Air2breeze
Besteigung des
Mt. Blanc am 15./16.08.1995

nun ist es schon solange her, dass ich auf m Mt. Blanc war, dass ich die details ganz sicher nicht mehr so gut zusammen bekomme, wie es dem stellenwert dieser angelegenheit tatsächlich zustände... ich möchte es aber trotzdem versuchen... und es kann vielleicht dem einen oder anderen mut machen, auch als flachlandtiroler ...weit ab von jeglichen bergen wohnend ... dass solche ziele nicht unerreichbar sind... der Mt. Blanc ist für mich ein Traumberg - ein Berg mit SchlüsselFunktion mich - ganz sicher... er hat meine phantasie hinsichtlich des bergsteigens - langsam aber fortgesetzt - in gang gesetzt...
meine erstbegegnung mit dem Monte, wie ich ihn nenne, hatte ich 1978. - ich wollte zusammen mit einem kollegen, mit dem ich im urlaub durch südeuropa reiste, auch einmal den höchten berg europas sehen... und es war liebe auf den ersten blick...ich wusste sofort, ich würde wiederkommen... und das war schon im nächsten jahr der fall... wie schon im bericht über chamonix nachzulesen ist, ist chamonix so nach und nach für LG und mich zur zweiten heimat geworden...
es gibt wohl kaum ein jahr, wo ich nicht mindestens einmal am fusse des monte in chamonix weilte...oft waren es auch zwei- oder dreimal... es war ein immer aufs neue faszinierender blick auf das mächtige massiv... und auf unserem angestammten campingplatz gab es immer auch viele bergsteiger, die von dort aus ihre bergtouren starteten. - wenn eine gruppe auf dem monte war, konnte man das oft an der folgenden feier erkennen... denn wer sitzt schon bei temperaturen um wenig über null grad bis nach mitternacht draussen vor dem zelt - und das bei bester launen... aber es ist schon ein erhebendes gefühl, wenn man das dach europas bestiegen hat... und es werden glücksgefühle freigesetzt, die einen dann die kälte nicht mehr spüren lassen... und das eine oder andere gläschen französichen landweins tut in aller regel ein übriges dazu...
nun begab es sich, dass ich erstmals überlegt, wie man wohl auf einen solchen berg steigt... okay, allgemeinwissen darüber hatte ich natürlich - klar... pickel - steigeisen - seil - haken - warme kleidung... all das eben, was man irgendwo mal gelesen oder gehört hat. - aber wie das alles konkret funktionierte... vor allem, wie schwer der monte zu besteigen wäre, das wusste ich nicht. - was also lag näher, als einfach mal bergsteiger anzusprechen, die von oben runter kamen. - der tenor dieser "interviews" war immer wieder, dass der monte technisch unschwierig wäre ... man allerdings eine sehr gute kondition bräuchte ... es also eine sehr anstrengende tour wäre - und nicht zuletzt der monte ein sehr gefährlicher wetterberg wäre. - letzteres war mir aus unseren zahlreichen aufenthalten in chamonix natürlich bestens bekannt... denn jede saison gab (und gibt) es zahlreiche tote am monte und im gesamten Mt. Blanc Massiv...wenn der hubschrauber in der abenddämmerung aufsteigt, ist das kein gutes zeichen...
und es begab sich also, dass meine überlegungen richtung verwirklichung meines grossen ziels und traums, so langsam gestalt annahmen... ich überlegte, was zu tun wäre... kondition hatte ich wohl eine ausreichende für ein solches unternehmen... das war mir klar...was mir aber völlig fehlte, war die grundausbildung in der technik des bergsteigens im eis... und ich wusste auch nicht, wie ich die höhe vertragen würde. - nun, wie ich auf die bergsportschule rhön aufmerksam wurde, weiss ich heute nicht mehr so genau... aber ich forderte deren progamm an und meldete mich für eine EisAusbildung an, die im Mt. Blanc-Massiv stattfinden sollte... mit anschliessender möglichkeit, den Mt. Blanc zu besteigen... ich lernte "meine" bergführerin uschi kennen, mit der ich sehr gerne unterwegs bin. - der eiskurs war eine gelungene sache... und da das wetter nicht nur schön war, bekam man auch gleich ein gefühl dafür, wie es ist, bei strömenden dauerregen im bossons-gletscher im harten blankeis rumzuturnen... der andere teil der ausbildung fand auf dem mer-de-glace-gletscher statt, dessen eis nicht ganz so schwierig und hart - auch nicht so steil - war, wie das im bosson-gletscher...
die krönung des eiskurses war die besteigung des Mt. Blanc du Tacul (4.248m)- und damit meines ersten viertausenders. - wir fuhren zu diesem zweck mit der seilbahn auf 3.842m den aiguille du goûter hinauf, um über dessen grat das vallée blanche zu erreichen. - das überschreiten dieses grats sollte für mich ein erlebnis werden... und nicht nur für mich, wie mir meine kameraden am ende der tour mitteilten. - was war schon die besteigung des taculs gegen diesen grat? - ich war der erste an diesem morgen, der auf den grat hinaus ging... und es waren meine ersten schritte auf steigeisen ausserhalb des TrainingsGeländes auf den gletschern. - und der grat hatte es in diesem jahr in sich... er war grad so breit, dass man eben zwei füsse neben einandersetzen konnte...und zur talseite hin gings 1.500m steil abwärts... und zum vallée blanche hin warens steile 300m in die tiefe... hinzu kam ein ziemlich heftiger wind... und auf eine solche nervliche belastung war ich nicht vorbereitet.

