aber das stört siggi zunächst nicht...er redet munter weiter... ich frage mich, wieso er dabei ist, wenn er doch nur alles negativ sieht und so gut vorhersehen kann - und nur auf CII will - da kann er doch besser auf den Island Peak in Nepal gehn. der ist ungefähr genauso hoch wie CII am GII...


am flughafen von islamabad herrscht ein sehr munteres treiben... sofort auffallend::: es gibt so gut wie nur männer... alles ist fremd... die kleidung der menschen... ihr aussehen... wir werden von einem bus unserer lokalen agentur ins hotel shalimar gefahren, wo wir gegen 8 uhr eintreffen...

Islamabad, eine junge Stadt - kleines Besichtigungsprogramm

das hotel shalimar liegt etwas ausserhalb von islamabad... die sonne brennt mit knapp 40 grad herunter und oli und ich wollen was zu trinken kaufen... wir finden eine tankstelle und dort fragen wir, ob wir mit dollar bezahlen können... zunächst heisst es "ja", aber an der kasse dann wars wohl doch ein missverständnis...so ziehen wir unverrichteter dinge wieder ab... wir versuchen in dem kleinen ort geld zu wechseln... es gibt eine bank... aber die ist nicht zum wechseln gedacht... und wir bekommen ein gefühl dafür, dass alles nicht so einfach ist, wie´s scheint...


nachmittags dann brechen wir nach einer ruhephase zu einer kleinen stadtbesichtigung auf... teimoor, unser pakistanischer guide von der lokalen agentur waljis, begleitet uns durch den basar... der basar ist in kleinen strässchen sehr verwinkelt... es geht orientalisch zu... man kann alles erdenklich mögliche dort erstehen... es erinnert mich ein bisschen an den bazar in kashgar... auffallend ist, dass wir wohl die einzigen touristen hier zu sein scheinen... für die pakistani sind wir scheinbar mindestens genauso interessant wie sie für uns... wir werden angestarrt... angelächelt... auch angesprochen ... mit hallo gegrüsst... oder flüchtig berührt. - ganz sicher hat siggi seinen anteil daran, da er entweder zu unsensibel oder zu selbstgefällig ist, dass er mit einer sehr knappen kurzen sporthose durch islamabad laufen muss... in einem land wie pakistan ist das ein affront, aber nicht nur in diesem punkt sollte sich zeigen, dass siggi seine grenzen weder kannte noch in der lage war, sie zu erkennen... er war auf - und mit - dieser expedition ganz klar physisch, aber insbesondere auch psychisch weit überfordert, wie sich noch zeigen sollte ...

im bazar findet man vereinzelt auch frauen... sie sind in der regel verschleiert, wie in islamischen ländern aus religiösen gründen üblich... es gibt in islamabad aber auch unverschleierte "moderne" frauen... ansonsten ist das strassenbild so gut wie ausschliesslich von männern geprägt... und wenn man sagen kann, dass die menschen in pakistan sehr nett und freundlich sind... so reduziert sich diese aussage also auf den männlichen teil der bevölkerung, weil man nur mit männern in kontakt kommt. - ein gravierender kultureller unterschied zu westlichen kulturen... aber ganz sicher auch eine sache, die man aus der innenansicht eines solchen landes verstehen muss... jedenfalls gibt es ganz sicher auch viele vorurteile gegenüber pakistan ...wenn man mal dort war, sieht manches völlig anders aus... und wenn man mit einem pakistani spricht, so kann dieser durchaus auch vorurteile z.b. gegen deutschland nennen, die so nicht stimmen. - der schlimmste gegner in der beurteilung des fremden sind also unkenntnis, unwissen und mangelnde erfahrung...

auf dem bazar halten auch ausschau nach dingen, die für pakistan typisch sind und sich evt. zur mitnahme als souvenir eignen... teimoor sucht derweil eine neue sonnenbrille... er sieht mit verschiedenen modellen schon sehr futuristisch aus.

mitten in dem treiben ... es herrscht auch ein recht wilder strassenverkehr... und gehupe gehört auch in pakistan zum buchstäblich guten ton... entdecke ich eine miezi, die seelenruhig dahin spaziert... sie sieht ein wenig wild und zerzaust aus... und zunächst tut sie mit leid, mitten hier in dem trubel... aber sie sieht andererseits doch wohlgenährt aus und ich denke, sie wird in den hinterhöfen hier schon auf ihre kosten kommen... halt eine miez, die in der stadt lebt... davon gibts auch bei uns zig... kein grund zu grösserer sorge also... die angrenzende hauptstrasse wird sie allerdings wohl nur bei nacht überqueren, vermute ich... wie sie da sonst lebendig durchkommen sollte, ist mir schleierhaft...


im hotel teile ich das zimmer mit oli... eine bewährte und eingespielte gemeinschaft - unkompliziert und locker... wir haben bisweilen viel spass miteinander gehabt...auch später gemeinsam im zelt... elisabeth sprach gar von MännerTratsch - nur weil wir mal ein bisschen gelacht haben - tztztz ;-)))

den nächsten tag haben wir noch in isalambad zur verfügung... wir müssen noch zum briefing zum pakistan alpine club und bekommen auch unseren licence officer, kurz L.O., beigestellt, der uns über die dauer der expedition begleiten wird... zuvor besuchen wir die faisal moschee... sie ist die grösste moschee der welt und bietet platz für bis zu 10.000 gläubige... sie ist ein geschenk von könig faisal von saudi arabien an pakistan... und wurde 1984 vollendet... islamabad ist übrigens eine sehr junge, auf dem reissbrett entstandene stadt... sie wurde 1960 gegründet und hat heute ca.  900.000 einwohner... zuvor war karatschi pakistanische hauptstadt...

nach dem besuch der moschee gehts dann zum alpine club... wir werden Sekretär des Alpine Club Pakistans, Saad Tariq Siddiqi, empfangen... er erzählt uns einiges über den GII... über die ziele des alpine clubs... weist uns abschliessend auf gefahren hin und meint, der berg stände immer da... man könnte ggfs. wieder kommen, aber nur, wenn man so weitsichtig sei, nicht vorher dort sein leben zu riskieren und zu lassen... wir erfahren auch etwas über die anzahl der expeditionen am GII - abschliessend werden es in dieser saison 21 expeditionen gewesen sein - davon 18 erfolgreich, mit insgesamt 126 erfolgreichen Gipfelbesteigungen (quelle: Karrar Haidri, ExplorersWeb Pakistan & Saad Tariq Siddiqi, Sekretär Alpine Club Pakistan) - die hohe zahl der expeditionen ist damit zu erklären, dass dieses jahr das 50jährige jubiläum der erstbesteigung gefeiert wird... in anderen jahren sind oft nur 3 bis 4 expeditionen in einer saison am GII... auch ein hinweis auf die sauberhaltung des karakorums fehlt nicht... in diesem punkt steht man erst am anfang, aber träger werden z. b. auch angewiesen, kein feuerholz aus der natur zu entnehmen, sondern andere brennmittel mitzuführen und zu verwenden... ein insgesamt mühsamer UmdenkungsProzess...


als nächstes besuchen wir ein teppichhaus... wie´s scheint handelt es sich um ein "schlepper"geschichte seitens teimoor...so zumindest mein gefühl... sehr attraktiv finde ich das ganze nicht... alles ist wesentlich zu teuer und verleitet nicht grad zum kauf...weiter gehts in einen botanischen garten... von hier aus hat man einen guten rundblick über islamabad und rawalpindi, die praktisch miteinander verschmolzen sind. - im botanischen garten haben etliche staatsmänner einen baum oder strauch gepflanzt... auch helmut kohl ist unter den baumspendern... allerdings ist sein baum etwas dürr und vom eingehen bedroht... er müsste vielleicht mal wieder hinfahren und seinem baum ein bisschen lebensmut machen...


beim abendessen dann lernen wir jarvid, unseren L.O. kennen... er bekommt von uns material und ausrüstung im wert von 3.000 euro zur verfügung gestellt... ist damit allerdings nicht zufrieden... macht ziemlichen ärger, weil er die europäischen marken nicht kennt und amerikanische will... luis hat in der mittagszeit schon intensiv mit ihm verhandelt... dabei ist der witz, dass er das material eh nicht verwenden wird, sondern nur dazu braucht, es zu geld zu machen... unser L.Öchen, wie wir ihn später nur noch nennen, ist ein ziemlich materialistischer und zudem egoistischer mensch, wie wir schnell feststellen... im BC spricht sich später sehr schnell rum, dass wir mit ihm ziemlich geschlagen sind... auch gegenüber der küchenmannschaft kehrt er den HerrenMenschen raus... wenn er eine tasse braucht, dann sagt er nicht wie ein anständiger mensch es täte::: "kann ich bitte eine tasse haben?"...sondern::: "Tasse!" - mag sein, dass das seinem stand entspricht und wir es kulturell nicht verstehen können... aber es ist manchmal schon ziemlich widerlich - kultur hin oder her... im smalltalk dann ist der L.O. wie ausgewechselt...macht auf "schönwetter"... und im beisein anderer L.O.s, was im BC später vorkommt, oder anderer militärs, backt er ziemlich kleine brötchen... ein schwacher mensch ohne natürliche autorität oder ausstrahlung. - laut wird er immer dann, wenn er was zu fordern hat und man ihm - kraft seines amts - nicht wirklich entgegentreten kann, weil damit alles nur noch schwieriger würde...

28.06. - 01.07. Fahrt über Chilas und Skardu nach Ascole

endlich gehts nun weiter richtung basecamp... und in diesem punkt unterscheidet sich der GII z. b. vom CHO gravierend::: während man den CHO schnell erreicht, indem man weit und relativ nah ran hochfahren kann, muss man zum GII zunächst auch lange durchs karakorum fahren und dann auch noch über mehrere tage die füsse bemühen... das hat allerdings den vorteil einer nahezu optimalen akklimatisierung... ist allerdings auch ursache dafür, dass man für die expedition eine woche mehr zeit kalkulieren muss - statt der für den CHO oder ShishaPangma üblichen 6 wochen halt 7 wochen...

so heissts also heute um 4:50 uhr aufstehen... um 6 uhr gehts dann mit dem bus los... an diese nachtschlafenden zeiten werden wir uns in naher zukunft noch gewöhnen müssen... bei taxila gehts dann auch schon auf den berüchtigten Karakorum Highway, der islamabad mit kashgar in china verbindet. - zum mustagh ata waren wir 2002 von kashgar aus den highway hochgefahren... die strasse war damals auf dieser seite in abenteuerlichem zustand und es gab sehr, sehr viele baustellen... irgendwo hinter batgram ist die strasse durch regenfälle abgerutscht... eine riesige schlammstelle ist zurückgeblieben, in der nun ein LKW feststeckt und die ohnehin nur einspurig befahrbare schlammspur blockiert ... schnell bildet sich zu beiden seiten ein riesiger stau ... wir verlieren ungefähr 2,5 stunden und haben erst ungefähr die hälfte des weges nach chilas geschafft...

endlich gehts weiter... in der gegend um batgram sehen wir auch noch auswirkungen des schlimmen erdbebens aus dem vorjahr... zum einen sieht man eingestürzte gebäude, aber auch die auffanglager der UN ... hier vor ort gewinnt man schon einen sehr guten eindruck, was eine katastrophe dieses ausmasses für eine solch arme region bedeutet... viele häuser hier sind einfach nur aus steinen aufgeschichtet... ohne stabilisierende verbundmasse gebaut... solche bauten halten nicht dem kleinsten erdstoss stand... die etwas stabileren häuser sind hingegen unbehelligt geblieben...

nachdem wir also erstmal wieder rollen, ists aber immer noch nicht genug::: unser  bus hat einen plattfuss vorne rechts... während der fahrer den reifen wechselt, gehen wir zu fuss ein stück voran... tut gut, sich die beine mal etwas zu vertreten... wir verlieren wieder eine gute stunde oder mehr... um 1 uhr erreichen wir dann endlich chilas... nach 19 stunden fahrt...

am 29.06, donnerstag, geht es weiter richtung skardu... die nacht war mit 33 grad im zimmer sehr warm... wir machen einen ersten kurzen stop und sehen uns die berühmten felsmalereien von chilas an, die bis ins 5. jahrhundert zurück gehen...

weiter führt uns der weg vorbei am nanga parbat... wir haben das glück, den berg auch tatsächlich zu sehen...wenn zwar auch in wolken, aber immerhin... man kann sehr schön den silbersattel erkennen...


nächstes highlight ist dann der vereinigungspunkt der 3 höchsten und grössten gebirge der erde::: karakorum, himalya und hindukusch... vor allem das typische dunkle gestein des karakorums ist sehr leicht von den anderen gebirgen zu unterscheiden...unser weg wird am indus weiter richtung skardu verlaufen...

nach diesen highlights erwartet mich dann in der mittagspause ein ganz besonderes persönliches highlight::: in hala mach, wo wir rasten, treffe ich auf eine miezi... ich nenne sie lucia...


ich verfüttere das hähnchenfleisch aus meinem lunchpaket an sie... aber zunächst nimmt sie leider reisaus vor mir...und ich wasche ein bisschen fleisch ab und gebe es in die küche, mit der bitte, dieses an die miezi zu verfüttern... aber dann lockt der duft unseres essen lucia wohl wieder an und sie kommt zurück... sie macht einen etwas wilderen eindruck als die typische hausmiez bei uns daheim...

und was das fressen angeht, scheint sie nicht sehr verwöhnt zu sein hier oben... jedenfalls nimmt sie das fleisch gerne ... kommt mir mit ihrer rechten pfote entgegen und krallt samft in meine hand, um diese näher zu sich zu ziehen ... oder so als wollte sie verhindern, dass ich sie wieder weg ziehe... ich bekomme auch sanft ihre reisszähne zu spüren, wenn sie mir die fleischbrocken aus der hand frisst... ganz schöne hauer hat sie da... aber die wird sie wohl auch brauchen, denn die BeuteTiere dürften hier oben wohl eher rar sein... und wenns was zu beissen gibt, dann muss der Todesbiss sitzen...


na jedenfalls war lucia eins der absoluten highlights der gesamten reise für mich... eins derjenigen, die das gesamte unternehmen zum erfolg machen, auch wenn am ende vielleicht das i-tüpfelchen, das erreichen des gipfels, auf der einen oder anderen expedition mal fehlen mag... es gibt einfach soviel anderes drumherum... und jemand, der eine solche expedition nur als erfolg sehen kann, wenn er den gipfel erreicht hat, hat nach meinem verständnis eine stark reduzierte sichtweise und ist nicht wirklich offen für das, was einem das leben...die natur und auch andere menschen schenken können. - an lucia habe ich jedenfalls auch später noch oft gedacht... vergessen werde ich sie ganz sicher nie...

um ca 21 uhr erreichen wir skardu. - an diesem abend stellt sich bei mir leichter durchfall ein... keine ahnung, wo ich das nun wieder her hab... allerdings scheints doch nicht so schlimm zu sein, wie etwa am ende der CHO-expedition...aber grad begeistert bin ich nicht...

am nächsten tag haben wir in skardu einen ruhetag... luis muss einiges mit der agentur regeln und vorbereitungen für unseren einzug ins basecamp treffen... den tag nutze ich, um ein paar letzte mails an liebe menschen in der heimat zu senden... handy funktioniert in skardu nicht mehr... nachmittags machen wir einen kleinen eingehspaziergang zu einem stausee. - dabei ist arbed unser guide... 

abends dann schauen wir uns das FussballWMSpiel zwischen deutschland und argentinien an... das ist hier am "ende der welt" eine durchaus spassige sache... wir machen lauthals stimmung und die anwesenden pakistani sind ebenfalls auf deutscher seite... wir haben jede menge spass... 

freitag gehts dann mit jeeps weiter nach ascole... die letzte fahrt... danach heissts dann zu fuss weiter ins bascecamp. - ich hab die nacht gut geschlafen...und auch mein durchfall scheint sich zu beruhigen... ich hab abends mal etwas schokolade gegessen... vielleicht hat das ja geholfen... zunächst geht es bis shigar noch auf guten strassen voran... die landschaft des shigar valleys ist sehr karg und absolut beeindruckend...

danach wird die strasse dann unbefestigt und es geht immer langsamer voran... unterwegs treffen wir immer wieder auf menschen, die irgendeiner tätigkeit nachgehen, diese dann unterbrechen, um uns zuzuwinken... auch schulkinder in uniformen winken uns immer wieder zu...

und stellen die obligatorische bitte nach einem "pen"... kurz vor ascole geht es auf dem letzen stück steile serpentinen hoch... und es ist sofort klar, dass hier auch kein jeep mehr hoch kommt, wenn es geregnet hat und der lehm dann rutschig und glitschig wird...

nachmittags erreichen wir ascole ... die erste nacht im zelt steht bevor... unsere porter sind auch schon anwesend ...

02.07.-08.07. Trekking von Ascole ins GIIBasecamp

die nächste woche werden wir nun täglich etwas an höhe gewinnen, bis wir dann am 08.07. das basecamp erreichen werden. - meinen durchfall bin ich inzwischen glücklicherweise wieder los. und nach info von luis sind wir ab jetzt mit ca. 120 portern unterwegs... die erste tagesetappe ist recht locker... zumal das wetter anfangs auch noch bedeckt ist und es kurzzeitig sogar leicht nieselt... das gelände ist bis zum basecamp leicht zu begehen... später auf dem baltoro gletscher muss man acht geben, dass man auf dem feinen geröll nicht ins rutschen kommt, weil darunter blankeis ist und man gefahr läuft, zu stürzen... 

in der mittagszeit wirds immer sehr warm... und wir gehen morgens zeitig los, um nicht allzu lange in der sonne gehen zu müssen - die gruppe zeigt sich ziemlich homogen... der einzige, der weit aus dem rahmen fällt ist siggi... er ist sehr viel langsamer als alle anderen... läuft trotz der hitze in seiner warmen gore-jacke rum... und hat dazu noch ein atemschutztuch vorm mund... wenn man ihn so von hinten vor sich gehen sieht, sieht das schon sehr skurril aus... er geht sehr aufrecht ... führt die trekkingstöcke mit weit abgespreizten armen... dazu dann seine mütze mit dem sonnenschutztuch im nacken... es sieht eher aus als würde er balancieren ... stolzieren... irgendwie belustigend...und ein bisschen wie eine ...naja...

die ersten drei tage finden wir jeweils in jhula (3.150m), payu (3.375m) und urdokas (4.100m) zu unserer überraschung noch CampSites vor... mit fliessendem wasser, waschgelegenheit und toilettenhäuschen... solchen luxus hatten wir in dieser abgeschiedenheit nicht erwartet... aber andererseits ist diese route halt der "normalweg" richtung einiger bedeutender basecamps... als da wären:::  K2... broad peak... gasherbrum I und II... aber auch für kletterberge wie die trango towers...


ralf zeigt sich auf dem trek als sehr umweltfreundlicher zeitgenosse, der nicht nur redet, sondern handelt... er sammelt auf dem trek müll und nimmt ihn in seinem rucksack mit... eine gute sache - keine frage... ein problem sind dabei konservendosen, weil sie natürlich voluminös sind... aber auch dafür hat ralf eine lösung::: er mach sie PLATT ...indem er fette steine drauf wirft...
für die mittagspause haben wir auf den trekkingetappen ein lunchpaket dabei... unsere küchenmannschaft stellt dazu tee bereit... meist läuft es auf ungefähr eine stunde pause hinaus... 


die CampSite in payu ist ist recht voll ... es sind andere expeditionen und trekker da... nachdem wir unsere zelte aufgebaut haben, wirds dann lustig... ich setze mal so zum spass meinen unterwegs neu erstandenen hut auf... und ziehe damit irgendwie die aufmerksamkeit auf mich... teimoor klärt mich dann auf, dass es sich um einen hut für frauen handelt... AHA! - das erklärt natürlich einiges... in einem land wie pakistan ist das natürlich was besonderes... das entspricht nicht dem bild des mannes, mit einem frauenhut rum zu laufen. - ich wär ja nicht ich, wenn ich mir nun nicht den spass gönnen würde...setze mich also mit hut vors zelt... und das führt zu einer regelrechten wallfahrt der porter vorbei an unserem zelt... sie machen sich - wie ich - einen spass draus... manche bleiben stehen und können sich das lachen nicht verkneifen... mit anderen komme ich auch ins gespräch... und einer will den hut gar aufsetzen und damit fotografiert werden...


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abends dann drehen die porter in payu auf... sie sind guter stimmung und finden sich zum singen und tanzen zusammen... es herrscht eine sehr ausgelassene stimmung... irgendwer zieht mich auch mal in den kreis... klar... das ist schon was für mich, obwohl mir eigentlich ein bisschen platz fehlt -hihi... jedenfalls eine schöne sache, das ganze...

nun werden die weckzeiten für den weitere trek richtung basecamp langsam unverschämt... 4:30... frühstück 5:00 uhr... es gibt leute, die sowas nicht mehr urlaub nennen *seufz*... aber was bleibt uns? - oli meint schon mal im scherz, das hätte der summit ins kleingedruckte schreiben müssen - wenn er auf expedition ginge, dann würde er davon ausgehen, dass sich vor 7 uhr nichts täte... so war das schliesslich am CHO auch... tja, sogesehen wird das vorerst nix mit urlaub...

morgens beim packen geht meist schon das gerangel mit den portern wieder los... es wird akribisch gewogen, dass auch bloss nicht zuviel gewicht aufgepackt wird... aber arbed ist mit der federwaage dabei... und so gibts keine wirklichen irritationen... 

auf dem baltoro gletscher haben wir mal spass an einem gletschertisch, den luis locker erklimmt... mein versuch scheitert kläglich... zum einen an meinen technischen fertigkeiten - zum anderen aber auch an meinem linken arm, in dem ich muskelprobleme habe, auf deren verschwinden ich im basecamp hoffe. - ralf hilft mir später mal auf den gletschertisch hoch... er selbst konnte sich mit einem kleinen sprung hochstützen - ein vorteil seiner grösse... aber ralf ist auch ein hervorragender kletterer... er klettert im 10 grad... und wie einige bergsteiger, die wirklich was drauf haben, hat er es auch nicht nötig, grosses tamtam um seine leistungen zu machen, wie so manch andere zeitgenossen, die sehr viel wert auf show legen...


in urdokas bietet sich uns dann erstmals ein nicht nur fantastisches und einzigartiges, sondern zugleich auch weltberühmtes panorama::: die berühmten trango towers... die kathedrale ... mustaghtower und auch den broad peak haben wir an diesem tag erstmals zu gesicht bekommen... das wetter ist uns dabei sehr gewogen... die sonne brennt unentwegt vom himmel und wir haben eine fantastische aussicht... hier in der höhe wird es nun doch etwas kühler, nachdem die sonne erstmal weg ist ... wir messen abends 8 grad im zelt...und mittlerweile ist auch die zeit gekommen, dass ich abends vor dem schlafen gehen noch musik höre... das ist schön gemütlich im zelt hier in der höhe und der einsamkeit... eine schöne einstimmung auf die nacht...

so langsam schrauben wir uns höher... ich schlafe in der regel gut und habe auch keine probleme mit kopfschmerzen... von daher ist der lange anlauf bis zum berg optimal... in gore II (4.330m) lagern wir mitten auf dem baltoro gletscher. - oli hat hier das pech, dass er sich mit einer getrockneten mango die plombe aus einem schneidezahn zieht... sowas ist natürlich nicht gut auf einer solchen tour...aber er hat insofern glück, als dass er keine schmerzen hat...allerdings ist der zahn nun scharfkantig... und das kann leicht zu folgeschäden führen...

etwas sorgen macht mir unsere ziege... sie steht nun nicht mehr auf einem fleckchen wiese, sondern im schutt des gletschers... nun bin ich ja kein grosser ziegenkenner... und versuche, ihr was zu trinken zu geben... aber arbed meint, sie würde nicht trinken... aber ich könnte sie später mit charpati füttern... das wär was für sie... die ziege geht mit ins BC und wird dann da geschlachtet werden. - ganz sicher werde ich von diesem fleisch nichts essen... ein tier, mit dem ich mich angefreundet habe... das ich gestreichelt habe... kann ich nicht essen...

hier in gore II sind wir nun schon recht hoch... ich gehe noch ein bisschen spazieren und einen hügel hinauf... treffe dort auf arbed und unterhalte mich mit ihm... in gsprächen mit einheimischen fällt immer wieder auf, dass sie fragen, ob man verheiratet ist und wieviele kinder man hat... in paktistan ist es üblich, zu heiraten... die partner werden von den eltern ausgesucht... und man hat auch kinder. - keine kinder zu haben ist auffällig. - freundschaften zwischen mann und frau sind ebenfalls nicht üblich... es sei denn vielleicht innerhalb der familie...

sobald die sonne weg geht, wird es nun hier oben kalt... und es ist teils windig...ich schlafe weiterhin gut hier oben... habe keine anzeichen von höhenkrankheit... keine kopfschmerzen... aber ich habe ein leichtes kratzen im hals... eine erkältung bahnt sich an... das brauche ich nicht wirklich...

07.07. - von Gore II über Concordia nach Sharma 4.775m

am freitag, dem 07.07. erwartet uns dann ein ganz besonderes highlight... der ConcordiaPlatz mit Blick auf den K2...WOW!!! mehr kann man dazu nicht sagen... concordia ist für BergFreunde ganz sicher auch einer der absoluten glanzpunkte dieser erde... wir haben zudem noch das glück eines wolkenlosen himmels...


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alli - © -  all rights reserved

dieses glück wird nicht jedem zuteil... und es gibt sicher genügend fälle, wo trekker und bergsteiger hier nichts gesehen haben, weil ihnen das wetter nicht gewogen war... man befindet sich auf einem hochplateau auf etwa 4.500m höhe und hat rundrum einen gigantischen ausblick ... absolut dominierend und einfach eine "WahnsinnsKiste" ist der K2 - der berg der berge...


bis zu seinem gipfel schaut man noch mal über 4.000m in die höhe...einfach gigantisch...aber auch die anderen berge sind nicht von schlechten eltern... der GIV direkt vor uns... mit dem broad peak ein weiterer 8.000er... und dann die mächtige und schöne chogolisa mit auch noch 7.665m... der masherbrum mit seinen 7.821m... einfach eine gewaltige kulisse, wie man sie auf unserer schönen erde wohl selten, wenn überhaupt noch, vielleicht im EverestGebiet findet...


foto by oli - © -  all rights reserved

an diesem tag lagern wir in sharma (4.775m)... es geht nun, so kurz vor dem basecamp über endlose moränenlandschaft... die porter sind nun nicht mehr soviel schneller als wir... unser L.Öchen schwächelt inzwischen immer mehr... er ist schon seit tagen morgens um 5 uhr vor uns los gegangen, weil er langsam ist und sonst noch viel später ins lager käme... er hat dauernd irgendwelche wehwehchen...

die porter nehmen ihr lager unterwegs in "SteinZelten" - sprich::: ebene plätze im geröll - oft auch etwas abgesenkt - die mit steinmauern umgeben sind und über die sie dann eine mitgeführte plane werfen... in dieser behausung kochen und schlafen sie... sie sitzen darin am offenen feuer und es geht gemütlich zu bei ihnen... die porter hier auf dem bild sind guter stimmung und singen ... man sieht diese "PorterStellPlätze" überall an den typischen lagerorten unterwegs auf dem trek ins BC...

nun steht uns die letzte TrekkingEtappe ins basecamp bevor ...mir gehts insgesamt gut - etwas negativ ist, dass sich meine erkältung hier oben leider doch festzusetzen scheint, wenngleich sie nicht schlimmer geworden ist... meine stimmung ist jedoch sehr relaxt...


foto by JavierCampos - © -  all rights reserved

kurz vorm basecamp... schon auf der moräne, laden mich ein paar unserer porter, die am wegrand rasten, zum mitessen ein... sie bieten mir charpati und tee an... ich nehme die einladung an... ihre charpati schmecken mir weit besser als die, die wir immer bekommen...

und so erreichen wir schliesslich endlich das entlegene basecamp. - dieses liegt im militärischen sperrgebiet...und eine gewisse sensibilät im umgang mit dem militär ist nicht nur in pakistan, sondern in jedem land angebracht (wie wir später auch noch hautnah erfahren sollten)...

ich finde die lage unseres BCs zunächst nicht so toll... wir haben unseren platz ganz am unteren ende der moräne und demzufolge einen weiteren weg zum einstieg auf den gletscher, wenn wir zum CI wollen. - doch zunächst schaffen wir im geröll ZeltPlatformen für unsere zelte und bauen dann unser mannschaftszelt auf - ein prototyp von VauDe... das zelt ist doppelwandig und damit relativ warm... leider fehlen fenster und ablagenetze innen... diese AusstattungsDetails werden sicher vorhanden sein, sollte das zelt je in produktion gehen. - für uns ist das fehlen dieser features allerdings kein so grosses problem...

nach einiger zeit löst sich dann auch die runde unserer porter auf, nachdem die gelder und auch das trinkgeld zur allseitigen zufriedenheit verteilt sind ... und auch teimoor und arbed verlassen uns morgen am nächsten morgen... rosi, der küchenjunge und manowar, unser koch, bleiben uns erhalten... speziell rosis bleiben freut mich sehr... er ist ein supernetter bursche... und das sollte sich die ganze zeit über im BC bestätigen... er hatte nicht einen einzigen aussetzer oder schwäche... wirklich ein toller mensch...
08.07.-10.08. Das Basecamp wird nun lange Zeit unser "Zuhause" sein

nun beginnt das tägliche lagerleben... es gibt noch so einiges vorzubereiten ... aber wir haben ohnehin zunächst einmal zwei ruhetage, bevor es dann weiter nach oben zum CI gehen wird. - unser L.O. hat nun doch noch die segel gestrichen... wegen anhaltender höhenprobleme und halsschmerzen ist er weiter unten in einem MilitätCamp geblieben und wird nachkommen.


wir lernen nun auch unsere beiden HighPorter kennen::: Kambar Ali und Jaffar Ali... die beiden sind auch noch nicht aklimatisiert und bitten drum, dass sie nicht gleich soviel tragen müssen, sondern erstmal mit 12,5 kg losziehen dürfen. - zudem haben beide keine höhentauglichen schlafsäcke... das ist eine sache, um die sich die agentur zu kümmern hat...jaffar meint, er hätte in skardu in den geschäften nichts geeignetes gefunden... später löst sich das problem dann, indem wir bei der amical-gruppe von einem teilnehmer 2 schlafsäcke abkaufen können...

am ersten tag im BC habe ich in den morgenstunden leichte kopfschmerzen, die aber später verschwinden... meine erkältung wächst sich nun langsam auch aus... was mich ziemlich ärgert... irgendwie kommt mir der gedanke, dass ich mit dem anfänglichen durchfall und nun der erkältung schon ziemliche stöcke zwischen die beine geworfen bekomme... herbert möchte mich am liebsten in quarantäne stecken... das ist ganz amusant... er setzt sich einen morgen mit elisabeth und alli beim frühstück nach draussen, weil er so vor ansteckung sicher zu sein glaubt... aber dafür hab ich die erkältung schon viel zu lange... und natürlich bin ich niemandem böse, der sich vor ansteckung schützen möchte... das kann er mir jederzeit offen sagen und braucht nicht versteck zu spielen...

an den nächsten beiden tagen ist material zu ordnen... die riegel werden verteilt... am 2. tag im BC lässt meine erkältung auch nach. - unser L.O. ist mittlerweile auch angekommen... er ist ein ziemliches weichei... und lässt den HerrenMenschen ziemlich raushängen...tagsüber nistet er sich im küchenzelt ein und wenn er z. b. eine tasse möchte, dann ruft er dem küchenjungen zu: "tasse!" - und der gibt ihm dann eine. - nachts hat L.Öchen in seinem zelt angeblich angst gehabt und ist ins küchenzelt umgezogen... er ist mit seinem zelt nicht zufrieden und will ein ebensolches haben, wie wir als teilnehmer der expedition auch haben... dabei ist das problem einerseits sein anspruchsdenken... andererseits sein verhalten... er hat bisher immer was zu nörgeln gehabt und war mit seiner ausrüstung nie zufrieden. - ein punkt dabei ist zudem::: wenn er die ausrüstung wenigstens benutzen würde... aber er läuft z. b. im schnee in sandalen durchs BC... es geht ihm nur ums geld... ein einziger schlimmer materialist...

einerseits beginnt nun im BC das bequeme leben... an den tagen wo wir unten sind, gehts uns sehr gut... der tag beginnt in der regel morgens um 8 uhr mit frühstück, wenn nichts besonderes ansteht... mittags um 13 uhr gibts mittagessen und abends um 19 uhr wird zu abend gegessen... dazu kommt dann noch kaffeetrinken um 16 uhr...

das wetter ist uns bisher mehr als gut gesonnen... die pakistani sprechen von einem JahrhundertSommer... die bedingungen am berg sind excellent... die temperaturen im BC liegen tagsüber bei ca. 30 grad... und abends, wenn die sonne weg geht, was so gegen 17 uhr der fall ist, liegen die werte bei ca. 8 grad...  und sinken bis zum schlafen gehen um etwa 21 uhr auf 3 grad... das nenn ich WarmduscherExpedition... zumindest im vergleich mit den bedingungen am Cho Oyu oder ShishaPangma ...

für den 11.07. ist unser erster aufstieg zu CI geplant - ein MaterialTransport... wir wollen diese möglichkeit noch nutzen bevor ab 11.07. dann eine periode von 4 SchlechtWettertagen angesagt ist...gegessen wird schon um 18 uhr, weil wir um kurz nach mitternacht aufbrechen werden...

11.07. Aufstieg zwecks MaterialTransport bis kurz vor CI, 5.900m

Um 00:45 uhr werden wir geweckt... 1 uhr frühstück und aufbruch um 2 uhr. - der grund für den mitternächtlichen aufbruch ist der gletscher, über den der weg zum CI führt::: unterhalb geht man durch den gletscherbruch, der später auf das GletscherPlateau führt... problem ist die sonne... wenn diese raus kommt, wird es auch schon morgens sehr früh, sehr schnell so heiss, dass zum einen durch die hitze der aufstieg sehr mühsam wird - zum anderen aber auch der schnee aufweicht und das gehen sehr erschwert wird. - entscheidender ist aber das thema sicherheit::: der gletscher ist von spalten durchzogen... und die SpaltenBrücken werden durch die sonne augeweicht, womit das risiko eines SpaltenSturzes enorm steigt... das versucht man natürlich zu vermeiden... von daher also der start um mitternacht...


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im gletscherbruch müssen wir manchmal nach dem weg suchen... es gibt zwar MarkierungsFähnchen, aber die werden durch die sonne schnell ausgeschmolzen und fallen dann um... sind nicht mehr sichtbar... zwischendurch geht es zwei FixseilStellen hoch, die aber kein grosses problem darstellen und auch ohne seilklemme gut zu bewältigen sind...


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auf dem GletscherPlateau müssen wir uns dann anseilen... wir gehen in 2 seilschaften... ich bin mit oli, ralf kambar und siggi verdrahtet... dabei zeigt sich, dass siggi nur begrenzt höhentauglich ist... er ist sehr langsam ... wir wechseln desöfteren die positionen im seil, um zu besserer harmonie zu finden...  noch schlimmer wird das ganze auf dem rückweg... wir haben keine zeit zu verschenken, da die sonne schon heftig brennt... meine alarmglocken bimmeln schon längst und siggi will längere pausen einlegen... ich bin kurz vor dem platzen... hinzu kommt, dass der kerl in seiner goretex-jacke rumläuft und viel zu dick angezogen ist... kein wunder, dass er am ende ist... und bei meiner aufforderung, die pause möglichst kurz zu halten, verzieht siggi das gesicht als wollte er jeden moment in tränen ausbrechen und lässt sich erschöpft zur seite fallen... nach dieser erfahrung steht für mich fest::: das war das erste und letzte mal, dass ich mit siggi im seil gegangen bin... er ist in der höhe völlig überfordert... und hat hier ganz eindeutig nichts zu suchen... so langsam wird er für mich bergsteigerisch zum roten tuch...

der aufstieg ist schon sehr anstrengend... wir sind an diese höhe noch nicht angepasst... und die sonne brennt erbarmungslos... wir beschliessen, nicht bis zum CI zu gehen, da der rückweg über die spalten durch die sonneneinstrahlung schon zu gefährlich werden könnte...so richten wir also ein depot ein... luis markiert es und ortet es auch mit dem GPS, damit wir es auch im falle, dass es durch schneefall verdeckt werden sollte, wiederfinden können... 

unsere HighPorter haben sich bisher nicht grad durch besondere motivation und einsatzwillen hervor getan... so richtig "frisch" scheinen sie nicht zu sein... kambar verliert beinahe seinen rucksack, den er abgestellt hat, und der sich dann selbstständig macht...ins rutschen gerät in richtung auf eine spalte zu... zum glück bleibt er liegen und kambar kann ihn bergen. - mit den HighPortern gibt es immer wieder stress und diskussionen, wenns um die planung ihrer nächsten einsätze geht... sie beklagen sich immer über irgendwas... jaffar jammert, er wäre "an old man" - er ist 48... dann wollen sie statt 17 kg nur 12,5 tagen... und ewig nerven sie mit was anderem. mir drängt sich unwillkürlich der vergleich mit den ClimbingSherpas in nepal auf... die sind aus anderem holz geschnitzt... unsere beiden HighPorter haben lange nicht dieses format und mir kommen sie oft eher jämmerlich vor... es macht keinen spass mit ihnen... es ist einfach auch einstellungssache... wirklich eher unerfreulich insgesamt. - mag sein, dass die mentalität insgesamt anders ist... und die berufsauffassung... aber wenn dem so ist, dann kann ich nur sagen, dass mir die pakistanische arbeitsauffassung der HighPorter zuwider ist... wenn ich meinen job so ausüben würde, wäre ich längst rausgeflogen... mal davon abgesehen, dass es mir keinen spass machen würde, mit einer solchen arbeitseinstellung zur arbeit zu gehen...

der absteig hat es letztlich auch in sich, weil sich der gletscherbruch noch endlos hinzieht... und die sonne tut das ihrige dazu.. nachts im aufstieg fällt mir die weite des eisbruchs nicht so auf... aber nun, wo man nur noch ins BC zurück will und kaputt ist, zieht es sich endlos... der weg ist auch bei tageslicht nicht immer leicht zu finden... wenn man ihn verfehlt, steht man schnell mal vor unüberwindlichen hindernissen im eis und muss wieder zurück gehen... bzw... nach einer ausweichmöglichkeit suchen... das kostet wieder zeit und kraft... auf dem bild oben sehr schön zu sehen die mittelmoräne, auf der das basecamp liegt... und im eisbruch unterwegs die beiden personen...

wieder im BC zieht dann abends wirklich das angesagte schlechte wetter ein... es beginnt bei 7 grad zu regnen... beim schlafen gehen ist es wieder trocken und hat 3 grad... die wolken hängen nun tief über den gletschern...heute ist der geburtstag des Aga Khan und überall auf der moräne sieht man lichter, die die pakistani zu diesem anlass angezündet haben...