nun, der routinierte bergsteiger mag darüber lächeln... den monte machen solche leute mal "so eben nebenher" - es is ja einerseits so, dass der monte für viele bergsteiger ein "muss" ist...er "gehört" einfach ins tourenbuch... andererseits ist die technische schwierigkeit zumindest über die normalroute über den aiguille du goûter oder über den tacul und maudit nicht besonders gross - und damit für echte könner eher eine lästige tour, die man irgendwann mal "abhaken muss" ... insofern ist der monte schon irgendwie ein ot des massentourismus... naja, vielleicht ist aber grade auch dieses herangehen an den monte mit ein grund, dass er oft gnadenlos unterschätzt wird... und soviele bergsteiger ihr leben dort gelassen haben. - na jedenfalls war dieser grat damals für mich die schlüsselstelle und der rest war ein - wenn auch anstrengender - "klacks" den tacul hinauf.
ich hatte meinen ersten viertausender bestiegen...und das war für mich schon ein ziemlich grosses ding, zumal ich ja bis dahin mit bergsteigen nichts im sinn gehabt hatte... zudem kam ich zu der erkenntnis, dass das wohl eigentlich mehr ein höhenwandern in schnee und eis war... unter bergsteigen stell ich mit mehr felskletterei oder technisch schwere eistouren vor... und von daher sehe ich mich bis heute eher als höhenwanderer, denn als bergsteiger...
der eiskurs war also erfolgreich beendet ... ich hatte einiges gelernt ... und das sicher speziellste gefühl war, sich in eine gletscherspalte abzuseilen...und dann an deren wand wieder hoch zu pickeln... beim abseilen musste ich mich dran gewöhnen, dem seil zu vertrauen... und halt dem partner, der mich sicherte... und beim aufsteigen aus der spalte liess ich einiges an kraft... und kleine überhänge in der spaltenwand wurden zu herausforderungen, nicht hinterrücks aus der wand ins seil zu fallen.
so gerüstet ging es also nun für diejenigen, die den Mt. Blanc als anschlusstour gebucht hatten, morgens früh los mit der seilbahn von les houches und weiter mit der zahnradbahn richtung deren endstation am Nid d´Aigle auf 2.385 m höhe... von da aus geht man weiter richtung tête rousse-hütte, die man rechts liegen lässt... und durch den geröllhang des aig. du goûter ...hinauf auf die goûter-hütte in über 3.800m höhe...