12.07. - 16.07. Schlechtes Wetter hält uns im BC fest

am 12. ist das wetter zwar nicht mehr wirklich gut, aber die sonne findet doch noch den weg durch die wolken, so dass wir überlegen, nachts auf CI zu gehen, um erneut material hoch zu schaffen... aber am abend zeigt sich dann, dass das ganz sicher nichts werden wird, weil es zu schneien beginnt... es schneit die ganze nacht hindurch und auch am nächsten morgen schneit es weiter... der tag vergeht mit essen ... lesen... zelt aufräumen... elisabeth geht mit jaffar die beiden schlafsäcke bei amical holen...

über die dauer des gesamten aufenthalts im BC ist auch das essen ein thema... was anfangs einen sehr guten eindruck macht, erweist sich mit der zeit doch als sehr eintönig... es gibt ca. im täglichen wechsel safranreis mit gemüse und dalbat... und reis pur mit gemüse und dalbat... zwei- oder dreimal gibts mal nudeln, die allerdings nicht gut zubereitet sind, viel zu weich und in zu kaltem wasser gekocht.. der nachtisch wiederholt sich so alle drei tage. - mir drängt sich immer wieder der vergleich mit nepal auf... und da schneidet pakistan schlecht ab. - in nepal ist die gesamte organisation einfach auch seitens der agentur perfekt... und waljis liefert hier keine befriedigende leistung ab... da wurde einfach zuviel gespart seitens der agentur... die mannschaft besteht nur aus dem koch und einem küchenjungen... das ist in nepal anders... ein sirdar ist eine grosse hilfe im lager und nimmt viel unruhe raus... es geht alles reibungsloser. - sollte ich nochmal auf eine 8.000er expedition gehen, so würde ich auf jeden fall nepal oder tibet vorziehen... zum einen, weil mir die kälteren temperaturen, wie z. b. am cho oyu oder ShishaPangma gefallen, aber eben auch wegen des ganzen drumherums... das ist in nepal einfach besser... es hat mir immer spass gemacht, kontakt zu den sherpas zu bekommen... aber mit unseren HighPortern - nee, da vergeht mir alles bei deren jämmerlichen Haltung... von unserem L.O. mal gar nicht zu reden...

die tage nun bei schlechtem wetter haben ihren eigenen charme... vor allem abends im zelt zu liegen und musik zu hören ist für mich etwas, was ich sehr geniessen kann... in den folgetagen halten wir uns immer bereit, nachts zum CI aufzubrechen, wenn das wetter aufklaren sollte... aber zunächst mal schneit es in einem fort... zwischendurch kommt auch mal heftiger wind auf...

wir bekommen immer wieder mal besuch von anderen expeditionen... eine nette gruppe von 5 tiroler bergführern ... dann kommen mal gäste von amical... im vorfeld zwar konkurrenz für den summit club, aber auf den expeditionen selbst geht man freundschaftlich miteinander um... auch die guides kennen sich ... und falls nötig, hilft man sich auch gegenseitig...

amical bietet uns an, dass wir ihre zelte bis CIII mitbenutzen dürfen... es steht jeweils noch ein zelt auf lager I, II und III für herrmann, einen teilnehmer, der mit der gesamten gruppe am 10. juli nicht auf den gipfel gekommen ist und es gerne noch einmal versuchen möchte. - da er unmöglich alle drei zelte abbauen kann, werden wir dafür die zelte dann mit runter bringen... so wäscht eine hand die andere... 

16./17.07. Aufstieg auf CI mit folgender Übernachtung

endlich wieder in die höhe gehts dann in der nacht vom 16. zum 17. - der eisbruch ist hart gefroren und sehr gut zu begehen... unterwegs kommt mir plötzlich angel ins hirm spaziert... ich sehe sie so vor mir hergehen... und sie schaut sich nach mir um... eher wie ein hund... und sie macht sich mit ihrem schicken PelzMäntelchen sehr gut in diesem gelände... bei einem kurzen stopp erzähle ich alli davon... und alli erzählt mir später, dass nun wiederum sie angel auch nicht mehr aus ihrem kopf raus bekommen hat -hihi...

dieses mal bin ich letzter mann im seil mit herbert, jaffar, elisabeth und alli... das funktioniert sehr gut... wir sind recht flott, wobei uns aber in nähe des CI in der mittlerweile wieder brütenden sonne doch die kräfte so langsam ausgehen... die gefährlichkeit des gletscher bekommen wir auch zu spüren::: elisabeth sackt einmal tief in eine spalte ein... aber wir haben aufgepasst und eli kann sich wieder rausarbeiten... wir gehen ca. 8 stunden bis CI... die andere gruppe braucht wesentlich länger, weil anfangs siggi wieder sehr langsam ist...und später dann javier, der einen schwachen tag erwischt hat... bei eintreffen auf CI sind luis und die dynas schon da... ich bekomme nun von luis die aufgabe, standplätze für die zelte platt zu treten... das ist notwendig, weil die zelte sonst im weichen schnee sofort einsinken würden... und es ist eine schweinearbeit. - herbert hilft mit und wir beginnen auch schon, zelte aufzubauen... luis und die dynas gehen noch mal abwärts um die 3 seesäcke aus dem depot hoch zu schaffen... dabei treffen sie unsere 2. seilschaft, die einen der säcke auf die gruppe aufteilen und hochschaffen ...


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bei ankunft auf CI gings mir noch blendend... aber die folgenden 3 stunden arbeiten in der prallen sonne haben das gründlich geändert::: ich habe nun starke kopfschmerzen und bin froh, endlich im zelt zu liegen... die andere seilschaft ist inzwischen auch eingetroffen... alli hat mit elisabeth schon mal wasser für alle gekocht... während wir mit den zeltplattformen und zeltaufbau beschäftigt waren...

inzwischen gehts mir gar nicht mehr gut... und dann kommt mal wieder der hammer::: siggi ist zwar endlich auch da, sieht aber überhaupt nicht ein, sich um den aufbau seines zeltes zu kümmern, was noch nicht steht... und luis ruft uns von draussen ins zelt hinein, ob oli und ich ihm mal beim aufbauen helfen könnten. - klar, gegenseitige hilfe ist das A&O einer solchen tour... und ob einer mal mehr oder weniger als der andere macht, ist nicht so entscheidend... aber SORRY::: siggi??? der setzt sich immer ins gemachte nest...tut kaum was... und ich seh absolut nicht ein, dass ich, wo´s mir so mies geht ihm auch noch helfen soll...

mir ist nun klar, dass ich zuallerst viel trinken muss... das problem ist dabei nur, dass mein magen auch sehr empfindlich ist... und ich nicht wirklich gut was trinken kann... es geht immer nur so schluckweise... aber ich bleibe am ball. liegen kann ich auch nicht gut... aber ich setze mich halb aufrecht gegen den rucksack, den ich vor die zeltwand gelehnt habe... das ist eine position, in der ich es gut aushalten kann. - später in der nacht geht es mir dann endlich besser... die kopfschmerzen verschwinden... und ich kann auch wieder besser trinken... die ganze nacht hindurch trinke ich immer wieder mal wasser...

JAU!!! - DER HAMMER is dann aber mitten in der nacht mal wieder siggi... er geht zu luis ans zelt... und sagt laut::: "Luis, ich hab da ein Problem!" - Klar, nun ist jeder im Umkreis wach... und ich denke::: was ist denn nun schon wieder los??? - und dann kommts... luis fragt::: "Ja was, Siggi?" - Und dann der Hammer::: "Ich hab kein ToilettenPapier." - Ich traue meinen ohren kaum... hab ich das richtig gehört??? Oli und mir bleibt die spucke weg - der kerl hat kein ToilettenPapier und weckt andere dafür mitten in der nacht auf. - was zum teufel will dieser hansl auf einer expedition und in dieser höhe??? - schon abends gabs mal einen anderen hammer... da war die kartusche von siggis kocher leer... und er wusste sich nicht zu helfen... fragte luis, was er machen sollte... und wie er die kartusche tauschen könnte... klar, luis´ antwort lautete::: abschrauben... und dann fragte siggi doch tatsächlich, wie rum er denn drehen müsste...und dann hatte er wohl auch probleme, luft zu kriegen, wenn er lag. - dazu meinte luis, dann sollte er am morgen mit den beiden HighPortern, die material hochbrachten, wieder absteigen... und er könnte, wenn er wollte, auch ganz aus dem BC raus gehen... oder auch mal mit dem arzt der österreicher sprechen, wenn dieser nicht selbst irgendwo in der höhe wäre...oder halt im BC mal nach nem anderen arzt schauen...

siggi war mit der höhe und den abläufen ganz klar völlig überfordert. - und mir wurde auch klar, dass ich luis' job nicht machen könnte... denn bei sowas wie siggi hätte ich nicht die ganze expedition über so ruhig bleiben können... ich hab mich wenns irgend ging von siggi fern gehalten... sonst hätt ich wohl irgendwann nicht mehr an mich halten können...

17.07. Ruhetag auf CI - Vorstoss einer Gruppe zu CII

am morgen wurden wir dann schon früh geweckt, weil luis, bene, basti, ralf und javier einen transportgang zu CII machen wollten... siggi fühlt sich berufen, laut durchs lager nach basti, bene und ralf zu rufen... vorbei ists mit der ruhe...  wie gesagt, in bezug auf siggi muss ich mich mittlerweile schwer beherrschen... 

gegen 7:30 uhr erscheinen unsere beiden HighPorter und bringen - wie vereinbart - das material... um dann gleich wieder abzusteigen... siggi hatte sich inzwischen wieder eingekriegt und wollte doch oben bleiben...

die jungs kommen mittags vom CII zurück... waren nicht bis ganz dorthin gekommen, weil es aufgrund des guten wetters und der vielen aufsteigenden, dort oben an einem "FlaschenHals" einen stau gab... also legten sie das material ins depot und stiegen wieder ab...

die sonne knallt hier oben dermassen heiss aufs zelt, dass man es nur aushalten kann, indem man die schlafsäcke als schattenspender aufs zeltdach legt. die jungs, die heute auf CII waren, wollen morgen wieder hoch und dort übernachten... AkklimatisierungsTechnisch ist das aus meiner sicht unsinnig... und ich würde mich dem nicht anschliessen. - dass herbert nun unbedingt mit auf CII will, wundert uns nicht weiter... und dass er, wenn kein anderer hochgegangen wäre, allein sicher auch nicht gegangen wäre, zeugt nur davon, dass er sehr an luis klebt... vermutlich aus angst, den gipfel nicht zu erreichen, wenn er seinen eigenen vorbereitungsrhythmus geht... dass in seinem gefolge auch elisabeth mit geht, ist ebenfalls keine überraschung... eine überraschung ist da schon eher, dass auch siggi mit will... einfach unglaublich, der kerl... erst kommt er kaum ins CI... dann ist er so krank, dass er wieder absteigen will...und nun will er gleich weiter zu CII... naja, mit vernunft hat das alles nichts zu tun... und mit selbständigem bergsteigen schon gar nicht...

oli und ich haben uns besprochen... auch mit alli... sie schwankt zwischen hochgehen und unten bleiben...sieht auch die gefahr für die akklimmatisierung, hat aber andererseits bedenken, dass ihr vielleicht die kraft am ende fehlt, wenn sie sich oli und mir anschliesst... wir werden morgen auch zum CII aufsteigen und einen materialtransport dorthin machen... dann wieder absteigen... einen ruhetag auf CI machen und den folgetag dann wieder auf CII steigen und dort übernachten. - aufgrund meiner erfahrungen am CHO bin ich mir dieses vorgehens sehr sicher... und oli sieht es ähnlich. - wir sind uns auch einig, dass uns zur vorbereitung auf den gipfel die übernachtung auf CII reichen wird und wir nicht auch noch auf CIII übernachten werden... wie da die strategie der anderen aussieht, weiss ich nicht...

18.07. Aufstieg zu CII

und so geschieht es... morgens um 4:15 uhr starten wir zu CII... das wetter ist bewölkt... so wie es der wetterbericht vorher gesagt hat... aber das stört uns nicht - im gegenteil... am berg sind schon etliche bergsteiger unterwegs... an den teilweise schweren rucksäcken kann man erkennen, dass es für viele wohl der gipfelgang sein wird... schon bald trennen sich olis und meine wege... ich habe probleme, dass ich aus den steigeisen rutsche... so ein scheiss... ich hatte die steigeisen extra daheim schon angepasst, um vor überraschungen dieser art sicher zu sein... später im BC kann ich das problem lösen, indem ich den vorderen bügel verstelle...

der aufstieg geht bei diesem wetter und ordentlichen bedingungen recht gut voran, obwohl wir ja nicht an diese höhe angepasst sind... wir legen unser material nach eintreffen der restlichen gruppe auch am depot vor dem engen steilstück ab, wo schon das material von gestern liegt...oben bedankt basti sich bei mir, dass oli und ich diesen materialtransport gemacht haben... nun, das gehört nun mal dazu... sie haben dasselbe ja gestern auch gemacht... dafür gibts nichts zu danken, wie ich finde... aber es war eine nette geste... dann machen oli und ich, dass wir schnellstens wieder runter ins CI kommen...oli erzählt mir später, dass die dynas wohl sauer auf herbert und eli sind, die kein material zu CII hochgetragen haben... und sich ins gemachte nest setzen... das war dann wohl der grund, dass basti sich bei mir bedankt hat ...

von den anderen haben wir auch erfahren, dass siggi mal wieder sehr langsam ist... kurz unterhalb von CI treffe ich auf ralf... wir unterhalten uns für eine weile, bevor wir uns dann trennen... ralf ist wirklich ein sehr netter mensch und eine absolute bereichung auf dieser expedition... tief unten, am beginn des letzten langen steilhangs, am einstiegspunkt der fixseile, treffe ich dann siggi... und ich unterhalte mich kurz mit ihm und sage ihm meine meinung zu seinem tun... ich denke einfach, dass es ihm irgendjemand mal sagen muss, dass er erstens sich gefährdet und zweitens auch noch andere... ich sage ihm sachlich und freundlich, dass ich denke, dass er hier nicht weiter hinauf gehört, sondern runter... der hammer ist dann wieder siggis antwort::: er hätte kein problem mit der höhe, sondern nur ein konditionelles problem... ich erläutere ihm daraufhin noch einmal den fall von cédric am cho oyu. - wie kann man so unwissend und naiv sein wie siggi??? - was anderes ist denn eine schwache kondition hier oben, wenn kein problem mit der höhe???  - was, wenn er zwar irgendwie hoch- aber nicht mehr runter kommt, weil er oben ein ödem bekommt? - ich muss mich schon sehr, sehr wundern... - Sigi bedankt sich zwar bei mir, aber verstanden hat er nichts. - Wenn siggi bisher für mich vor allem bergsteigerisch ein rotes tuch war, so wurde er zu dem zeitpunkt so langsam auch menschlich ein rotes tuch für mich, weil er völlig egoistisch war, ständig nur an sich dachte...

abends stimmen wir per funk mit luis ihre und unsere weiter strategie ab... sie wollen morgen material auf CIII bringen... und dann von dort auf CI absteigen und am nächsten tag dann runter ins BC ...während oli und ich morgen ruhetag machen werden und dann wie geplant zu CII aufsteigen und dann dort übernachten wollen... und am folgetag dann von CII ins BC absteigen wollen...

nach dem AbendFunk mit uns spricht luis auch noch mit michi, einem der beiden guides der amical gruppe... und das ist auch wieder ein hammer::: sie haben vom militär die vorgabe bekommen, innerhalb von 72 stunden das BC zu verlassen und in Skardu zu erscheinen. - grund ist eine geschichte, die herrmann, verursacht hat::: um sich im BC ein wenig bewegung zu verschaffen, ist herrmann die mittelmoräne weiter hoch bis ins militärische sperrgebiet gegangen... daraufhin haben ihn die miltärs ermahnt und gebeten, das zu unterlassen... und was macht der kerl??? - am nächsten tag spaziert er genau dort wieder rum... und prompt sind die militärs wieder zur stelle. - diesmal beschlagnahmen sie seinen fotoapparat wegen spionageverdachts... und teilen ihm mit, dass er noch von ihnen hören werde... und genau das ist nun der fall. - michi und david weilen auch noch im BC, weil sie am GI noch eine schwierige route erstbegehen wollen. - das können sie nun abhaken... und michi ist entsprechend sauer auf herrmann... zumal der sich auf CIII befindet und gar nicht dran denkt, abzusteigen, sondern im gegenteil zum gipfel will... ihm ist in keinster weise klar, in welcher lage er sich befindet...und michi bittet luis über funk, er möge herrmann runtertreten, wenn er ihn oben anträfe...

gegen 15 uhr kommt dann überraschend siggi ins CI... er ist ca. 100m über CII aufgestiegen und dann umgekehrt... die nacht auf CII hat er wohl gut überstanden, meinte aber für den aufstieg zu CIII wäre er zu platt gewesen. - das wetter ist schlechter als erwartet... es schneit überwiegend. - siggi berichtet, herrmann hätte ihn im abstieg überholt und wollte wohl noch runter ins BC...

der tag vergeht mit kochen und plaudern... oli gibt preis, dass er von freunden "öli" genannt wird... weil er früher das nummernschild seines kleinkraftrads immer vom öl befreien musste, damit es lesbar war. - weiterhin träumen wir skurrilerweise hier am fuss eines achtausenders vom aufstieg auf den mt. blanc im nächsten jahr ... ein "projekt", das wir schon länger im visier haben... gemeinsam mit ein paar anderen leuten, wie cédric & eve... meinem seilpartner christof nebst ein paar seiner gefährten...

im AbendFunk teilt luis mit, dass sie 3 zelte auf CIII aufgebaut haben... dass er herrmann morgens um 10 uhr auf CIII aus dem zelt "getreten" hat (((herrmann wollte in der tat weiter zum gipfel, aber luis hat ihm gesagt, das wetter würde schlecht - sonst wäre herrmann wohl oben geblieben))). - morgen um 5 uhr wollen sie aus CII ins BC absteigen. - grad als luis uns bitten will, mal für david zu schauen, ob wir herrmann auf CI entdecken können, funkt david, dass er herrmann unten im gletscherbruch entdeckt hat. - er ist also allein abgestiegen... ein nicht unerhebliches risiko, allein über den gletscher zu gehen... leichtsinn - und glück gehabt...

21.07. Aufstieg und Übernachtung auf CII

der wecker steht mal wieder auf 3:30 uhr... da es heute mit -10 grad relativ kalt ist, beschliessen wir, noch bis 4 uhr im schlafsack zu bleiben... ich komme gegen 4:45 uhr ca. 15 min später als oli vom zelt weg... ich habe auch immer noch mal wieder probleme mit dem rechten steigeisen...

schon bald treffen wir auf unsere absteigenden gefährten... wir tauschen uns kurz aus und weiter gehts... wie wir später erfahren, hat herbert wohl eine schwäche beim abstieg von CII nach CI gehabt... was wohl auf dehydrierung zurück zu führen ist und drauf hindeutet, dass der ablauf der letzten tage vermutlich zuviel für ihn war... - als die sonne raus kommt - ich befinde mich unterhalb des letzten langen fixseils unter CII - wird es brutal... der schnee wird sofort weich... und der neuschnee von gestern macht den aufstieg zusätzlich schwer. - für den aufstieg ab CI bis zur querung oberhalb von CIV und auch wieder für den gipfelhang ist kennzeichnend, dass es immer sehr steil hoch geht... es gibt keine flachstücke dazwischen, so wie z. b. am cho oyu... allerdings sind dafür die etappen auch kürzer und direkter. - solange man nicht in die sonne kommt und der schnee noch hart ist, kommt man gut voran... aber sobald die sonne kommt, wird es sehr anstrengend...

kurz unterhalb CII an der EngStelle, einem ca. 10m hohen senkrechten Steilstück, treffe ich basti und bene... schon extrem, was die beiden da auf ihren skiern treiben... und auch die abfahrten sind wohl oft ein sturz ins leere... die beiden waren wohl heute morgen ein zweites mal auf CIII und sind von dort abgefahren... für den aufstieg haben sie heute wohl 2,5 std benötigt  - die anderen gestern 3,5 std... sie sind schon sehr stark, die dynas...

ich treffe um 10 uhr auf CII ein... oli ist schon über eine stunde da... den rest des tages liegen wir im zelt...das wetter ist sonnig und im zelt ists sehr warm... ausser uns ist keiner im camp... wir haben jeder ein zelt für uns... ich habe den schlafsack aufs dach gelegt, damit die temperaturen einigermassen erträglich bleiben... 50 grad sind im zelt auch in dieser höhe schnell mal erreicht. - ich fühle mich gut, habe keine kopfschmerzen... trinke ständig irgendwas... und nach einiger zeit geht der puls wieder runter... alles perfekt also...

22.07. Abstieg CII ins BC

die nacht über gehts mir gut, aber geschlafen hab ich nur wenig... wecken ist wieder um 3:30 uhr... das wird am ende der expedition schon zum spass::: immer wenn luis eine weckzeit bekannt gibt, kommt schon als vorlaute stereotyp: "3:30 uhr"... wir frühstücken kurz, wobei wir uns nicht mit kochen aufhalten, sondern kaffee mit bereits am vorabend gekochten wasser aufgiessen... das spart zeit für den aufbruch... ich starte um 4:30 uhr - oli ist wie meist kurz vor mir weg - und erreiche nach ca. 1,5 std CI. - ich konnte alles mit dem achter abseilen, weil niemand im aufstieg war... und das spart viel zeit...

luis hatte uns über funk noch gebeten, dass wir einen sack material von herrmann mit runterbringen sollten, der sich noch auf CI befand... dieser sack erweist sich als grösser und schwerer als wir zunächst dachten... und so wirds also wieder nichts mit einem leichten rucksack... aber sogesehen ist das eben auch der preis für die amical-zelte, die wir mit benutzen dürfen... eine hand wäscht die andere... aber leicht ist das zeugs wirklich nicht...

ich lande um 10:10 uhr im BC, wo herrmann mir schon entgegen kommt... er hat auf die dinge gewartet, in der hoffnung, dass wir noch früh genug runter kommen, bevor er gehen muss... er benötigt von seinen sachen nur wenige... er hätte auch gar nicht alles mitnehmen können... schon vom volumen her nicht... es waren wohl filme in dem beutel, die er nun mitnehmen kann... er lässt uns zum dank einen "willi" und ein stück speck da...

ich fühle mich sehr gut und hab zum erstenmal das gefühl::: ich werd den gipfel schaffen... so ähnlich wie damals am CHO, nachdem ich mit pasang über maiti gesprochen hatte... den tag über wasche ich noch ein paar sachen aus... wasche auch mich selbst, was ich immer unten am gletscherbach mache, wenn die sonne scheint... ist zwar sau kalt, das wasser... aber es ist frisch und fliessend... die alternative wäre eine schüssel warmes wasser aus der küche...aber damit verteilt man nur die seife auf der haut... und duschen können wir im duschzelt auch, wenn wir wollen... aber vom sauberkeitsfaktor sehe ich keinen unterschied zu ner wäsche... und vom komfort her brauch ich das nicht...

dann nehme ich mich noch meiner steigeisen an... verstelle mit viel mühe und mithilfe zweier zangen den vorderen bügel ein loch nach vorn... und damit passt der schuh dran drauf...

später erfahren wir dann, dass die österreichische NaturfreundeExpedition einen Teilnehmer auf CI hat, der höhenkrank ist... sie bitten uns um hilfe...aber mit immerhin 25 teilnehmern kriegen sie das am ende doch selbst hin... der kranke ist ein arzt... und er bringt sich selbst mit medikamenten soweit auf die beine, dass er mit hilfe seiner kameraden absteigen kann... später wird er aus dem BC dann mit dem heli ausgeflogen...

sehr amusant wirds dann nach dem abendessen im mannschaftszelt... es findet sich eine runde zum würfelspiel ein... und irgendwann stösst rosi dazu... den grössten spass haben wir als basti ihm das spiel erklärt...

23.07. - 25.07. Ausruhen im BC für den Gipfelangriff

die nächsten 3 tage verbringen wir bei schönem wetter im BC, um uns für den GipfelAngriff auszuruhen und vorzubereiten... meist ist diese phase auf expeditionen eine zeit, wo es in gruppen zu spannungen kommen kann, z. b. wenn aus platzgründen nicht alle auf einmal auf die hochlager gehen können und mehrere gruppen gebildet werden müssen, die dann zeitversetzt gehen...das risiko des wetterfensters ist oft ein entscheidender punkt, wenn das wetter für die folgetage schlechter zu werden verspricht... es gibt also deutliche interessen, die dann vertreten werden und naturgemäss kollidieren können...

zunächst plärrt auch unser L.Öchen mal wieder rum... er ist mit seinem schlafsack unzufrieden ... er hätte sich einen ArmeeSchlafsack leihen müssen, weil seiner nicht gut genug wäre... und auch seine Schuhe - gemeint sind die steigeisenfesten PlastikBergstiefel - wären nicht gut genug... das ist einfach zu lächerlich... denn er wird im leben nicht auf steigeisen stehen... geschweige, dass er in höhen käme, wo er thermoschuhe bräuchte... luis ist nicht zu beneiden, sich immer wieder sein gejaule anhören zu müssen... und ihn andererseits bei laune halten zu müssen, damit er uns nicht ernsthafte schwierigkeiten macht...

am 25. abends bringt Javier von den spaniern wieder eine wetterprognose mit, nach der es am 27. und 27. schlecht werden soll... und danach dann wieder gut... das bedeutet zunächst weitere ruhetage im BC... andererseits gibts natürlich immer mal wieder auch strategische überlegungen... als luis mal andeutet, dass er evt. heute nacht mit basti und bene aufbrechen wollte...um den gipfel noch vor eintreffen des schlechten wetters anzugehen, beginnt herbert sofort auch seinen rucksack zu packen... oli, alli und ich beraten uns dahingehend, dass es für uns schwachsinn wäre, heute nacht hoch zu gehen... zum einen war die ruhephase noch nicht lang genug... zum anderen müsste man CIV überspringen und von CIII aus starten... und warum solche belastungen eingehen, wenn wir überhaupt noch nicht annähernd unter zeitdruck stehen??? - es bleibt aber letztlich für alle bei der spekulation... weder die dynas noch luis gehen... und herbert dann natürlich auch nicht...

derweil sieht das geplante szenario für die gipfeltour bei uns am 24.07 so aus, dass:

do: 27.07, --> CI

fr: 28.07. --> CII

sa: 29.07. --> CIII

so: 30.07. --> CIV

mo: 31.07. --> Gipfel

Abstieg --> CII oder höheres Lager

problem wird bei diesem plan sein, dass es oben eng zugehen wird, weil vermutlich auch andere expeditionen auf dieselbe zeitplanung kommen werden... oli und ich denken bereits über einen aufstieg um einen tag versetzt nach, da das wetter nach hinten raus gut bleiben soll... damit würden wir dem "trubel" entgehen und hätten unsere ruhe in der höhe... wir hätten natürlich auch die möglichkeit, am 27. mit auf CI zu gehen und dort noch einen tag auszuruhen. - herbert fragt siggi mal, ob er zum gipfel wolle... und siggi antwortet, er wolle alles ihm mögliche tun. - mein gedanken dazu sind, dass er dort nicht hingehört...und sich - und mglw. andere mit - in gefahr bringt... nämlich dann, wenn er oben krank wird, und andere ihn mglw. runterholen müssen... und siggi ist ganz offensichtlich viel zu schwach und psychsich und physisch weit überfordert. - für mich steht in dem moment der entschluss felsenfest, dass ich auf dieser expedition - und auch keiner weiteren unternehmung - nicht mehr mit siggi im seil gehen werde... ich will nicht von ihm abhängig sein... das könnte mich das leben kosten... das erlebnis mit cédric am CHO war mir eine lehre... und cédric war gut trainiert, während siggi sich bisher nur schwach präsentiert hat, sowohl physisch als auch psychisch... und wenn es zum CI hochgeht, dann sehe ich nicht ein, dass ich für solch einen völlig überforderten egoisten auch nur eine minute länger durch die heisse sonne gehe als unbedingt nötig. - etwas anderes ist es, wenn jemand mal einen schlechten tag erwischt oder gar verunglückt... das kann jedem passieren... und dann bin ich der erste, der gas gibt um ihm zu helfen... aber was siggi da treibt ist schwachsinn mit ansage - und ich habe mich nicht ein halbes jahr speziell auf diese tour vorbereitet, auf sehr viel verzichtet und bin hierher gekommen, um einen selbstgefälligen völlig überforderten siggi irgendwie mit hoch zu ziehen, bis der an seine grenze kommt - das seh ich absolut nicht ein...

zwischendurch zicken unser HighPorter auch mal wieder rum... sie wollen statt 16 kartuschen nur 8 tragen... und unser L.O. mischt sich lauthals ein... ich könnte luis job hier in pakistan wirklich nicht machen - ich würde wohl explodieren, was der sache sicher nicht förderlich wäre ...immer ist was anderes... oft auch völlige unprofessionalität ... sind es nicht die fehlenden feuerzeuge, dann sind es fehlende TaschenlampenBatterien...immer andere KleinMädchenGeschichten...

den nächsten tag, den 25.07., verbringen wir auch noch im BC... ich spreche mit oli wegen siggi... und wir einigen uns, luis wegen eines 2erSeils zu fragen... wir werden keinesfalls mit siggi im seil gehen. es wäre langsam an der zeit, siggi mal zur rede zu stellen, denn es könnte sonst passieren, dass er nach dem gletscherbruch, wo wir uns dann anseilen, allein dasteht und keiner mit ihm im seil gehen will... und das erst dort oben zu klären wäre unfair... alli, oli und ich hocken bei mir im zelt... und diskutieren das thema... dann kommen elisabeth und herbert dazu... schliesslich auch luis. ich bringe das thema zur sprache, zumal luis mit den dynas evt. schon heute nacht auf CI will... damit wäre dann das problem mit siggi ungelöst... luis meint dazu, es wäre kein problem, wenn wir eine kleinere seilschaft bilden würden... und damit ist das problem für mich erst einmal vom tisch... oli, alli und ich werden also ggfs.eine dreierseilschaft bilden... ralf zeigt sich in einem weiteren gespräch zunächst bereit, mit siggi zu gehen, nimmt aber später auch abstand davon, weil er auch sieht, dass man für den gipfel seine kräfte und reserven nicht so leichtfertig verschleudern sollte... in dieser konstellation ist das problem mit siggi zwar nicht endgültig gelöst, aber mit ihm zu sprechen ist nun luis aufgabe...

lustig wirds dann beim mittagessen, wo auch wieder das thema "aufstiegsstrategie" zur sprache kommt. - nun bekommt siggi zum erstenmal mit, dass evt. schon heute nacht eine gruppe starten will... und er überlegt, dass das ja für ihn sehr gut wäre, weil er dann noch einen ruhetag auf CI verbringen könnte... von denen, die heute nacht los wollen, sagt dazu keiner was, ausser ralf, der nun plötzlich doch meint, wenn diese gruppe nun "verschärft" zum gipfel ginge, könnte man ja nicht solange unterwegs sein, wie siggi bräuchte...aber dann schliesst er an::: man müsste erstmal das wetter abwarten... luis meint dazu nur, die seilschaften müssten sich halt finden. - ab diesem zeitpunkt steht für mich fest, dass ich auf jedenfall z e i t v e r s e t z t zu Siggi gehen werde::: geht er heut nacht, bleibt für mich alles beim alten...geht er nicht heute nacht, gehe ich heute nacht mit, obwohl ich das eigentlich nicht für richtig halte... aber der wunsch, siggi aus dem wg zu gehen, ist mittlerweile so stark, dass alles andere hinten an steht. - ich möchte keinesfalls riskieren, oben auf dem gletscher zu stehen und zu erleben, dass irgendwer doch noch mitleid bekommt und siggi mit ins seil nimmt... in dieser seilschaft möchte ich dann keinesfalls sein...und ich finds einfach unglaublich, dass ein solch unfähiger und völlig überforderter typ die chance bekommt, denen, die sich gewissenhaft vorbereitet haben - und auhc das erreichen des gipfels "drauf" haben (und das sehe ich für alle anderen als realistisch an), so die in die planung einzudringen... normalerweise hätte man ihm sagen müssen, dass er da oben nichts zu suchen hat...und wenn er gern mal auf 7.000m höhe will, dann soll er halt ne expedition auf eine 7.000er machen, aber nicht eine 8.000er expedition mal eben spontan buchen und diese dann zu behindern...bzw. sich mitschleppen zu lassen und sich immer ins gemachte nest zu setzen... siggi sagt sogar einmal, dass ihm bewusst ist, dass er sich immer ins gemachte nest setzt - was an seiner langsamkeit läge...und er wolle dafür irgendwann einmal was in eine allgemeine kasse zahlen. - was glaubt der kerl??? ich sage an dem abend zu alli, dass ich erstens von siggi überhaupt kein geld will...und dass er mir 10.000 euro anbieten könnte... dann würd ich ioh immer noch nicht mit ihm im seil gehen...hier gehts nicht um geld, sondern für mich darum, dass ich ein ziel erreichen möchte, auf dass ich sehr viel aufwand im vorfeld verwendet habe... das ist mit keinem geld der welt zu bezahlen. - ich spreche auch noch mal mit ralf, der meint, ich sollte es so machen...und auch mit alli und oli. wenn man siggi einfach nach gut dünken machen lässt und ihm keiner sonst was sagt, dann sollen die mit ihm gehen, die jetzt schweigen...ich hab auch siggi deutlich - und sachlich - gesagt, was ich von seinen ambitionen, aufzusteigen, halte...

gegen 17uhr kommt dann der wetterbericht von charly gabler::: es soll am 27. und 28. schlecht werden... also donnerstag und freitag...danach dann aber samstag und sonntag perfektes wetter kommen soll...und der montag dann zwar noch gut, aber schon feuchter werden soll...und damit beschliessen wir, dass wir alle heute nacht starten werden...

desweiteren ereilt uns die traurige nachricht, dass ein spanier wohl oben in der querung auf 7.600m höhe fehlgetreten und gestürzt ist, und nun nicht mehr auf eigenen beinen gehen kann... es sind wohl 2 kameraden bei ihm...aber hilfe von anderen expeditionen ist nicht zu erwarten, da im moment keiner sonst oben ist...die spanier schicken wohl leute hoch... darunter auch ein arzt...

26.07. Gipfelangriff - BC --> CI

los gehts um 2:15 uhr bei +2 grad... auf dem gletscher wirds dann allerdings schnell kälter... der weg durch den bruch zieht sich endlos und ich empfinde ihn als ätzend... ralf opfert sich nun doch für siggi und geht mit ihm und Javier im seil... um 8:45 uhr erreichen wir CI... ich bin zwar kaputt, aber es geht mir sehr gut... wir bekommen die info, dass der verunglückte spanier sich wohl über nacht erholt hat... sie haben die nacht wohl im biwaksack und in daunenkleidung auf dem schnee zugebracht... und der verunglückte hat wohl zwar stärkere schmerzen bekommen, aber dafür ist wohl sein gefühl in den beinen auch zurück gekehrt, so dass er mit unterstützung seiner kameraden aus eigener kraft absteigen kann... wir freuen uns mit ihm... denn wenn er nicht auf die beine gekommen wäre, hätte es nicht gut ausgesehen... zwei der aufsteigenden spanier waren wohl auf CIV aber einer von ihnen selbst schon so angeschlagen, dass er mediikamente nehmen musste...der arzt war mittlerweile wohl auf CI...

im zelt auf CI ist es sehr heiss... wir sortieren unsere sachen für den weiteren aufstieg...ich nehme nur das nötigste mit und habe es diesmal auch geschafft, nicht zuviel unnötiges mit auf CI zu schleppen... das wird sich im abstieg positiv auswirken... einen 30kg rucksack wie am cho oyu vor zwei jahren werde ich nicht haben...

später legen wir die zeltbesatzungen für CII fest... wir müssen zu dritt ins zelt... ich werde mit alli und luis ein zelt teilen. - luis verhandelt dann noch lange mit den portern darüber, was sie nun auf CII hochtragen sollen... wie üblich heulen sie ziemlich rum... sind mit dem essen nicht zufrieden und wollen charpati aus dem BC... DAS sind probleme... warum machen sie diesen job, wenn er ihnen so wenig gefällt? - warum nehmen sie nicht charpati mit hoch, wenn sie welche wollen? - wenn ich was anderes als puren oder safran reis will, hätte ich das auf dieser expedition auch von daheim mitbringen müssen...naja...die einstellung dieser HighPorter ist mit denen der ClimbingSherpas in nepal wirklich nicht annähernd zu vergleichen...

27.07. Gipfelangriff - CI --> CII

die nacht ist ruhig verlaufen... wir sind um etwa 20 uhr zur nachtruhe übergegangen und ich habe überwiegend gut geschlafen... nach einem schnellen frühstück starten wir um ca. 4:30 uhr richtung CII... obwohl ich auf CI nochmal alles mögliche aussortiert habe, ist mein rucksack SchweineSchwer, wie ich finde...in d i e s e m leben wird aus mir wohl kein HighPorter mehr werden - und auch kein MöbelPacker... 

beim losgehen ist es zunächst recht frisch... ich hab die daunenjacke angezogen. - am letzten fixseil vor CII kommt dann die sonne auf den hang... und damit wandert die daunenjacke mit auf den rucksack und gesellt sich zu der dort schon aufgeschnallten RidgeRestMatte. - im übrigen habe ich mich auch entschieden, die ThermARestMatte mit hoch zu nehmen...die wiegt zwar auch wieder 600 gr... aber ohne sie zieht es vom boden her zu kalt hoch... und wenn man in der höhe schon nicht gut schlafen kann, dann soll es zumindest im schlafsack warm sein... zudem ist ein warmer schlafsack - wie die dauenkleidung auch - für den notfall eine SicherheitsReserve, wie man sehr schön auch am beispiel des verunglückten spaniers sehen kann. - auf halbem weg kommt mir der verunglückte spanier entgegen... er geht langsam und in begleitung eines kameraden und eines HighPorters, die ihm das schwere gepäck abgenommen haben, aber es sieht nun sehr gut für ihn aus...

um 8:30 uhr erreiche ich nach einer ziemlichen anstrengung das untere CI... hier mache ich erstmal pause... und etwas später kommen auch ralf und herbert, die nach mir gestartet sind... weiter geht es über den kleinen hang richtung des steilstücks... hier geht ralf vor und zieht unsere rucksäcke hoch, bevor wir dann folgen... diese etappe war für alle brutal - und auch basti und bene sind geschafft. - von siggi, der sich bei unserem start vor seinem zelt auch startklar gemacht hatte, keine spur...

wie nicht anders zu erwarten klappt das mit alli und luis im zelt perfekt... wir haben das ja am mustagh ata schon erlebt... man könnte also fast schon von "eingspieltem team" sprechen. - über funk bekommen wir nun einen geänderten wetterbericht von den österreichern... und da sie ihn auch von charly haben, nehmen wir ihn ernst::: es soll nun schon sonntag und auch danach nicht mehr schön sein... und das führt zu einer änderung unserer strategie::: wir werden nun vom CIII aus den gipfel angehen - und CIV auslassen. - im grunde kommt mir diese strategie entgegen, weil ich nicht von der kraft-, sondern eher von der ausdauerseite her komme - sprich::: CIV auslassen bedeutet auch, nichts dort hinauf schleppen zu müssen...dafür allerdings statt der sonst 600 höhenmeter von CIV, nun 1.100 von CIII aus machen zu müssen... aber bisher haben zudem bisher die gipfeletappen in grosser höhe immer zu meinen stärksten etappen gehört...

nachmittags verschlechtert sich das wetter dann... also genau so, wie es der wetterbericht auch angekündigt hat... um kurz vor 17 uhr kommt dann tatsächlich auch noch siggi - wir hatten nicht mehr mit ihm gerechnet... bezeichnenderweise sind seine ersten worte:::  "wo ist mein domizil?" - es gibt leute, die drauf kotzen könnten... für ihn ist es normal geworden, sich immer ins gemachte nest zu setzen - naja...desweiteren nervt er luis mit dämlichen fragen... er bräuchte morgen einen ruhetag und ob denn die "wegweiser zum CIII" für ihn ständen (jemand der ihn zum gipfel getragen hätte wär sicher das beste gewesen)... wir können nur "kotzen"...aber luis trägts mit professioneller fassung...

vorübergehend hatte ich leichte kopfschmerzen, die aber schnell vergehen... wir kochen, was das zeug hält... trinken ist mehr als wichtig... es macht einfach spass mit luis und alli im zelt... gegen 20 uhr läuten wir dann die nachtruhe ein...