auf der goûter-hütte übernachteten wir und planten den aufstieg zum gipfel in der nacht früh morgens um 2 uhr. - um es kurz zu machen::: für diese nacht war eine "kleine störung im massiv" vorhergesagt - und man muss wissen::: der wetterdienst in chamonix ist sehr genau und zuverlässig. - diese "kleine störung" äusserte sich so, dass abends gegen 21 uhr eine kleine wolke am fenster vorbei zog... bei ansonsten völlig blauem himmel und untergehender sonne... wenig später war dann der himmel schon "dicht" - und noch weniger später ging eiin unwetter hernieder, dass man auf dem lager liegend meinen konnte, die hütte würde irgendwann vom sturm zu tal geblasen... uschi ging nachts mal kurz vor die tür, um zu schauen, ob es vielleicht für die "harten" unter uns trotz des wetters eine chance gäbe... aber sie wurde glech bei öffnen der tür wieder in die hütte zurück geblasen...
das wars dann... am morgen klärte sich das wetter wieder...wir mussten absteigen, da unsere zeit abgelaufen war...ein anderer teilnehmer des eiskuses, der nicht mit aufgestiegen war, hatte sich zusammen mit seinem sohn einen französischen berfgührer genommen und kam uns entgegen... im tal wartete LG auf mich... und von dieser "kleinen störung" hatte sie im tal so gut wie nichts bemerkt... es hatte im tal abendsonne gehabt... und oben im massiv waren ein paar wolken zu sehen gewesen - mehr nicht...wir hatten jedoch an diesem 31. juli 15 cm neuschnee in der nacht...

mein erster versuch, den monte zu besteigen war gescheitert... und ich fragte mich, ob das nun möglicherweise ein traum bleiben - und vielleicht zum trauma werden könnte...
so unrealistisch waren meine bedenken nicht... denn für eine erfolgreiche besteigung des monte benötigt man eine entsprechende akklimatisierung ... dazu sollte man ein oder mehrere eingehtouren machen... und man braucht zumindest 2 tage stabiles wetter - möglichst ein kleines stabiles azorenhoch. - und wenn man von so weit her kommt, wie ich es nun mal muss, dann muss man halt urlaub planen... aber es gibt eben keine garantie, dass genau dann, wenn ich komme, auch das wetter mitspielt...

nun, aber in der woche vom 14. - 20.08.1995 hatte ich bei und mit uschi eine 4.000er hochtourenwoche gebucht... anreise war schon am samstag abend... aber LG und ich waren zwecks aklimatisierung schon eine woche eher da... ich wollte nichts riskieren...denn ich hatte erlebt, wie bei meinem ersten versuch ein bergsteiger kurzfristig angereist und mit uns auf die hütte in 3.800m höhe gestiegen war. er war nicht aklimatisiert und bekam schon während des aufstiegs sehr starke kopfschmerzen, die ihm die weitere besteigung ohnehin unmöglich gemacht hätte. es war beginnende höhenkrankheit...und so etwas wollte ich nicht riskieren...
nun, die wetterprognose war für die woche nicht besonders günstig... und rainer, uschis ehemann und auch bergführer entwarf einen plan für die woche... nach seinem dafürhalten bot sich mittwoch und donnerstag ein hinreichend grosses wetterfenster für einen gipfelversuch auf den monte... und es war völlig klar, dass der monte das erklärte hauptziel aller teilnehmer war... und andere geplante oder mögliche 4.000er-gipfel zurückstanden...

und rainer fackelte auch nicht lange...es folgte gleich am sonntag in aller frühe die erste eingehtour auf den eingehberg der eingehberge - den Mt. Blanc du Tacul (naja, mit ausnahme des allalin- und breithorns in den walliser alpen, die ähnlich beliebt zum eingehen für die aklimatisierung sind). - damit war natürlich für mich gleich klar::: voll die scheisse::: gleich morgen früh über DEN grat oben am aig. du midi. - naja, was solls... abends packte ich mein zeugs zusammen...und hatte eine mehr oder weniger gute nacht... und morgens gings dann mit der ersten seilbahn, die extra nur für bergsteiger fährt, hinauf auf den Aig. du midi. - und dann kams::: "mein" grat war diesmal in einem völlig anderen zustand als beim letzten mal...eine sicher 1,50 m breite mulde, ähnlich einer rutschbahn, auf der man purzelbäume hangabwärts hätte schiessen können...also null problemo, wie alf gesagt hätte... damit wurde diese eingehtour zu einem anstrengenden spaziergang... ein wenig sorgen machte mir allerdings mein linkes problemknie, was ich aber mit einer geschickten ausgleichsbewegung gut ausgleichen konnte - und somit kein echtes problem war...