28.07. Gipfelangriff - CII --> CIII

heute kommt die aus meiner sicht letzte BrutalEtappe... und ich beschliesse, mir zeit zu lassen, um alle kraft und reserven möglichst für den gipfeltag zu konservieren. - um 3:30 uhr heisst raus aus den federn... und um ca. 5 uhr starte ich richtung CIII. es ist kühl und das wetter ist - wie fast immer - sehr schön - um diese zeit natürlich noch schattig... der weg ist wieder sehr direkt und steil... später erreicht die sonne den hang und es wird trotz der zunehmenden höhe ziemlich warm... vor mir geht Javier, der es auch nicht besonders eilig hat...und hinter mir kommt noch herbert.

gegen 9:15 uhr erreiche ich CIII... ich fühle mich gut...es ist wenig los hier oben... ein paar andere wollen das WetterFenster ebenfalls nutzen... für mich unerwartet haben wir sogar mehr als ausreichend zelte zur verfügung. zum einen das von amical zusätzlich - und ein weiteres einer spanischen expedition, die aus krankheitsgründen nicht aufsteigen konnten... dieses zelt ist vom sturm in mitleidenschaft gezogen und hat eine stange der apsis gebrochen. aber als luis mir sagt, dass ich es nutzen könnte, ist das für mich sehr verlockend... ein einzelzelt auf CIII ist schon ziemlich exclusiv... wir finden einen möglichkeit, die apssis herzurichten... wenn auch nicht perfekt...aber mir reicht es, dass sie irgendwie steht und ich in der apsis kochen kann... der rest ist mir nicht wichtig... es ist einfach genila, sich da oben ausbreiten zu können und frei in seinen entscheidungen und gewohnheiten zu sein, ohne jemamden zu stören oder gestört zu werden... ich räume einige sachen der spanier, die im zelt rumliegen, zur seite und mache mich meinerseits breit... ich verbringe die zeit mit kochen... nachmittags trübt sich das wetter ein...gegen 20:30 uhr komme ich zur ruhe...für die gipfeletappe habe ich den kleinen superleichten TrekkingRucksack gepackt...

28.07.- 29.07. CIII --> CIV --> Gipfel --> CIV --> CIII

bereits um 21:40 uhr geht luis durchs lager und weckt uns...das wetter it klar und ich schätze die aussentemperatur so auf -10 grad. - ich koche wasser für die flaschen und fülle eine mit mineraldrink- die andere mit einem brühwürfel...zum ersten mal kommt nun auch die daunenhose zum einsatz. - weniger weil es so kalt ist, sondern mehr, weil ich sie auch als sicherheitsreserve für den notfall sehe. von den temperaturen her würde mir eine gefütterte gore-hose, die ich auch dabei habe, völlig ausreichen... es ist nicht annähernd so kalt wie vor 2 jahren am cho oyu, wo es -30 grad hatte...im übrigen trage ich meine altbewährte "GipfelKleidung", die sich in den wintern auf dem rennrad bei ebenfalls manchmal sehr tiefen temperaturen bestens bewährt hat...

um ca. 23 uhr starten wir von CIII - es geht zunächst einen schneehang hinauf, aber schon bald gehen wir über loses geröll und schutt... hier heisst es eng beieinander bleiben, da erhebliche SteinschlagGefahr herrscht. es macht keinen grossen spass, dieses gelände mit steigeisen aufzusteigen... und diese passage zieht sich ziemlich in die länge...ich habe das gefühl überhaupt nicht an höhe zu gewinnen... und nach ca 5 stunden erreichen wir endlich CIV auf ca. 7.400m höhe... dieses hochlager is eine art ZeltFriedhof. - hier stehen zahllose verlassene, von ihren besitzern zurück gelassene, und von schnee und sturm zerstörte zelte... einfach unglaublich, dass sich in dieser höhe ein solcher schrottplatz ansiedeln kann. - vermutlich spiel tauch eine rolle, dass das leider bestehende schlechte vorbild zur nachahmung ermutigt... man findet auch defektes material, wie z. b. zerrissenes gurtzeug. - sowas nimmt man normalerweise mit den berg hinunter... aber hier ist wohl eher die devise::: wo schon soviel müll liegt, kommt es auf das eine teil auch nicht mehr. - das problem ist nur, dass SO wohl viele zu denken scheinen, was mir unverständlich ist... aber bei den massen an defekten zelten und anderem schrott, die sich hier oben nun findet, müsste man schon eine organisierte aktion durchführen, um das zu beseitigen. und solange man das nicht tut, wird sich der schrott hier oben vermehren, weil viele denken, wo schon soviel rumliegt, kommts auf ein teil mehr oder weniger nicht an...

nach einer kurzen pasue geht es nun weiter über die querung hoch in richtung zum sattel... man merkt nun die zunehmende höhe... alli gehts zwischendurch mal nicht so gut... aber das ist in dieser höhe nicht weiter verwunderlich - ich lade sie auf zwei becher meiner brühe ein... und danach gehts dann wieder besser... der weg zum sattel hoch zieht sich... wir scheinen ihm nicht näher zu kommen...und wenn wir den sattel erreicht haben werden, kommt ja noch der eigentliche gipfelhang... es wird ein sehr langer tag werden... die dynas und auch ralf und Javier sind ein stück vor uns... und immer in unserer nähe sind jan und einer seiner teamgefährten von der tiroler expedition. - gemeinsam mit jan lege ich meinen rucksack unterhalb des letzten steilen auftiegs unterhalb des sattels ab. - ich führe nur die nötigsten dinge in den taschen meiner daunenjacke mit... sehr wichtig::: auch die glücksbringer müssen natürlich weiter mit hoch... um ca. 8 uhr erreichen wir endlich den sattel, wo wir in die sonne kommen und eine längere rast einlegen. ich esse ein powergel und trinke viel dazu... an sich mag ich dieses zeugs nicht sehr...aber irgendwo muss die energie für den weiteren aufstieg (und späteren abstieg) ja herkommen...

um 8:40 uhr gehen wir weiter... diejenigen die bisher noch rucksäcke dabei hatten, lassen sie nun hier im depot zurück... wir haben noch 274 höhenmeter vor uns... und der gipfelhang liegt nun voll in der prallen sonne... und selbst in dieser höhe wird es nun sehr warm... der weitere weg wird nun sehr mühsam... die höhe kostet einfach sehr viel kraft und die sonne tut ein übriges... olli und ich legen schliesslich unsere dicken daunenjacken ab und sicher diese mit einer eisschraube in einem depot... es ist einfach zu heiss. - zwar gibt es später dann immer wieder mal ein paar dicke wolken und auch ein paar schneeflocken... aber das wetter ist ingesamt sehr gut und für diese höhe ungewöhnlich mild...


unterwegs kommen uns dann mal basti und bene auf ski entgegen... sie waren schon auf dem gipfel und schauen nun, dass sie schnell wieder runter kommen... in der abfahrt sind die ski natürlich schon schön schnell... aber man sollte sich nicht täuschen... anstrengend ist das ganze trotzdem. so kämpfen wir uns also weiter in die höhe... der gipfel scheint so nah und doch so fern... er ist nun hier oben vorwiegend in dünnen wolken und nur diffus zu erkennen... wir brauchen nun viele pausen... ali ist ein stückchen vor uns... während alisabeth und herbert meist vor mir sind... dabei nimmt elisabeth rücksicht auf herbert... sonst wäre sie sicher ebenfalls weiter vor... mir ist jedes tempo recht. ich will keine rekorde aufstellen und einfach nur den gipfel erreichen... ob nun etwas früher oder später ist mir nicht so wichtig - und wir sind immer noch sehr gut in der zeit...unterwegs kommen uns auch andere bergsteiger entgegen, die im abstieg begriffen sind. - luis verlegt gelegentlich noch fixseil... ein absteigender österreicher belächelt dies und meint, wenn man einen sicheren stand hätte, bräuchte man hier kein fixseil. - und genau in dem moment verliert seine partner ihren stand und stürzt ein stück den hang hinunter... zum glück verletzt sie sich nicht ernsthaft - was auch aus einem solchen sturz erwachsen kann, haben wir am beispiel des spaniers erlebt.

auch jan ist immer in unserer nähe, geht unser tempo, während sein gefährte ein stück zurück bleibt. - am ende geht es noch einmal etwas steiler bergan im fixseil... einmal lege ich mal einige meter in schnellerem tempo zurück, was zwar geht, aber dazu führt, dass ich danach eine entsprechende verschnaufpasue brauche... viel sinn macht sowas nicht - ein gleichmässiger rhythmus ist trumpf... und möglichst sorgsam mit seinen kräften umgehen... immerhin möchte ich auch noch gesund wieder herunter kommen. - ralf kommt uns im abstieg entgegen und macht uns mut für die letzen meter...


eeendlich dann ist das ende wirklich in sicht... die ca. letzten 30 m liegen vor uns... es geht nun im fixseil auch bei den vor mir steigenden ziemlich langsam... und die bequemste art für diese letzten meter ist, einfach auf knieen voran zu roben, wenns wieder ein stück vorwärts geht... ich mache einen kleine abstecher zur seite und stecke mir zwei kleine steinchen ein, die lose herum liegen... etws später dann erreiche ich den ausstieg auf den sogenannten reitergrad. - der ausstieg erinnert mich ein wenig an den ausstieg zum CI am pumori. hier ist es nicht ganz so steil wie am pumori... und reitergrad schwingt sich nun nach links über ca. 40 m ... er ist allerdings nicht besonders schwierig zu begehen::: es gibt zur chinesischen seite hin eine gut ausgetretene spur... allerdings kann ich mir vorstellen, dass der grat in anderen jahren, wenn nur 3 oder 4 expditionen am berg sind, schwer zu begehen ist, wenn es keine spur gibt...
... und so erreiche ich nach einiger anstrengung und diversen tritten des inneren SchweineHundes um 13:05 uhr den gipfel des Gasherbrum II, mit 8.035 m der kleinste der 14 AchtTausender...

(Anmerkung zur Höhe: es gab in den letzten jahren neue messungen, nach denen shishapangma 8.013m bzw.8.027m sein sollte und damit niedriger als der GII. die letzte messung im jahre 2006 hat die ursprgl. höhe - 8.046m - der shisha jedoch wieder bestätigt)
auf dem gipfel sind einige bergsteiger versammelt - und exclusiverweise mit alli und elisabeth gleich zwei frauen gleichzeitig - das ist sicher eine seltenheit... dem anlass gemäss scheint nun auch wieder die pralle sonne...auch wenn es insgesamt um uns rum sehr wolkig ist. - die aussicht ist aber genial... man sieht das ganze umliegende panorama - allen voran den K2, der wirklich ein mächtiger berg ist, der alles andere noch weit überragt... darunter mit broad peak und gasherbrum I zwei weitere achttausender... und mit GIII und GIV weitere berge knapp unter achtausend... nun fällt die anspannung ab... und es gibt einige umarmungen und glückwunsche untereinander... ein besonderer moment für alli und mich, da wir lange zeit sehr intensiv auf diesen moment hin gearbeitet haben... und in engem austausch standen...

wir haben hier oben bedingungen wie auf einem alpenviertausender... es ist absolut mild - kein wind... und der gipfel lädt zum verweilen ein... wir schiessen einige fotos... und machen uns dann wieder an den abstieg... luis nun auf ski... das ganze hat schon sehr viel kraft gekostet. wir sind alle platt... und auch luis meint, dass das skifahren auch nicht so gut ginge...

für mich lautet das erste gebot nun: volle konzentration auf den abstieg... auch wenn die beine müde sind... ich gehe daher relativ langsam und sehr konzentriert... ich möchte nicht durch einen ausrutscher irgendetwas riskieren... und klar, man könnte schon die hänge runterschlittern... aber eine dummer ausrutscher - und das kann das ende sein, hier oben... der spanier, dem das passiert ist, war mir wieder eine deutliche warnung... mein rucksack liegt auch noch an der stelle, wo ich ihn abgelegt hab. jans ist schon weg...er ist vor uns. - nun sehen wir bei tageslicht auch das wahre ausmass des unrats auf CIV... ein wahrer ZeltFriedhof...

unterhalb von CIV geht es wieder in die GeröllPassage... bei tageslicht sieht man nun sehr schön, wie gefährlich das ganze ist... nur loses zeug liegt rum... alli bittet vorgehen zu dürfen... dazu müssen wir anderen ihr einen vorsprung geben, bis sie ausser reichweite der steine ist, die jeder zwangsläufig lostritt, wenn er hier entlang geht... die alternative ist, eng zusammen zu bleiben... nach alli gehen dann oli und ich voran.. und herbert und elisabeth warten hinter uns... ich fühle mich noch ziemlich gut und stark - und habe mir meine kräfte gut eingeteilt... ich könnte schneller absteigen... zumal das wetter nun auch umgeschlagen ist... es hat begonnen zu schneien... und wir sind in wolken ...haben also schlechte sicht... die daunenjacke, die mir vorher zu warm warm im abstieg, habe ich längst wieder angezogen... und es beginnt auch langsam zu dämmern... irgendwie gehts mit oli nicht so gut voran... irgendwann schliesse ich zu ihm auf... und er hockt im schnee und meint, er wäre völlig fertig. - wir sind nicht mehr weit vom CIII entfernt... und nun heissts, oli irgendwie dorthin zu schaffen... die aussicht auf eine nacht im schnee hier draussen ist nicht sehr verlockend. - herbert und elisabeth schliessen zu uns auf... und elisabeth meint, sie wolle oli übernehmen. - derweil ist es schon realtiv dunkel... und wir haben orientierungsprobleme aufgrund der zusätzlich schlechten sicht durch den nebel und schnee...doch irgendwann sehen wir lichter... und das kann hier oben nur CIII sein... während elisabeth sich um oli kümmert bin ich ein stück voran, um den weg auszukundschaften... und nachdem das lager in reichweite ist, erwacht oli zu neuen kräften...

wir erreichen CIV um ca. 19:30 uhr... alli war um 19 uhr dort... ich gehe zu luis´ zelt und melde uns zurück... es ist nicht ganz sicher, ob siggi hier oben ist... und luis bittet mich, im lager rund zu gehen und allen zu sagen, dass für morgen wecken um 7 uhr angesagt ist... und er meint, es könnte sein, dass siggi auch im lager ist... dass er evt. mit in meinem zelt läge - und wenn es so wäre, sollte er mal zu ihm kommen - er wolle ihn sprechen ... au weia... das wär ja wirklich DER ALPTRAUM gewesen::: siggi in meinem zelt... mittlerweile hat sich das wetter zu einem leichten schneesturm ausgewachsen... zunächst habe ich ein paar schweierigkeiten, den reissverschluss meiner apsis zu öffen, die ja nur notdürftig repariert ...und wieder eingestürzt ist ... als ich es endlich geschafft habe, steigt die spannung, ob siggi nun da ist oder nicht... und ein erster blick ins dunkle zelt gaukelt mir vor, dass da jemand liegt... SCHOCK!!! - aber im lichtg der stirnlampe dann erweist sich das zum glück als täuschung. - ich bin froh, nun endlich im schlafsack zu liegen... und brauche noch einige zeit, bis ich mich wieder "etabliert" habe... draussen heult der wind und der peitscht mir den schnee in die apsis, die ich etwas offen lasse, weil ich noch wasser koche... ich esse suppe... und trinke noch viel... ich bin ziemlich dehydriert...und trinken ist das erste gebot... ich habe ausserdem eine leichte bronchitis... so dauert es also noch bis 23:30 uhr, bis ich zum schlafen komm. - ich vermisse nun etwas meine sigg-flasche, die mir im abstieg oben in der querung aus dem aussennetz des rucksacks gefallen ist und den hang runter in eine gletscherspalte geglitten ist... shit happens... aber für den abstieg reicht mir dir thermoskanne. - was mir aber nun fehlt, ist der fusswärmer für den schlafsack...


30.07. - 31.07. Abstieg CIII --> CI --> Basecamp
am 30.07 werden wir morgens um ca. 7:45 uhr geweckt... in der nacht bin ich gegen 3:30 uhr wach geworden und habe ca. 1 std musik gehört. ich habe keine grosse lust, so früh aufzustehen... und hatte über nacht die hoffnung, dass die träger später kämen, aufgrund des schlechten wetters - aber diese hoffnung schmilzt in der morgensonne schnell dahin... es gibt also keinen pardon... auffi gehts... nach einem kurzen frühstück heissts zusammenpacken... es herrscht allgemeine aufbruchstimmung im lager. die meisten steigen heute ab... ein paar österreicher bleiben allerdings oben und haben den gipfel noch vor sich. - durch einen brand, verursacht durch einen kocher in der zeltapsis verlieren sie ein zelt... das zelt steht sofort in flammen, die dann allerdings auch von selbst wieder schnell erlöschen. - man muss schon sehr aufpassen mit feuer im zelt... zum glück haben die österreicher genug zelte hier oben... und es ist auch keiner ernsthaft zu schaden gekommen... auch oli hat sich von seiner gestrigen erschöpfung wieder gut erholt - keine probleme also...