auf dem rückweg war schockierend, wie es auf der bergstation des aiguilles du midi zuging...man hörte schon weit im vallée blanche die durchsagen wie auf einem hauptbahnhof... und auf der station selbst herrschte ein treiben wie in der pariser ubahn zur hauptverkehrszeit. - allerdings hatte man als bergsteiger vorrang bei abfahrt vor den AussichtsTouristen. und das war auch gut so, denn ich war schon ziemlich geschafft... und die nächsten tage würden ja nicht leichter werden...

da das wetter für montag auch nicht berauschend und unbeständig angesagt war, schlug rainer einen "ausweichtag" vor, wie er es nannte. und zwar eine tour hinauf zum Grand Montets. - wir fuhren mit der seilbahn auf die bergstation hinauf auf 3.297m... und stiegen von dort ein paar höhenmeter auwärts.... vielleicht auf knapp 3.400m... dabei waren aber passagen, die es in sich hatten... zunächst im eis... es ging an der eis-felsgenze oberhalb eines steilen schneefeldes entlang... man ging seitlich in frontalzacken-technik und musste sich dabei auch mit gegenverkehr arrangieren, was weniger lustig war... weiter gings dann ein stück den felskamm hinauf richtung Verte... wir kletterten zum teil in kombiniertem gelände... und dann war eine stelle zu überwinden, wo ein dicker felsblock im weg stand...rainer sicherte uns an dieser stelle im seil... und ich umklammerte den felsblock schon mit armen und beinen... und irgendwie kam ich nicht weiter... oben stand reiner...und ich sagte mehr zu mir selbst als dass ich ihn fragte::: "was soll ich denn jetzt tun..." - und rainer meinte lapidar::: "einfach rum!" ...das sind momente, die ich ganz sicher nicht vergessen werde...es ist schon ein scheissgefühl, wenn du da so hängst, merkst wie dir die kräfte schwinden...und es geht nicht weiter... naja, aber irgendwie gings dann doch...

nun und dann irgendwann wars genug... ich hatte keine lust, weiter den fels hinauf zu klettern...mit steigeisen fand ich das nicht sonderlich spassig...und ich legte mich auf einen umkehrpunkt fest, an dem ich auch rasten wollte...denselben gedanken hatte christof, ein weiterer teilnehmer - und wir kamen ins gespräch... es stellte sich heraus, dass wir beides EDVler waren und etwas skurril war dann schon, dass wir in unseren firmen beide mit einem DEC-Pathworks netzwerk zu tun hatten... das waren die anfänge der PC-LANs in deutschen unternehmen. - und aus dieser bekanntschaft sollte sich später eine bergfreundschaft entwickeln...

die im moment leider zu einer virtuellen berfreundschaft geworden ist, weil ich mich in richtung der ganz hohen berge auf und davon gemacht habe... und leider keine zeit für die alpen habe, während christof sagt::: die alpen bieten genügend herausforderungen für 3 bergsteigerleben - womit er natürlich absolut recht hat. - ich freu mich immer wieder, wenn ich von ihm postkarten von seinen alpentouren bekomme...und wir werden ganz sicher eines tages wieder gemeinsam in den alpen unerwegs sein... ein ziel sollte eigentlich schon letztes jahr - als ich noch nicht mit dem pumori liebäugelt hatte - die besteigung des Mt. Blanc von der italienischen seite aus sein...aber das werden wir noch nachholen...

nun, diese eingehtour war vom technischen her das highlight der woche. - abends gabs dann wie jeden abend die vorbesprechung...dazu musste ich immer von "unserem" stamm-campingplatz in chamonix ein stück weit ausserhalb fahren, wo die anderen ihren sitz hatten - auf dem campingplatz, den die bersportschule im programm gebucht hatte, der aber weniger schön lag als "unser" platz. - und an diesem abend - das wetter war bedeckt und nicht sehr vielversprechend, meinte rainer::: die einzige chance auf den monte-gipfel in dieser woche wäre am mittwoch. - das bedeutete: dienstagabend wieder hinauf auf den Aiguille...dann rüber zur nahegelegenen cosmic-hütte. - dort schlafen und nachts um 1 uhr los und über Mt. Blanc du Tacul - Mt.Maudit - hinauf auf den Monte...