Unser heutiges ziel ist CI - morgen dann gehts weiter ins basecamp... luis verschenkt auf CIII noch ein paar kartuschen und einen kocher an die österreicher... ich überlasse einem ösi eins meiner feuerzeuge, da seins defekt ist. - dann gehts los in den ersten steilhang unterhalb von CIII. luis hat uns gebeten hier ein neues fixseil zu verlegen, da das dort befindliche nicht mehr gut ist... es hat viele knoten und ist für das abseilen mit achter nicht mehr gut zu verwenden. ralf verlegt das seil... und wir haben einige wartezeit, bis es richtig verankert ist. in der zwischenzeit werden ein paar tschechen ungeduldig, weil es nicht weiter geht... es gibt einen kleinen disput... und wir lassen sie ziehen... mit dem hinweis, das alte seil zu benutzen... als wir dann unser seil liegen haben, will einer der tschechen vor mir in dieses seil.... nun ists aber gut... ich sage ihm klar und deutlich, dass er dieses seil nicht verwenden soll... und sein kollege, der im alten seil schon weiter unterhalb ist, schimpft nun von unten zu ihm hoch, er solle das alte seil verwenden... letztlich ist unsere ganze gruppe im neuen seil schneller den hang unten als die tschechen im alten seil. ihr erster mann hat im ausstieg arege probleme, den achter aus dem seil zu lösen, da er zu nah an einen knoten gegangen ist und das seil unter starker spannung steht. - im nächsten seil dann lässt ralf, der am ende geht, die tschechen wieder vor, weil sie wieder maulen, wir hätten sein seil blockiert, wo er mit dem achter fest hing... aber das stimmt nicht, zumal wir ja im anderen seil waren... der kerl hat eindeutig ne macke... später dann bleiben die tschechen weit zurück. - um ca. 12 uhr erreiche ich CII, wo luis mit den hochträgern wartet. - hier rasten wir kurz, trinken etwas... diejenigen, die hier noch privates material zurückgelassen hatten, übernehmen dieses wieder (ausser siggi natürlich, der sein zeug einfach hat liegen lassen, worüber auch luis sauer ist)... wir nehmen auch noch einen kleinen anteil mannschaftsgepäck auf und um 12:45 uhr gehe ich weiter richtung CI...


direkt unterhalb von CII gibt es nun eine beachtliche spalte... aufgrund der sonneneinstrahlung und fortgeschrittenen tageszeit ist der schnee sehr weich und tief...einmal sinke ich so tief ein, dass ich meinen fuss kaum wieder aus dem schnee bringe... alli, die nach mir losgegangen ist, passiert ähnliches...und sie kann sich selbst nicht mehr befreien... bekommt aber sogleich hilfe von ein paar österreichern, die auf ihrer höhe sind und ebenfalls absteigen... die spalte liegt nicht offen, hat brücken... aber es ist nicht ganz ungefährlich, sie zu überqueren. - ich werfe meinen rucksack zunächst auf die andere seite und taste mich dann vorsichtig über eine spaltenbrücke... aufatmen... geschafft... es folgt das kurze steilstück, wo der firnanker des fixseils auch nicht mehr besonders vertrauenerweckend aussieht... ich ziehe ihn raus und fixiere ihn wieder... den rest der fixseile kann ich mich abseilen, da nun keine bergsteiger mehr im aufstieg sind... die aufstiegsspuren sind durch die städnige sonne zu regelrechten rinnen ausgeschmolzen... ein aufstieg in einer solchen rinne im weichen schnee wäre nun eine noch grössere tortur...

um 14:45 uhr erreiche ich CI, wo sich schon xavi und siggi befinden... während xavi mir gleich entgegen kommt und wir uns gegenseitig zum gipfelerfolg gratulieren, rufe ich siggi ein hallo ins offene zelt zu, bekomme aber keine antwort... erst nach einer weile kommt er aus seinem zelt, gratuliert mir ebenfalls zum gipfel... und meint, er wäre krank...hätte eine harnröhrenentzündung und müsste nun 10 liter am tag trinken. ich wundere mich etwas, dass bei ihm dann nicht mal ein kocher brennt... um soviel schnee zu schmelzen wären mehrere kocher, die ja vorhanden sind und die er hätte nutzen können, wohl eher angbracht gewesen... naja... ich denke mir meinen teil dazu...

nach und nach kommen nun auch die anderen... xavi und ralf wollen noch gerne weiter ins basecamp absteigen... aber das können wir ihnen zum glück ausreden... der schnee auf dem gletscher ist sehr weich... und wenn die sonne weg geht, braucht es sicher 2 stunden, bis die brücken wieder so gefroren sind, dass sie halbwegs tragen würden... ein abstieg wäre also sehr gefährlich...zumal für eine zweierseilschaft...

ums wecken für den nächsten tag brauchen wir uns nicht zu sorgen... dafür sorgt wieder mal siggi, der ab 1 uhr nachts eine derartige show abzieht... er kommt aus seinem zelt läuft keuchend draussen hin und her... kackt unmittelbar vor allis und luis´ zelt und palavert in einem fort... keine ahnung, was er da treibt... vielleicht schnee holen für seinen kocher... weiss der henker... auch wenns er eine harnröhrenentzündung hat, ist es kaum zu verstehen, dass er nachts da draussen rum läuft und alle anderen vom schlaf abhält...aber so ist siggi... rücksichtslos... denkt nur an sich... und ein schmarotzer, der sich immer nur ins gemachte nest setzt... traurig, dass man das in dieser deutlichkeit sagen muss. - zum glück ist es die letzte nacht hier oben und so beherrsche ich mich... oli und ich beschliessen, dass wir jedenfalls auf keinen fall im seil mit siggi absteigen werden und notfalls in zweierseilschaft gehen werden. - am abend hatte siggi sich sorgen um seinen weitere abstieg gemacht und mit luis gesprochen...dieser hatte ihm dann gesagt, dass eine bergungsaktion mit der hilfe der porter ca. 150 us-dollar kosten würde... worüber siggi hell empört war, wie das denn soooo teuer sein könnte... und heute morgen dann auf einmal fühlt siggi sich so stark, dass er wieder mit uns absteigen will...aber ich bedeute luis sofort, dass ich das keinesfalls tun werde... letztendlich geht siggi dann doch mit den portern, die ihn den gletscher runterscheuchen und keine rücksicht auf sein jämmerliches gehabe nehmen...und es geht, wie man sieht, denn siggi ist im abstieg nicht langsamer als wir...

nach dem frühstück bauen wir CI ab... alli fordert siggi auf, wenigstens mal mit zu helfen, den inhalt der restlichen tütennahrung in ein loch zu entsorgen... aber nach drei tüten sitzt siggi wieder auf seinem rucksack und tut nichts mehr - wie immer. - wir übernehmen wieder einen anteil am mannschaftsgepäck und dann gehts abwärts... mein rucksack ist bei weitem nicht so schwer wie im abstieg am cho oyu... ich habe nur wenig privates zeug auf CI deponiert, was ich noch aufnehmen muss...und brauche nicht einmal etwas aussen an meinem rucksack zu befestigen, wenn man mal von der sperrigen iso-matte absieht...

der gletscher hat sich inzwischen sehr verändert... es haben sich grosse spalten aufgetan, die wir vorher noch überschreiten konnten und nun weitläufig umgehen müssen... hier sieht man deutlich, wie ein gletscher "lebt"... weiter unten im eisbruch wirds erst richtig interessant. hier ist eine pakistanische militärexpedition dabei, einen neuen weg zu eröffnen... wir sind uns einig, dass der bruch in einigen tagen kaum noch zu begehen sein wird...das gelände ist teilweise wirklich sehr spektakulär. - irgendwann haben wirs dann durch den bruch geschafft und verlassen den gletschen im ausstieg zur moräne des basecamps... auf dem weg zu unserem platz bereiten uns die österreicher einen tollen empfang und stehen spalier mit über uns gekreuzten trekkingstöcken und gratulieren uns zum gipfelerfolg... ein bewegender und sehr schöner moment... wir tauschen uns ein wenig aus, bevors dann die letzten meter zu unseren zelten geht... um 11:15 uhr erreichen wir das basecamp...siggi, der die porter nach verlassen des oberen eisbruchs hat ziehen lassen, kommt gegen 15 uhr...und damit sind wir wieder komplett...

abends dann bringt herbert einen toast auf luis aus und hält eine nette kleine rede - "sehr gut gemacht herbert!" - dazu trinken wir den "willi", den herrmann uns dagelassen hatte, weil oli und ich seine plurren runtergeschafft hatten. - später dann kommt starker wind auf und es hat unglaubliche 6 grad - ein wahrhafte WarmduscherExpedition unter diesem Aspekt - im Vergleich zum Cho Oyu. mit luis und ralf habe ich später ein gespräch über die temperaturen in der gipfelnacht. meine schätzung gingen so richtung -12 grad - ralf meinte zunächst bis -20, aber luis meinte auch so ca. -13 bis -15 grad... xavi ist sehr glücklich auf dem gipfel gewesen zu sein... er hatte schon mehrere gehlversuche, zuletzt an der shisha...er kann es gar nicht fassen und meint, andere expeditionen würden 2 von 10 bergsteigern auf den gipfel bringen und bei uns kämen alle hoch... das läge am deutschen perfektionismus... wir mussten sehr lachen als er das sagte...

02.08. - 05.08. Speedbegehung des GII vom CI --> Gipfel --> CI
unsere Expedition beinhaltet noch einen weiteren höhepunkt::: die speedbegehung des dynafit-teams mit Basti und Bene... ihnen schliesst sich auch luis an und ihr plan ist, von CI aus nonstop den gipfel zu besteigen und mit ski wieder zurück zu CI abzufahren... dabei ist das ziel, den alten rekord von anatoli boukreev zu knacken - dieser steht dem vernehmen nach bei 9:37 stunden. - am 02.08. gehts also zunächst richtung CI, wo dann eine ruhephase folgt...

der start erfolgt am 03.08 gegen 23 uhr... die bedingungen sind ungünstig - es hat neuschnee und die sicht ist teilweise auch mies... nach ca. 12,5 stunden erreichen die drei den gipfel, wobei Bene wohl mit ca. 20 min vor basti oben ist und luis ca. eine halbe stunde später folgt...nach etwa insgesamt 17 stunden sind die drei wieder auf CI... verbringen dort die nacht und mittags am 05.08. gehen wir ihnen zum ausstieg des gletschers entgegen... alle drei sind verständlicherweise geschafft und froh wieder unten zu sein... die enttäuschung über den verpassten rekord ist basti und bene zunächst deutlich anzumerken... aber später macht sich dann doch die freude über den erfolg breit. - eine wirklich tolle leistung der drei...

ein paar anmerkungen zur Speedbegehung
wieder zurück daheim wird die speedbegehung zum MedienEreignis... zumindest das internet is sehr schnell mit berichten überschwemmt... leider wird durch die art der berichterstattung diese an sich wirklich sehr starke leistung ins BoulevardMässig kitschige bis unglaubwürdige gezogen (obs auch in der BILD stand, weiss ich grad gar net)... dazu tragen leider auch die dynafits selbst, bzw. zumindest bene bei, der der süddeutschen zeitung ein interview gibt, in der die speedbegehung als "die gewissermassen sauberste form des höhenbergsteigens" (zitat SZ) dargestellt wird. in diesem interview, das tanja rest geführt hat (sie ist sicher fähig, über Balkonbepflanzung zu berichten, aber ganz sicher nicht, über höhenbergsteigen...), bekommt der leser den eindruck, dass die dynas aus dem nichts zum berg gekommen sind. - die kommerziellen expeditionen werden mies gemacht... nur wird leider nicht erwähnt, dass auch die dynas zuvor die komplette logistik einer kommerziellen expedition in anspruch genommen haben... und auch am berg waren gute spuren vorhanden und alle fixseile bereits verlegt, da im jubiläumsjahr 22 expeditionen am berg waren (und nicht, wie der film gerne glauben machen möchte, nur die dynas)...


sportlich unfair und mies finde ich, dass bene zwar seinen partner basti erwähnt, aber luis, der auch mit oben war, völlig unerwähnt lässt. ich verstehe nicht, wie bene einen solchen bericht drucken lassen konnte. - insgesamt wird in den meisten berichten die speedbegehung glorifiziert... wichtige informationen werden - vermutlich bewusst - zurückgehalten. - und ich frage mich::: WARUM??? - nach meiner erfahrung haben sportler, die wirklich starke leistungen vollbracht haben, es nicht nötig, etwas zu beschönigen oder weg zu lassen... sie lassen ihre taten für sich sprechen... so einer war auch anatoli boukreev - kein verweichlichter effekthascher, sondern ein mann, der unter den rauhen bedingungen russlands aufgewachsen ist - sehr stark auch mental - ein mensch, der elementar und basic war... er hat solchen boulevard-rummel wie diese speedbegehung nicht nötig gehabt (hatte er bei seiner begehung auch fixseile und gute spuren - und den tross einer komerziellen expedition im rücken wie die dymas? ich weiss es nicht) - er war ein "original" (im gegensatz zu "kopien" im plato'schen sinne)... und ich habe auch andere sportler kennengelernt - auch bergsteiger, die wahre grösse hatten... ich denke z. b. an olaf zill vom cho oyu... der hat nicht geredet, der hat gehandelt. er hat seinen expedition zum cho oyu selbst organisiert... da hat er kein aufhebens drum gemacht... die dynas hingegen haben den vollständigen "tross" einer kommerziellen expedition benutzt und verschweigen dies... so erinnert mich das ganze dann in der nachschau doch eher an tom vom cho oyu... allerdings mit dem unterschied, dass er seinen hohen ansprüchen und reden keinerlei taten folgen liess, während die dynas eine wirklich starke leistung vollbracht haben und solche beschönigungen nicht nötig gehabt hätten, die das ganze unternehmen letztlich auf boulevard-niveau runtergezogen haben...

was den aspekt der Speedbegehung als "sauberste form des bergsteigens" angeht...möchte ich noch anfügen, dass längst nicht jede kommerzielle expedition ihren müll am berg lässt, so wie aufgrund des berichts in der SZ der eindruck entstehen könnte... klar gibt es sehr viel müll dort oben - man bedenke nur den ZeltFriedhof CIV - und viele bergsteiger überschätzen ihre kräfte und sind am ende nicht mehr in der lage, ihr material runter zu schaffen... eine andere sache sind sicher unfälle, die auch passieren und dazu führen, dass material oben bleibt. - und was den aspekt der sicherheit und sicherheitsreserven angeht, kann man wohl eine solche speedbegehung kaum als das mass der dinge hinstellen. - die dynas sind mit dem notdürftigsten dort hoch gegangen... z. b. keine daunenkleidung, die im fall eines unfalls dort oben überlebenswichtig sein kann... zudem das eingehen von risiken, die in dieser höhe einfach dumm sind::: "die sicht war weg, die spur auch... sie kehrten nicht um ... sie verloren die orientierung und verliefen sich..."(zitat SZ)...

das unternehmen wurde auch gefilmt, allerdings nicht - wie vielleicht der eindruck entstehen könnte - life, sondern im ersten aufstieg im rahmen der kommerziellen expedition... um den eindruck zu erwecken, dass die dynas allein am berg waren, wurde allerdings peinlich drauf geachtet, dass keine anderen bergsteiger ins bild liefen...klar, im film konnte luis also gar nicht mit am gipfel sein, weil er mit uns am gipfel war... und die dynas bei der speedbegehung keine kamera dabei hatten - xavi, der kameramann, war während der speedbegehung mit uns im basecamp -  sogesehen ist das alles halt schon auch eine ziemlich show gewesen. - man übersieht bei allem leicht, dass die dynas einfach nur privilegiert sind... dynafit als sponsor, der alles bezahlt ... ein elternhaus, dass basti und bene eine erziehung und einen werdegang erlaubt hat, dass sowas möglich werden konnte (in nepal arbeiten bereits kinder als porter und brauchen sich über eine speedbegehung als die "reinste form des bergsteigens" keine gedanken zu machen) ... und ich denke, dass es unter den strassenkindern von rio einige gäbe, die das genauso schaffen würden... wenn sie die möglichkeiten gehabt hätten... das ganze ist letztlich mit all dem gehabe eher nur noch peinlich...

Fazit::: durch die Art der Berichterstattung verkommt eine an sich starke Leistung zum BoulevardSpektakel - das hätte man sich mit etwas überlegung ersparen können...


01.08. - 08.08. Aufenthalt im Basecamp
was nun folgt ist ein mehrtägiger aufenthalt im basecamp... unsere porter sind für samstag, den 05.08. bestellt...aber das wird nichts... wir haben nun zunächst das problem, das nun das ende der saison gekommen ist... das bedeutet, das es etliche expeditionen in der gegend gibt, die nun ihr BaseCamps verlassen wollen... dem stehen aber nur begrenzte PorterRessourcen gegenüber. - später kommt das wetter erschwerend hinzu... seit wir vom gipfel runter sind, ist es kontinuierlich schlechter geworden... wir haben auch wieder schnee... und da unsere porter über den Gondogoro La-Pass kommen werden ist uns klar, dass sie da bei schlechtem wetter kaum über den pass kommen können...

zwischendurch fordern wir immer wieder wetterberichte von charlie gabler an... die zeit läuft uns davon... während es anfangs noch relaxt zu geht - ralf geht z. b. noch zum concorida platz... wird es später dann immer enger mit der zeit... wir überlegen mit dem heli auszufliegen...wobei "überlegen" mehr ein wunschdenken ist... dass die porter nicht kommen hat die lokale agentur zu vertreten... also waljis... und die haben natürlich nur wenig interesse einen heli kommen zu lassen, da dieser zwischen 6-8.000 us-dollar kosten würde... andererseits muss man fairerweise aber auch erkennen, dass der heli bei dem wetter, was wir derzeit haben, nicht fliegen kann... wir sitzen in der falle, zumal bei dem wetter auch an eine rückkehr über den GondoGoreLaPass nicht zu denken ist... irgendwann ist es dann so eng, dass es auch über den weg, über den wir ins BC gekommen sind, kein zurück mehr gibt, weil wir über diese route einen tag mehr benötigen würden als über den GondoGore... und ob ab Ascole die Jeeps fahren weiss auch kein mensch...

doch dann - es kommt uns fast wie ein wunder vor - kommen am 08.08., mittwochs ...nachmittags doch noch porter... das ist nun die grenze dahingehend, dass wir nun, wenn wir über den GondoGore gehen, noch aus eigener kraft unseren planmässigen flug von islamabad nach münchen erreichen können...es darf allerdings nichts mehr schief gehen. - unser L.Öchen hat sich übrigens inzwischen abgesetzt... er hatte (angeblich) zahnschmerzen und hat mit einer österreichischen expedition vor uns das BC verlassen... vermutlich, weil er schon geahnt hat, dass das schwierig werden würde, aus dem BC raus zu kommen... aber seine untreue (er hätte normalerweise bei "seiner" expedition bleiben müssen) wird bestraft... er wird durchs wetter unterwegs auch aufgehalten und festgesetzt. - für uns wirds nun ernst... wir packen unser zeugs zusammen... jeder kann nun nur ein gepäckstück mitnehmen ... das zweite muss im BC zurückbleiben... es wird ein porter zur überwachung zurückbleiben. später wird dieses gepäckstück dann per aircargo nach deutschland nachgesendet werden...

09.08. BC --> Ali-Camp (4.957m)
um 5 uhr steht der wecker... wir frühstücken kurz und dann wird das BaseCamp mit vereinten kräften abgebaut. um ca. 7:15 uhr kommen wir weg... es geht gleich seitlich die moräne runter und auf den gletscher, den wir dann hinab gehen. - weiter unter kommt man wohl nicht mehr über den gletscherbach, der hier oben noch nicht so breit und reissend ist...später gehts dann wieder auf eine moräne... wieder über gletscher und schliesslich weit unten linkerhand in ein SeitenTal, das wir dann wieder aufsteigen...das wetter ist bedeckt - mit gelegentlichen sonnenlächer. darüber sind wir nun ganz froh, da es zum gehen angenehm ist... das letzte stück des gletschers hoch zum AliCamp zieht sich ziemlich in die länge. die sonne ist wieder stärker hervor gekommen und es ist ziemlich warm. - wir wissen nicht genau, wo das AliCamp liegt und verlaufen uns ein wenig... sprich kommen ein stück oberhalb des camps aus und müssen wieder den gletscher absteigen... keine grosse sache an sich, aber wir haben doch die letzten wochen in den knochen stecken und sind nicht mehr ganz frisch und demzufolge froh, als wir nachmittags endlich das camp erreichen, das sich eng an die felsen schmiegt und im geröll des herabfallenden schutts liegt. es sind auch ein paar andere trekker und porter dort. als bestandteil einer TrekkingRunde, die man ja über den GondoGorePass machen kann, ist das ganz schon etwas extrem für einen normalen trekker. - herbert, der ein stück hinter uns war, verläuft sich völlig richtung ChogolisaBasecamp und wird von khambar wieder "eingefangen"...

foto by alli - © -  all rights reserved
im camp angekommen kaufe ich mir eine sprite, um den flüssigkeitsverlust möglichst schnell zu ersetzen. die porter bieten hier oben exclusiverweise sprite und cola an. wasser gibt es leider keins. aber ich denke, wenn ich mich nur auf die kapazitäten unserer "FeldKüche" hier oben verlasse, dann werde ich ganz sicher zuwenig trinken. also hinein mit den 1,5 litern sprite. - die zeit bis zum abend vergeht schnell. und da die hinten den auf unserer seite es gletschers gelegenen bergen unter geht, liegen wir sehr schnell im schatten. - für die nacht bauen wir das mannschaftszelt auf, in dem wir mit ein paar leuten schlafen werden. wer will kann auch ein zweimannzelt aufbauen, muss dieses allerdings auch selbst wieder abbauen... und da es schon nachts um 1 uhr weitergehen soll, lohnt sich das eher nicht...ralf, xavi, oli, siggi und ich schlafen im mannschaftszelt... nach dem abendessen - unser küchenteam zaubert auch unter diesen bedingungen was tolles auf den "tisch" (ein tischtuch auf dem boden des mannschaftszeltes). immerhin sind die jungs den weg auch gegangen, haben sachen geschleppt... und monu, unser koch, ist fast die ganze nacht für uns tätig... wirft, nachdem er die nachsorge des abendessens erledigt hat, bald schon wieder die kocher fürs frühstück an...

an schlaf ist für mich im mannschaftszelt nicht zu denken... aber die atmospähre ist toll. - da es sehr warm ist, lassen wir den eingang des zelts offen und der mond scheint hell herein und strahlt auch die gegenüberliegenden eiswände an. - einmalig. - theater gibts mal wieder mit siggi, der den eingang trotzdem der wärme (die aussentemperaturen sind sehr mild für diese höhe - es ist völlig windstill - und ausserdem ist das zelt mit 5 personen gut gefüllt) - schliessen will... ralf versucht ihn zu überzeugen, dass wir im zelt "eingehen" werden ... und zieht später den reissverschluss später einfach wieder auf...