so begab es sich also, dass wir dienstag nachmittags um 16 uhr mit der seilbahn zum Aiguille hinauf fuhren. - es war sonnig und wir gingen in aller ruhe hinüber zur cosmic hütte, die man über den grat ins vallée blanche hinunter - dieses ein stückchen querend - sehr schnell und bequem erreicht... in der hütte herrschte grosser andrang...klar - ein solches wetter-fenster für die hochtouren erkennen auch andere. - gegessen wurde in zwei grossen gruppen... wir waren in der zweiten partie mit drin... und danach,um 21 uhr, gings dann schon gleich in richtung lager zum pennen... soweit man das konnte...denn die hütte liegt auf ca. 3.600m höhe - und das ist keine sehr niedrige schlafhöhe, wenn man zuvor gewohnt war, auf ca. 1.100m zu schlafen... zudem ist doch immer eine gewissen unruhee im lager... sei es,dass jemand schnarcht...oder zur toilette muss... und mittwochs um 1 uhr nachts sollte es dann schon wieder losgehen, so dass auch von daher nicht wirklich von nachtruhe die rede sein konnte...

in der abendsonne haben wir eine tollen blick übers vallée blanche und auf den gegenüberliegenden mt. blanc du tacul, den wir schon bald bei nacht überschreiten werden... unten im vallée blanche hat sichs Greenpeace gemütlich gemacht...man erkennt es gut an ein paar zelten, neben denen ein grosse tuch mit dem AntiAtomraftSymbol ausgelegt ist. - Greenpeace will auf die Atomversuche Frankreichs hinweisen und dagegen demonstrieren. - Zu dem zweck soll auf dem gipfel des monte das riesige Tuch mit dem AntiAtomraftSymbol ausgebreitet werden. - ein paar tage später erfahren wir, dass dieses unternehmen aufgrund des zu heftigen windes in der höhe nicht gelungen ist. - Greenpeace musste sich mit einem platz 600m unterhalb des gipfels begnügen ... und einen tag später mittels hubschrauber evakuiert werden, weil die gruppe unzureichend ausgerüstet war, was - unbesehen des ernsten hintergrundes der aktion - natürlich auch zu einem gewissen schmunzeln in der lokalen öffentlichkeit führte...

nun... für uns hiess es mittwochmorgen um 1 uhr wecken... es war schon etwas kurios, wie das ablief... rainer, unser guide wurd schon einige zeit vor dem wecken nervös... er machte sich schon auf ... und hielt auch uns zum hinnemachen an, weil er möglichst frühzeitig in der spur sein wollte, um an der schlüsselstelle - der durchquerung der scharte am maudit - keine unnötige wartezeit in kauf nehmen wollte... und das bedeutete fürs frühstück die vorgabe, dort möglichst schnell zu sein, und zwar in normalen klamotten, sich einen platz zu sichern und dann nach dem frühstück die ausrüstugn anzulegen... nun, es gab trotz allem ziemliches gedränge ... es wurde kurz gefrühstückt, etwas getrunken... und los gings, auch wenn wir bei weitem - zu rainers leidwesen natürlich - nicht die ersten in der spur waren - das anlegen der ausrüstung brauchte im schein der stirnlampe und der enge im vorraum der hütte, schon einige zeit. - wer fertig war, ging dann zunächst bis unterhalb des einstiegs zum tacul, wo wir unseren treffpunkt vereinbart hatten... irgendwer aus der gruppe hatte dabei probleme mit den steigeisen - verlor diese immer wieder ...wer das war, weiss ich heute nicht mehr ganz genau... aber sowas ist ärgerlich und höchst unprofessionell... für den aufstieg hatten wir zwei ViererSeilschaften eingeteilt... ein "stärkere", die mit rainer schneller vorangehen sollte, und eine voraussichtlich langsamere, die mit uschi ging... die gründe für diese einteilung hatte nichts mit bergsteigerischem können zu tun, sondern orientierte sich z. b. im fall von edgar an seinen knieproblemen, die ihm zurückhaltung angeraten sein liessen...

in der ersten seilschaft gingen nun christof, armin, ingolf und ich - mit rainer als guide...um 2:15 uhr nahmen wir vom treffpunkt aus den aufstieg den tacul hinauf in angriff... was nun aufgrund der akklimatisierung um einiges leichter ging als noch am sonntag bei der EingehTour ohne jegliche akklimatisierung... gleich unten am tacul mussten wir uns schon anstellen... an diesem tag zog es doch etliche bergsteiger richtung monte-gipfel... aber schon bald ging es gut voran... ich hatte zum einen auch ein paar probleme mit meinem linken knie, die ich aber durch geschicktes gehen ausgleichen konnte, in dem ich mir die festen seitenränder der spur zunutze machte und mich leicht seitlich gehend dort abstütze, so dass ich nicht so arg überstreckt gehen musste .. und ich spürte zudem noch von den bisherigen touren meine waden, die sich vom ständigen überdehen im steilen gelände noch nicht wieder erholt hatten ...aber konditionell machte ich mir keine grossen sorgen... von der seite konnte ich man nicht viel besser drauf sein, als ich es war...und vom MarathonTraining her war ich zuweilen mit schmerzenden beinmuskeln bestens vertraut...

so überschritten wir den tacul und hielten uns kurz vor seinem hauptgipfel rechts ...weiter in richtung auf den maudit zu... laut offiziellem verlauf der tourenwoche wäre noch ein "Abstecher" auf den gipfel des maudits geplant gewesen, aber rainer machte uns frühzeitig klar, dass uns das evt. den monte-gipfel kosten konnte... und das wollte natürlich keiner riskieren... in der dunkeheit hatte man nun einen tollen ausblick einerseits hinunter auf das beleuchtete tal von chamonix ...anderereseits die hänge hinauf richtung zum maudit, wo sich die lichter der vor uns gehenden seilschaften hinauf schlängelten...

unsere seilschaft war ziemlich homogen und wir kamen recht gut voran... unterhalb der querung der scharte am maudit, kam es im dortigen sehr steilen eishang zu kleineren, aber nicht nenneswerten staus... in diesen steilhang war die spur in stufen eingtreten, so dass es zwar sehr steil, aber doch unschwierig zu gehen war. - aber man kann bei dieser stelle schon von einer schlüsselstelle sprechen. - rainer erzählte, dass der einzige grund, weshalb er soviel druck aufs tempo gemacht hatte, war, dass er hier schon seilschaften erlebt hatte, die den ganzen hang mit einem seil versichern und damit dann alle anderen zum warten zwingen, womit dann sehr viel zeit verloren geht. - das war glücklicherweise heute nicht der fall... andererseits durfte man sich nicht vorstellen, was im falle eines sturzes passieren konnte... wenn ein mitglieder seilschaft aus irgendeinem grund den halt verlor, hätte es hier wohl für die seilschaft kaum ein halten gegeben...

als wir das ende des hanges erreicht hatten und aus der scharte, die sich nach oben hin immer enger und steiler zu zog, ausstiegen... und wieder flaches offenes gelände unter den füssen hatten, meinte rainer zu uns, dass unserem gipfelerfolg nun nichts mehr im wege stände. - nun, so langsam wurde es hell... wir lagen mittlerweile sehr gut in der zeit. hier oben fegte nun ein ziemlich heftiger und eiskalter wind... die temperaturen lagen bei ca. -10 grad auf dem gipfel... ich trug eine SympatexTourenjacke, hatte deren kapuze auf, eine mütze darunter und noch ein strinband über die ohren und doch blies der wind von einer seite so stark auf mein ohr, dass ich dieses zusätzlich noch von aussen mit der hand abdeckte, um es zu schützen... das wetter war klar mit wolken in der ferne... wir hatten in der tat einen schönen tag erwischt...