10.08. Ali-Camp (4.957m) --> GondoGoro LA (5.500m) --> Saicho (3.533m)
der wecker bimmelt um 00:30 uhr... nun heissts nur noch::: ab - in die klamotten springen - packen... frühstücken und mannschaftszelt abbauen... punkt 2 uhr gehts auch schon los in richtung pass... zunächst gehts seitlich am gletscher entlang durchs geröll, was in den dicken thermoschuhen mit steigeisen nicht sehr lustig ist. - es ist eine fantastische nacht - wieder haben wir grosses glück, so wie schon am concordia-platz auf dem hinweg. es ist fast wolkenlos und der mond ist fast voll und scheint sehr hell. eine phantastische athmosphäre bei diesen bedingungen über den flach ansteigenden gletscher in richtung einstieg zum pass zu ziehen. - der pass selbst liegt dann im mondschatten und ist sehr düster. hier geht es wieder steil bergan - rgendwo im unteren beginnen dann auch die fixseile... wir begegnen einem träger, der wohl höhenkrank geworden ist und seine last liegen lassen muss. - für mich ist es nun einerseits eine letzte anstrengung - irgendwie war es frustrierend, nach dem abstieg aus dem BC noch einmal die dicken schuhe anziehen zu müssen, nur um diese 500 höhenmeter zu überwinden... aber nun ist es eher ein genuss, hier noch einmal "hoch zu stiefeln". - zur passhöhe hin wird es langsam hell... und oben angekommen (5 uhr) bietet sich uns ein phantastischer ausblick mit gleich vier achttausendern: K2, Broad peak, GI und GII - WOW! - Und wir haben das Glück eine gute Aussicht zu haben und auch den Sonnenaufgang hier oben zu erleben. Das sind Momente im Leben, die man nicht vergisst...

Was allerdings nun noch auf uns zukommen wird::: der Abstieg - wird im tagesverlauf noch zu einer langen qual und wenig lustig werden... 2000 höhenmeter abwärts sind für die muskeln und gelenke kein spass... und in dieser höhe schon eine ziemliche belastung. - wir haben mit den portern einen treffpunkt verabredet, wo wir die schuhe wechseln können. für mich gehört nicht viel dazu, voraus zu sehen, wie sich meine knie schon bald anfühlen werden, wenn ich das alles in den schweren thermoschuhe gehen muss. - schon gleich die ersten meter geht das zweifelhafte vergnügen los: auf dieser seite des passes liegt kein schnee, sondern loses geröll im sehr steilen hang... die fixseile, die hier hängen sind nicht bloss zur zierde da... wenn man hier einmal ins rutschen kommt, siehts schlecht aus und es gibt kein halten mehr. - dass die porter hier nicht bei jedem wetter hochgehen, ist sehr gut zu verstehen, zumal sie den pass zumeist in turnschuhen oder ähnlichem material gehen.

weiter unten geht der schotter dann in nassen lockeren lehm, vermischt mit eis und eisigem untergrund, über... auch kein vergnügen und ich merke die kniesehne im rechten knie, die sich so langsam aber sicher zu entzünden beginnt. - ich kenne das auch vom "kampfwandern" in chamonix, wenn ich über mehrere tage heftige wandertouren unternehme. wenn sich das auswächst kanns noch "lustig" werden... und ich fiebere dem treffpunkt mit den portern entgegen, um endlich die schweren schuhe los zu werden.
schon vor huspang gibts auch wieder erstes pflanzengrün und völlig überraschend kommt uns teimoor hier entgegen. es gibt ein freudiges wiedersehen - er wird uns nun bis skardu zurück begleiten.

um 8 uhr erreichen wir Huspang, wo die träger warten... für heute haben wir nun schon einiges geschafft... wir legen eine längere rast ein... es gibt hier ein "bewirtete" hütte... wir bekommen tee, suppe und können auch fanta und cola kaufen... wir nähern uns also wieder der zivilisation, so könnte man denken - aber tatsächlich sind wir noch weit - sehr weit davon entfernt. - um 9 uhr gehts weiter abwärts... weitere sechs stunden über moränen und gletscher folgen - eine wahrhaft wilde und weite landschaft. - an einem punkt kommen aus drei richtungen gletscher zusammen, die unvorstellbar gross sind... sowas erlebt man in den alpen nicht mal im kleinformat... einfach unbeschreiblich. - mittlerweile knallt auch die sonne wieder auf uns nieder. - nachdem wir die gletscher verlassen geht es hochalpin weiter... die landschaft könnte nun auch irgendwo in den alpen liegen... nur, dass die berge hier noch weit höher sind als die meisten berge in den alpen... wir gehen über schmale trampelpfade und queren grüne wiesen... und immer noch ist der weg endlos weit bis zu unserem ziel...

irgendwann müssen wir einen reissenden "gebirgsbach" überqueren... von bach kann hier bei weitem keine rede mehr sein... ein paar porter haben hier auf uns gewartet, um uns zu helfen... es liegen dicke steine im strom... und ich unternehme einen versuch, den bach durch geschicktes springen auf steine zu überwinden... aber es gibt keinen weg trockenen fusses hinüber. - also heissts schuhe doch ausziehen... und dann durch das kalte reissende wasser hindurch, wobei man schon ziemlich aufpassen muss, dass man sich seine nicht-abgehärteten füsse nicht an spitzen steinen verletzt. - aber schliesslich sind wir alle heil drüben... und weiter gehts abwärts... je tiefer wir nun kommen, umso wärmer wird es ... dem ende zu wird der weg sandig... und wieder sehr steil. ich spüre, dass ich über früh oder lang blasen bekommen werde, wenn das nicht bald ein ende nähme... obwohl ich schon nachts beim start meine füsse vorsichtshalber abgepflastert hatte. - ein "wunder" ist mal wieder siggi, der den berg am ende nur so runter rennt...von krankheit keine spur. so langsam gewinnt er wieder oberwasser hier unten in vertrauter AlpenHöhe. - endlich um 15:15 uhr erreiche ich die CampSite... ich bin nun ziemlich dehydriert und da es nichts anderes gibt, kaufe ich mir eine 1,5 liter flasche cola. das kam bisher im ganzen leben noch nicht vor, dass ich mir cola gekauft habe, um sie selbst zu trinken - und dazu noch gleich 1,5 liter... aber das ist mir nun egal... ich will möglichst schnell flüssigkeit ersetzen... und sei´s nun mit cola... ausserdem hätte ich grössere mengen tee ohnehin nicht runter gebracht...

der rest des tages vegeht mit zelt aufbauen... waschen (ich wasche mich am fluss, der direkt an der CampSite - laut tosend - vorbei fliesst)... abendessen und vorbesprechung des nächsten tages. - da die möglichkeit, von skardu aus zu fliegen noch im bereich des möglichen liegt, müssen wir am nächsten morgen schon wieder um 3:30 uhr aus dem schlafsack. luis hat die (GalgenHumor)Lacher auf seiner seite, als er das bekannt gibt...

11.08. - 13.08. Saicho (3.533m) --> Shilas --> Skardu --> Islamabad
um 5 uhr gehts nach zeltabbau und kurzem frühstück auf die letzte TrekkingEtappe... heute werden wir mit jeeps noch bis nach skardu fahren und von dort ggfs. nach islamabad fliegen oder mit dem bus weiterfahren. - was nun kommt lässt sich im grunde wie ein einziger tag beschreiben, da es nun kaum noch eine verschnaufpause gibt und wir bis islamabad nur noch "on the road sein werden". - um 7:15 urhr erreichen wir shilas... hier haben wir einen längeren aufenthalt. wir übergeben letztes material an die mannschaft. es folgt die TrinkgeldÜbergabe und dann der abschied... die highporter werde ich nicht vermissen, aber rosi und manu, die uns solange begleitet haben, werde ich in sehr gutem andenken bewahren...

um 8:15 uhr gehts dann mit den jeeps weiter richtung skardu. wir haben keine zeit zu verlieren, wenn wir eine chance haben wollen, zu fliegen... auch wenn unsere hoffnung auf einen flug nicht sehr gross ist, da die kleinen flieger nur bei sehr gutem wetter fliegen... und davon kann keine rede sein. wir haben zwar sonne, aber auch viele wolken. im jeep sitz ich ausgerechnet wieder neben siggi... und der lässt sich wieder - wie es so seine art ist, wie ein nasser sack hängen, was dauernd dazu führt, dass er auf den wüsten holperpisten gegen mich gedrückt wird. der kerl ist nicht dran gewöhnt auf andere rücksicht zu nehmen und geht mir dermassen auf den senkel... ich sage ihm, er solle sich gefälligst mal ein bisschen zusammen reissen. - gut, dass diese tour zu ende geht...ich weiss nicht, was sonst vielleicht nch geschehen wäre... im "normalen" leben würde so jemand nicht auf 100m an mich rankommen. und ich möchte nie im leben wieder etwas mit ihm zu schaffen haben. sollte ich je wieder eine expedition machen, wo er auch teilnähme, wäre das für mich ein rücktrittsgrund.

nach teilweise abenteuerlicher fahrt (im gegensatz zu deutschen strassen ginge hier ohne jeeps wirklich nichts) erreichen wir um 13:15 uhr skardu. wir steuern wieder das K2-Hotel an, wo wir eine mittagspause machen ...essen ...und auch die möglichkeit zum duschen haben... bevor es dann mit dem bus weiter gehen wird. - an fliegen ist nicht mehr zu denken - der himmelhat sich völlig zugezogen... zwischenzeitlich hat luis wohl sogar erwähnt, in skardu zu übernachten und morgen früh nach islamabad weiter zu fahren... aber letztlich rät das wetter doch zur sofortigen weiterfahrt. es sieht nach regen aus und man weiss nicht, was dann passieren kann... und wir haben nun wirklich nur noch wenig zeit zu verschenken und können uns keine längeren ausfälle mehr erlauben, wenn wir den flieger noch pünktlich erreichen wollen. - insofern sind auch alle dafür, weiter zu fahren, auch wenn das nun sehr anstrengend werden wird - WIE anstrengend es für mich noch werden sollte, konnte ich zu diesem zeitpunkt noch nicht ahnen. im K2 treffen wir auch unsere L.O. wieder. von wiedersehensfreude kann man allerdings nicht sprechen. er hat die strafe für seine "fahnenflucht" auch schon bekommen... hat wohl unterwegs im schlechten wetter fest gesessen und ist auch erst seit 3 tagen in skardu.

da luis noch mit dem L.O. zur örtlichen militärstation muss, um formalitäten zu erledigen, kommen wir erst um ca. 16 uhr aus skardu weg. weiter gehts nun im bus der waljis-agentur. - es gibt auch noch ein paar diskussionen zwischen dem busfahrer und dem waljis-manager. es scheint, der fahrer hat nicht die grösste lust auf diese reise... und anfangs habe ich das gefühl, dass er auch gar nicht richtig von skardu weg will, denn er fährt nicht grad besonders schnell...und wir können auf eine lange fahrt hochrechnen. - unser erster unplanmässiger stop lässt nicht lange auf sich warten::: an der Baltisan Continental Bridge stehen wirfür eine halbe stunde, da der wind zu heftig bläst und die brücke gesperrt ist. - das konnte ja heiter weiter... aber mit einem mal gibt es einen sehr lauten knall wie von einer detonation... und es folgt - wie durch ein wunder - ein abflauen des stürmischen windes zu einem lauen lüftchen - wir können weiter fahren...

gegen 21:45 uhr halten wir an einem TruckerStop an und essen etwas zu abend... charpati mit dalbat und reis... es sind die bislang besten charpati, die ich gegessen habe... nicht zu vergleichen mit denen aus dem BC...allerdings hatten usnere jungs dort auch keinen ofen... und am besten sind die charpati nun mal, wenn sie ofenfrisch sind... weiter geht die fahrt über den karakorum highway...

Unfälle passieren - wenn nicht an hohen Bergen, dann eben in tiefen Löchern
um ca. 2 uhr morgens - wir schreiben inzwischen den 12. august - erreichen wir eine der zahlreichen KontrollStationen. diesmal werden wir länger aufgehalten, da der wachhabende der meinung ist, dass wir um diese uhrzeit den highway nicht befahren dürften. unser L.O. stellt sich ausnahmsweise einmal in den dienst unserer sache - klar er will  ja auch heim - und versucht den miltärs klar zu machen, uns weiterfahren zu lassen. - nun, und da so n bus ja nicht ständig hält, nutze ich die zwangspasue für einen pinkelstop. ich verlasse den bus ... draussen regnets und es ist ziemlich duster. - da ich mit pinkeln an "hoheitlichen örtlichkeiten" so meine erfahrungen habe (vgl. im mustagh ata- bericht die geschichte von horst an der chinesisch-krigisischen grenze) ... beschliesse ich etwas abseits in die büsche zu gehen... zwischen fahrbahn (hier apsphaltiert) befindet sich eine art "gehweg" aus kleinen kieselsteinchen... und auf der anderes seite dieses gehwegs sind dann büsche, abgetrennt durch eine "mauer" aus kindskopfgrossen flusskieseln. - ich gehe ein stückchen den weg bergauf... gehe - bzw. denk ich, dass ich zunächst noch, dass ich gehe - über die kieselmauer in die büsche - und stürze ohne jede vorwarnung ca. 1,70m in die tiefe... ich weiss nicht, wie mir geschieht. - keine zeit für einen gedanken. ich schlage mit dem kopf auf einen kindskopfgrossen - zum glück runden - flusskiesel auf - ein riesiger "kawumm-stern", so wie ich ihn aus comics kenne, zischt aus meinem kopf... ich bin wie betäubt... allerdings nicht bewusstlos. - ich bin oberhalb des linken ohrs izur schläfe hin aufgeschlagen... und ebenso plan mit dem linken innenknie ebenfalls auf einen solchen kiesel. - ich stehe auf und bin benommen. trotzdem verrichte ich hier untern noch mein geplantes geschäft und steige dann aus dem loch. es ist ungefähr in kopfhöhe und ich muss frontal in die lehmwand treten  - wie mit steigeisen in eine eiswand - um aus dem loch hoch zu kommen. - ich gehe zum bus und setz mich auf meinen sitz... ich erzähl alli und oli von dem vorfall... wenig später wird mir sau schlecht. ich bekomme starke kopfschmerzen und ebenfalls sehr starke schmerzen ins knie... ich habe das gefühl, ich müsste mir jeden moment in die hose scheissen... oli fragt, ob er mir irgendwie helfen könnte. - ich bitte ihn um eine kotztüte. - alli kommt zu mir und spricht mit mir, wie´s mir geht. - ihr zuspruch tut sehr gut in dieser situation und ich wieder mal froh, auf einer solchen reise nicht nur mit gleichgesinnten bergkameraden, sondern mit einer freundin unterwegs zu sein...

diese verletzungen machen mir in den nächsten stunden und tagen sehr arg zu schaffen... ich kann kaum noch gehen... am kopf habe ich eine erhebliche platzwunde und bekomme den mund zum essen kaum auf. - später zuhasue kann ich bis ende september nachts nur schlafen, wenn ich mir ein kissen zwischen die knie lege, weil es wahnsinnige schmerzen bereitet, wenn die kniee in seitenlage aufeinander liegen. es ist als würde jemand mit dem messer in meinem knie bohren... der direkte schmerz der kopfverletzung geht vergleichsweise viell schneller... wenn ich allerdings meinen mund sehr weit öffne, dann tut mir die schläfe auch heute (7 monate später) leicht weh...

okay... ich habe nun keine andere wahl... mir gehts im bus nun sehr dreckig... und es ist irgendwie ironie des schicksals, grad gesund von einem 8.000er zu kommen... und dann einen solchen unfall zu haben. - klar, ich hatte zunächst mal einen schock...aber nachdem der sich in der nächsten stunde legt, habe ich schlimmer schmerzen und jede erschütterng des busses geht mir in den kopf und noch mehr ns knie... die kleinste bewegung löst einen höllischen schmerz aus. - dabei sollte das schlimmste dieser rückfahrt erst noch bevorstehen...

das wetter hatte sich zunehmend verschlechtert... schon abends gab es arges wetterleuchten - und wir fuhren ja bereits auch schon seit längerem durch regen und man konnte sich leicht ausrechnen, dass in der näheren umgebung ganz sicher hefitge gewitter nieder gegangen sein mussten... die strasse war ab und zu schon in mitleidenschaft gezogen ... geröll wurde aus den losen bergwänden zu seite der strasse auf dieselbe gespült... wir hatten irgendwann einen ersten kürzeren stop, bevor es über eine solche stelle weiter ging... und dann kam das FINALE AUS...

vor einer kurve ging nichts mehr. - wir standen gleich unmittelbar hinter ein paar fahrzeugen mit als erste vor einer kurve, in der der regen die halbe strasse weg gespült hatte. - das wars nun... keine weiterfahrt mehr möglich... wir mussten den rest der nacht im bus verbringen. - als es dann hell wurde, sahen wir das ausmass des schadens... die halbe asphaltierte strasse war einfach weggeschwemmt worden... und der verbleibende rest war weiter unterspült, so dass ein befahren zum einen vom umherliegenden schutt und schlamm eh unmöglich gewesen wäre, aber die stelle auch bei befahrbarer strasse nicht zu passieren gewesen wäre. - hinter uns hatte sich in den vergangenen stunden eine lange autschlange gebildet, deren ende nicht zu sehen war. - erste einheimische aus den umliegenden dörfern machten sich zu fuss auf den weg und liessen ihre autos einfach zurück. - es hielt sich zunächst das gerücht, dass morgens um 8 uhr eine planierraupe eines nahe gelegenen militär-stützpunkts die strasse räumen würde - das militär ist ja für die instandhaltung des highways zuständig... aber es kam niemand. - etwas später gingen dann ein paar unserer leute die strasse voraus, um sich ein bild von der lage zu machen... und ihre beobachtungen waren niederschmetternd... auch die nächsten kurven der strasse sahen nicht viel besser aus... WIR SASSEN FEST...