der weg zum gipfel zog sich noch
in die länge... und man merkte schon, wie die luft hier oben
dünner wurde... es kam nun immer mal auch zu kürzeren
stehpausen aufgrund der anstrengung, wobei ich natürlich die
anstrengung auch sehr deutlich merkte, allerdings bevor ich hätte
stehen bleiben müssen, immer schon jemand anders einhalt gebot...
so erreichten wir um 7:35 uhr den gipfel des monte... ein traum war
für mich in erfüllung gegangen... allerdings ist es bei mir
nicht so, dass ich in euphorie verfalle - dazu ist das ganze für
mich zu sehr ein projekt - ein prozess... und der tag der besteigung
ist nur ein - wenn auch - klar - sehr entscheidender bestandteil
des ganzen... ich habe mich bei solchen "projekten" geistig im vorfeld
so sehr damit auseinandergesetzt, als dass ich die kontrolle verlieren
würde... und ich weiss sehr gut, dass das HeilRunterkommen
noch vor uns liegt und hier mglw. mehr gefahren lauern als im aufstieg,
weil man natürlich viel erschöpfter ist... und natürlich
schon irgendwie das gefühl hat, ES geschafft zu haben...aber das
hat man erst wirklich, wenn man wieder abgestiegen ist...

wir warten oben auf die zweite seilschaft, die einige zeit später auch eintrifft... auf dem gipfel pfeift auf der windseite ein eisiger wind... und man schaut, dass man auf die windschattenseite kommt, wenn man nicht gerade fotografieren oder die aussicht geniessen will... in der ferne sieht man die walliser alpen mit einigen bekannten und für bergsteiger ebenfalls begehrten zielen liegen, wie das Matterhorn und den Monte Rosa. - irgendwelche vergnügungssüchtigen spassvögle haben auf dem gipfel ein SchneeIglu errichtet, was sich natürlich hervorragend als FotoObjekt eignet...es ist schon ein erhebendes gefühl hier oben zu stehen... fernab der zivilisation, wie es einem zumindest vorkommt... ganz sicher einer der bemerkenswertesten momente meines lebens... zumal der monte ja für mich ein besonderer berg ist - und nicht, wie für viele nur ein "Muss" fürs Ego und tourenbuch...

gemeinsam machen wir uns dann wieder an den abstieg...aufgrund der tatsache, dass wir den gipfel so früh erreicht haben, ist die überquerung des monte nun unser ziel... das beutet::: abstieg über den Bosses Grat und hinter der Vaillot-Hütte nach rechts den hang hinunter richtung Les Grands Mulets. - auf dem Bosses Grat kommen uns noch sehr viele Bergsteiger entgegen, die über den normalweg von der Goûter-Hütte aus aufgestiegen sind. schon bald erreichen wir die Vaillot-Hütte, wo wir schon relativ unter uns sind, weil die meisten aufsteigenden seilschaften nun doch oberhalb von uns sind... und über diese route noch nicht wieder viele gruppen im abstieg sind... am Dome du Goûter machen wir eine kleine rast mit dem angebot Rainers, dass - wer will - den Dom "besteigen" kann und damit einen weiteren 4.000er "abhaken" kann... christof und ich nehmen diese gelegenheit wahr - und fangen uns am ende einen anschiss von rainer ein...weil wir die spur verlassen hatten, und das ganze spaltengebiet ist... wir also leichtsinnigerweise die gefahr eines spaltensturzes in kauf genommen haben, weil diese für uns nicht erkennbar waren... im übrigen ist der abstecher zum gipfel des Dome du Goûter von hier aus nur ein Katzensprung, was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass der Dome mit 4.304m einer der höchsten AlpenViertausender ist.

unterhalb der der vaillot-hütte rasten wir erneut kurz... dabei lege ich meinen rucksack ab, der dann nach kurzer zeit wie von geisterhand eine rolle seitwärts macht ...ich habe keine problem ihn zu halten, aber da er geöffnet ist, rollen ein paar utensilien hangabwärts. sie bleiben ein paar meter tiefer in einer kleinen querrinne liegen... glück gehabt. - dann hat rainer eine kleine überraschung für uns::: er holt aus seinem rucksack eine 0,33 liter dose bier ... reicht sie uns mit den worten::: ich darf sie eh nicht trinken...also zieht ihr sie euch rein, hab ihr euch verdient... nun, alkohol gehört nicht wirklich auf eine solche unternehmung...aber wir lassen die dose kreisen und trinken jeder eine schluck... mehr als ein "pinneken" ist das nicht ...und da kann man wohl von "unbedenklich" sprechen...