so langsam wurde uns klar, dass wir hier nur zu fuss weiter kamen... zu dem zeitpunkt für mich ein undenkbares ansinnen...ich konnte mein knie überhaupt nicht strecken... hatte unsagbare kopfschmerzen. - die strategie lautete, das nötigste gepäck im rucksack mitzunehmen und zu versuchen, die schadstellen zu überwinden, um irgendwo, wo der highway wieder befahrbar war, neue fahrzeuge zu organisieren und so das kritische gebiet zu überwinden und zu verlassen. - ich hatte keine wahl und irgendwie gelang es mir aus dem bus zu kommen... rucksack hatte ich ohnehin nur noch den kleinen, da ich meinen grossen ja dem pakistani überlassen hatte... somit brauchte ich mir über viel zusätzliches gewicht erst gar nicht den kopf zu zerbrechen. - die ersten schritte waren fürchterlich und ich konnte die tränen kaum zurückhalten... gleich nach ein paar meter gings über eine schlammpassage... ich sank tief in den schlamm ein... und als ich das verletzte knie wieder rausziehen wollte, hatte ich unerträgliche schmerzen... musste sehr auf die zähne beissen, damit mir ncit die tränen flossen.... ich nahm nun 2 ibuprfen-tabletten, zu denen luis mit riet... die ersten tabletten seit einer, die ich am CHO 2004 nehmen musste...davor die letzte 2002 am mustagh ata - aber es musste sein. - und igendwie halfen sie auch ein bisschen.

nachdem ich mich ein bisschen ans gehen gewöhnt hatte, kam ich, wenn auch sehr langsam, voran. der zustand der strasse war einfach nur als traurig und völlig desolat zu bezeichnen und wir sahen erst jetzt das wahre ausmass des unheils::: links von den hängen waren ganze schlammlawinen auf die strasse geflossen, die teilweise einen meterhohen brei aus schlamm und kieseln hinterlassen hatten. - die angrenzenden seitenwände bestanden aus losem gepresstem sand mit steinen, der starken regengüssen nicht standhalten konnte...und es reichten schon sanfte gefälle, um diesen brei dann auf die strasse fliessen zu lassen... es gab auch weitere schwerwiegende abbrüche der strasse. - ich kam nur sehr langsam voran... die anderen waren weit vor mir... und herbert, der die erste zeit bei mir blieb und bleiben wollte (was ich ihm hoch anrechne), schickte ich auch voran... er hätte mir eh nicht helfen können... aber er meinte es gut...und das zählt...

nun, irgendwann ging auch diese wanderung - die wohl schlimmste meines lebens - zu ende... wir waren um 8:30 uhr gestartet und um 11:30 uhr erreichten wir das ende des gebiets, dass sehr heftige regenfälle so sehr beschädigt hatte. einheimische , die an der strasse standen, sprachen von den schlimmsten schäden seit vielen jahren. - wir hatten zuvor auch träger für unser gepäck gefunden - eine willkommene arbeit in dieser entlegenen gegend und eine möglichkeit, etwas geld zu verdienen...und eine kleine chance, dass unser gepäck vielleicht doch noch rechtzeitig mit uns den flieger ereichen würde, nachdem ja ein hauptgepäckstück schon im BC hatte zurückbleiben müssen. - teimoor war es zwischenzeitlich mit seinen "connections" gelungen, ein fahrzeug für uns zu besorgen, mit dem es nun weiter ging. - gerüchten von - aus gegenrichtung kommenden fahrern - zufolge sollte die weitere strasse zwar beschädigt, aber weitestgehend passierbar sein... es wurden allerdings auch weitere regenfälle erwartet, so dass wir keine zeit zu verlieren hatten...

selbst die fahrt im auto war für mein knie kaum zu ertragen... der kopf machte mir weniger probleme - kopfschmerzen hatte ich kaum... die platzwunde war stark geschwollen und das geronnene blut klebte in den haaren... irgendwie fühlte ich mich leer... es war frustrierend... zumal mir klar war, dass ich mich so schnell von den folgen dieses unfalls nicht erholen würde... und somit war auch weider klar, dass ich jedesmal nach einer grossen expedition mit irgendnem scheiss nach hause kam, der (dann wiederum zum glück) nicht am berg selbst passierte...

unsere weiterfahrt endete realtiv schnell wieder an einer stelle wo die strasse unpassierbar war, aber eine planierraupe dabei war, den schutt wegzuräumen...derweil erzählte uns ein mann, dass auch die strasse von chilas nach islamabad blockiert wäre.  -" schöne" aussichten für uns. - nun hatten wir alles gegeben, um irgendwie noch rechtzeitig zum flieger zu kommen... aber es schien, pakistan wollte uns nur sehr widerwillig ziehen lassen...und das nicht etwas aus politischen gründen... immerhin ist pakkistan auch ein krisenland und es ist angeraten, in manchen städten acht zu geben, nicht in irgendwelche tumulte zu geraten. - nein, in unserem fall war es die natur... pakistan ist ein wirklich wildes land von der natur her - man muss es einfach selbst erlebt haben...

um 14 uhr dann erreichen wir chilas... hatten unterwegs aufenthalt an zwei baustellen. wir planen einen aufenthalt bis 18 uhr im hotel... mit der möglichkeit, nach dem essen ein zimmer zu belegen, zu duschen...sich etwas hinzulegen, wer will. - das hotel ist ein wirklich toller laden... und das essen das vielleicht beste der ganzen reise... es gibt sogar einen kleinen shop. und da ich mittlerweile nicht mehr daran glaube, dass wir in islamabad noch zum einkaufen kommen werden, beschliesse ich, hier nun meine andenken und mitbringsel zu kaufen...


weiter gehts um 18 uhr mit einem ToyataBus und einem PKW... für 40 km weiter ist ein störung auf der strasse angekündigt...da man nun nicht so genau weiss, was uns noch an hindernissen erwartet, habe ich mir vorsorglich noch wasser und kekse gekauft...und dann kommt die erste störung schon viel früher... wir stehen wieder vor einer - zwar überschaubaren - aber doch unpassierbaren stelle. - das "spiel" wiederholt sich... wir überqueren die stelle zu fuss... wobei wir auch unser gepäck, das uns nachgereist und in chilas zwischenzeitlich auch erreicht hatte, über die SchlammGeröllPassage schleppen müssen. - ich kann meine eigene tasche - oder gar andere - unmöglich selbst rüber schaffen... ich bin grad froh, dass ich die stelle selbst passieren kann. es geht teilweise durch tiefen schlamm und knöcheltiefes wasser...ich bin froh, dass ich die trekkingstöcke habe, die mir ermöglichen, mich gut abzustützen, wenn ich mit dem fuss ein loch unter der wasseroberfläche ertaste... mein verletztes knie ist superempfindlich udn schmerzt bei der kleineten bewegung. - mittlerweile haben sich mehr und mehr aksitani an der stelle versammelt, die per mühseliger handarbeit versuchen, die stelle wieder befahrbar zu machen, indem sie einerseits eine menschenkette bilden und steine verlegen...und andererseits aus dem berghang grosse gesteisbrocken mit stangen herunterwuchten, um die löcher zu füllen...

auf der anderes seite des hindernisses müssen wir wieder einen bus finden, der uns weiterfährt...es sind ja etliche fahrzeuge da, die auch nicht über stelle kommen und umkehren müssen... sogesehen also im grunde ein fahrzeugtausch. - wir haben aber zunächst das handicap, dass luis unbedingt auf eine waljis-bus mit trekkern warten will, der angekündigt ist... und der vor dieser stelle auch umkehren müsste und den wir dann nehmen könnten. - aber der bus kommt und kommt nicht... wir werden sauer, weil wir die ganzen tagen alles gegeben haben, um den flieger doch noch pünktlich zu erreichen und hier verrtrödeln wir nun wertvolle zeit...zumal ja feststeht, dass wir ohnehin nur eine chance haben, wenn wir die ganze nacht durchfahren. - endlich kommt der bus... und es gibt ein kurzes gespräch mit dem fahrer... zwischenzeitlich ist es dunkel geworden und die stelle wird auch wieder passierbar... der waljis-bus fährt also weiter und wir mieten einen anderen freien bus... mit diesem gehts dann weiter. - nach wenigen minuten fahrt müssen wir an zwei stellen, an denen die strasse auch verschüttet ist, den bus jeweils verlassen, damit dieser die stellen passieren kann. - der bus schaukelt bedenklich... und setzt auch auf... schon wahnsinn, das ganze. - ich habe derweil grösste mühe, mit meinem verletztem knie über die stellen zu kommen - zumal es ja dunkel ist... wieder bin ich sehr froh die unterstützung der trekkingstöcke zu haben. - im bus habe ich mit olli zusammen die hintere bank, dmit ich das bein hochlegen kann, wenn ich will...aber das ganze ist eine einzige tortur: wie ich mich auch drehe oder wende...es gibt keine bequeme position, in der das knie nicht doch von den erschütterungen schmerzen würde... das problem ist, selbst wenn ich das bein gar nicht aktiv bewege, sondern nur auf meinem sitz ein wenig die position verändere, geht die dabei entstehende bewegung immer als scharfer schmerz auch ins knie durch... eine tortur...

nun kommen wir aber vorwärts ... und so wies aussieht soll es auch keine hindernisse mehr geben. - was mich allerdings sehr bedenklich stimmt ist wetterleuchten, was teilweise wieder sehr stark zu sehen ist - so wie in der vergangenen nacht auch... und es ist zu vermuten, dass in der nähe irgendwo wieder heftige gewitter nieder gehen  - oder balde nieder gehen werden... einhergehend mit heftigen regenfällen... es gibt nur eine devise: NIX WIE WEG HIER!!!

die weitere fahrt verlief dann wirklich problemlos... mitten in der nacht legten wir einen stop zum essen ein... an derselbsen stelle wie auch schon auf dem hinweg...und später dann gabs noch mal einen halt in einer kleineren stadt, die ein reges nachtelben führte und wo man an ständen getränke und sonstiges zeugs kaufen konnte. - irgendwie war das eine seltsame stimmung - und irgendwie auch ein déjà-vu - mir kam der ort von irgendwoher bekannt vor...die stimmung des nachts... es standen etliche busse raum... irgendwie eine art TransitStation - eine seltsame "HalbweltStimmung"...

unser fahrer war wirklich ein erstklassiger... und stellte nicht nur seine fahrkünste unter beweis - fuhr auch zügig - sondern hatte auch gutes DurchhalteVermögen die nacht hindurch... - unerwartet früh erreichen wir 13.08. um 9 uhr früh islamabad... im bus bekommen sich noch basti und herbert in die haare. geht ums thema "arbeiten und schleppen im auf- und abstieg" basti wirft herbert vor, er hätte ihn nie arbeiten sehen. - wir frühstücken und danach geht es auf die zimmer. - luis  erledigt das debriefing, was im hotel stattfindet. - dabei kommt unser L.O. wohl schlecht weg und wird wohl auch von Teimoor angegriffen... er macht sich dann aus dem staub, ohne auch nur tschüss zu sagen. - damit rundet er den gesamteindruck, den er bei uns hinterlassen hat, noch einmal perfekt ab...

nachmittags fahren wir dann doch noch zum einkaufen in die stadt... ärgerlicherweise schleppt Teimoor uns wieder in den teppichladen, wo wir schon bei unserer ankunft waren und keiner hin gewollt hatte... sowas macht mich sauer... "nepper - schlepper - bauernfänger" fällt mir dazu nur ein... und ich kaufe schon aus prinzip nichts. - wir haben das pech, dass morgen mit dem unabhängigkeitstag ein nationalfeiertag ist und die meisten geschäfte nachmittags geschlossen haben. - ich bin froh, dass ich meine andenken schon gekauft habe. - ich erstehe ein paar FlipFlops, weil ich Arbed noch meine schuhe geben wollte...

nun gehts dann doch dem ende zu... wir essen zu abend und da wir morgen sehr früh raus und zum airport müssen, liege ich gegen 21 uhr im bett. ich habe kopfschmerzen von meinem unfall, die ich aber im ruhezustand nicht merke, sondern nur, wenn ich den kopf bewege. ich schlafe gut bis 3:30 uhr...

14.08. - Rückflug Islamabad - via Doha - München

um 4 uhr werden wir geweckt, frühstücken kurz und dann gehts auch schon um 5 uhr mit dem bus zum airport. Es folgt der Abschied von Teimoor unddamit sind die letzten persönlichen Bande der letzten Wochen gekappt. Im airport geht es recht wuselig zu.... die sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft, weil es wohl grad in den usa irgendwelche terroristischen vorfälle auf dem flughafen von new york gegeben hat. genaueres wissen wir nicht. - wir dürfen allerdings keine flüssigkeiten mitführen - müssen diese - soweit es wasser ist, entweder austrinken - oder andere fllüssigkeiten entsorgen. - das handgepäck bekommt zusätzlich anhänger für die kennzeichnung... allerdings kräht kein huhn und kein hahn danach, ob was drauf steht oder nicht. sogesehen mach das ganze mehr den eindruck von alibi-handlungen getreu dem motto: "sehr ihr, wir haben was getan". - nach dem check-in haben wir noch einige zeit bis zum abflug. ich habe noch ein paar rupies, die ich nun noch in kleineandenken umsetze. - bemerkenswert ist dabei unter SicherheitsAspekten eine PakistanFlagge. sie ist an einem kleinen metallständer befestigt, der oben eine spitze hat. - ich bin etwas skeptisch, ob dieser ständer die folgenden kontrollen in doha überstehenwird, und frage mich schon, wie man einen solchen gegenstand einfach im handgepäck mit an board gehen lassen kann, während eine nagelpfeile als potentielle waffe eingestuft wird. - ich schraube vosichtshalber wenigstens die spitze ab... aber dieser ständer wird wohl nicht als sicherheitsrelevant eingstuft...er darf mit in die heimat. - um 8:05 uhr startet unser flieger mit halbstündiger verspätung...

3 1/4 stunde später landen wir in doha. hier haben wir nun ca. 3 std aufenthalt. - wir kommen mit einer frau aus friedrichshafen ins gespröch, die in pakistan ein hilfsprojekt gegründet hat. es stellt sich raus, dass alex und matthias wohl der einweihung beigewohnt haben. sie weiss auch von deren bergtour. wir vertreiben uns die zeit mit kaffeetrinken. - lustig wirds als basti und bene sich als scheichs verkleidet haben. sie wollen in diesem outfit ihre angehörigen in münchen täuschen. insbesodnere bei basti sieht das outfit sehr authentisch aus. - ich kaufe mir eine neue swatch skin uhr, da meine im basecamp sehr gelitten hat. ich kaufe eine packung ferrero-rocher, die ich im flieger kreisen lasse... lustig wirds, als ich der stewardess auch eins anbiete - zunächst ziert sie sich ein wenig, und fragt dann, ob sie wirklich eins nehmen dürfte - sie ässe die sehr gerne - klar darf sie! - eine andere stewardess, die ich fotografiere lächelt mir zu und lässt dabei ein sandwich fallen - ups! - sie meint: "you don´t shoot me?! -hihi. ich sitze im flieger neben ralf und habe auch den gewünchten platz zum gang, damit ich mein knie, in dem ich arge schmerzen habe, ausstrecken kann. - wir bekommen unterhaltung durch ein paar damen, die hinter uns sitzen. sie waren in thailand und sind begeistert als sie unseren bericht hören. wir zeigen ihnen bilder auf der digicam. - wir landen um 19:07 uhr in münchen... die SBahn um 19:42 uhr verpasse ich leider. - wir verabschieden uns im airport. basti und bene sind allerings schon weg. - mit oli nehme ich um 20:10 uhr die SBahn zum HBF. - meine vorherigen planungen bzgl. der fahrt von münchen ins ruhrgebiet sind irgendwie nicht haltbar. - mir bleibt nur die möglichkeit des nachtzugs, wenn ich heute noch aus münchen weg will. - ein ICE fährt erst morgen wieder - naja, die bummelei des nachtzugs kenn ich ja noch aus 2001 von meiner rückfahrt nach dem island peak-trekking. - auch oli wird diesen zug nehmen, muss allerdings in einen anderen wagen, da unterwegs der zug umgekoppelt werden wird. - wir essen noch was gemeinsam, bevor auch wir uns verabschieden. - für den nachtzug muss ich einen sitzplatz reservieren, was mich 10 euro kostet. da bucht man ICE und es fährt keiner, und für den nachtzug darf man dann noch n sitzplatz reservieren... naja... einmal ist keinmal.... aber es hat auch sein gutes, wie sich noch zeigen sollte. - auf dem platz neben mir sass bereits eine junge dame. mit der zeit kamen wir ins gespräch. sie erzählte, dass sie aus österreich kam, wo sie ihren freund besucht hatte, der dort im stubaital eine alm betreibt - und dass sie in kürze zu ihm ziehen wollte. ich fand das sehr mutig, zumal sie erst seit 7 monaten zusammen waren - und so beschloss ich, Sandra, so hiess die junge dame, eines der drei goldherzchen zu schenken, die ich während der gesamten tour mit an meiner halskette hängen hatte. cih fragte sie, ob sie ein kleines geschenk von mir annehmen würde, worauf sie meinte: "warum nicht?" - ich erklärte ihr kurz den hintergrund und meine gedanken dazu. sie freute sich sehr drüber. - in DUS steige ich dann um 6:13 uhr nochmal um und erreiche kurz drauf mülheim, wo ich in die UBahn steige und um 8:10 uhr humpelnd wieder daheim ankomme...


foto by oli - © -  all rights reserved

7 lange wochen sind vorüber... wir haben viel erlebt - haben auf dem gipfel des Gasherbrum II gestanden... ein unvergleichliches, unvergessliches und insgesamt sehr prägendes erlebnis...

Ausblick - die alte Frage: Wie gehts weiter, was kommt als nächstes???
nun, expeditionen zu bergen wie dem cho oyu und GII sind schon recht "eingemachte" unternehmungen. - wenn ich beide touren vergleiche, war die zum cho oyu ganz sicher die tour, mit den höheren physischen anforderungen.- das lag zum einen ganz sicher an dem höher gelegenen ABC und den viel tieferen temperaturen, mit denen man sich über wochen arrangieren musste. - von daher hatte der GII wirklich eher den charakter einer AlpenHochtour. - Nicht allerdings von der Höhe, die natürlich ausserordentliche ansprüche an körper und geist stellt.- vom technischen anspruch her tun sich die beiden riesen nur insofern etwas als der weg zum CI am GII ähnlich wie am everest durch den eisbruch führt. und diesen kann man nur in einer seilschaft gehen, weil man sonst im Fall eines Spaltensturzes sein Leben riskiert. - Die Schlüsselstellen am cho oyu sind der eisfall oberhalb von CI und das gelbe band oberhalb von CIII, während man am GII das steilstück oberhalb von CI überwinden muss. ansonsten sind beide berge technisch unproblematisch. - bei ungünstigen bedingungen allerdings kann sich dem bergsteiger vor erreichen des GIIgipfels noch der ausgesetzte reitergrat sehr unangenehm in den weg stellen, was wir allerdings nicht erleben mussten...

nun, und wohin gehen die träume? - wenn noch 2001 die besteigung des cho oyu eine spinnerei war (eine phantasie beim MondscheinPinkeln mit Cédric), so wurde der cho oyu schon 2004 realität... danach dann mit dem pumori ein technisch anspruchsvollerer 7.000er... und nun der GII... es gibt nun die idee, für 2008 eine expedition zum Nanga Parbat auf die beine zu stellen. - das wäre für mich ganz sicher der höhepunkt... dieser berg hat mich schon als jugendlicher sehr beeindruckt - mehr als der everest. allerdings natürlich nie mit dem gedanken, dass es irgendwann für mich realistisch werden könnte, diesen berg zu besteigen... EIN TRAUM - NANGA PARBAT 2008??? - mit alli und luis - dazu vielleicht oli???

...für interessierte - weitere fotos der expedition: Gasherbrum II Expedition 2006


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