weiter gehts ...nun vorbei an grossen seracs, die sich auftürmen und oft die hausgross sind... jederzeit abbrechen können... man schaut, dass man solche stellen zügig passiert... die route, die wir nun abwärts gehen ist aus dem tal sehr schön im aufstieg einzusehen... ich habe sehr oft mit dem fernglas hinauf geschaut ...hab die bergsteiger beobachtet...aber nun, wo ich selbst hier oben rumstiefel, könnte ich nicht sagen, dass mir irgendetwas bekannt vorkäme...

wir nähern uns dem einstieg in die schlüssel-passage, die dieser route ihren namen gibt::: Les Grands Mulets... die querung des Bossons Gletschers... ein von vielen spalten und brücken ... bizarren eisgebilden... zerklüftetes gebiet...eine eiswüste - ein eisbruch und sehr gefährliches gelände... diese route aufwärts zu gehen ist sehr gefährlich, weil man sich lange in diesem gebiet bewegt... und die objektiven gefahren recht gross sind... eisabbrüche, oder wegbrechende spaltenbrücken sind jederzeit möglich... mit unachtsamkeit landet man sehr schnell in einer spalte... und weiter oben droht die gefahr der grossen seracs...

mit rainer haben wir aber einen sehr guten bergführer an unserer seite...er geht voran und sondiert das gelände...weicht manchmal auch von der erkennbaren spur unserer vorgänger ab... wenn sie ihm nicht sicher scheint... das ganze ist schon sehr beeindrucken... inmitten dieser eiswüste, die doch grösser ist, als sie von unten aus dem tal gesehen, zu sein scheint... es ist alles viel grösser und weiter hier oben, als man von unten gesehen vermutet... am ende der gletscherquerung haben wirs dann geschafft... wir können die steigeisen ausziehen... und haben nun noch eine lange querung vor uns ... hinunter zu mittelstation der aiguille-seilbahn, mit der wir tags zuvor hinaufgefahren sind...
so etwa gegen 16 uhr erreichen wir die plan de l´aguille, die mittelstation der seilbahn auf ca. 2.394 m höhe... wir sind nun alle ziemlich platt und armin sagt klipp und klar, dass das für ihn die grenze war... wir hocken uns hin und besprechen, wies nun weitergehen soll... eigentlich steht für den nächsten tag noch der Rochefort-Grat auf dem Programm... aber der einzige, der das in dem moment noch machen will, ist edgar...allen anderen "reichts"... man müsste am kommenden morgen gleich wieder um 6 uhr los... zudem hat rainer am vortag schon von oben am aiguille festgestellt, dass der grat wohl sehr vereist und schwierig zu begehen ist... zudem wird es sehr windig sein - und ob das wetter halten wird ist auch fraglich... am nächsten tag hat sich das allerdings erledigt - auch für edgar... wir lassen die tourenwoche mit einer begehung des argientière-gletscherbeckesn ausklingen... auch eine sehr schöne tour... wir klettern ein bisschen die spalten rauf und runter... und versuchen rainer, zu überreden, mal in einer "badewanne" mit eiskaltem gletschwasser zu baden....zumal er schon mit freiem oberkörper rumturnt und mit quer die schulter gehängtem seil uschi zu dem satz verleitet::: was ich hab ich da nur für einen zombie ... wie du wieder aussiehst...hihi... ja, rainer ist schon ein eigenwilliger typ - keine frage, aber eine excellenter berführer... bedingt durch einen unfall mit kopfverletzung im klettergarten hat rainer starke probleme mit kopfschmerzen in der höhe... und war zu dieser zeit dabei, den canyoning-bereich der klettersportschule voranzutreiben und neue routen auszukundschaften... eine recht wilde sache, wie mir schien, wie er da so manchmal in irgendwelchen siffons rumgepaddelt ist...
sooo, das wars - etz wisst ihr auch mal was über meine mt. blanc-besteigung... mit meinem bergfreund christof habe ich danach noch weitere touren unternommen...aber da er leider keinerlei interesse an den bergen ausserhalb der alpen hat, und ich in den letzen jahren immer ausserhalb der alpen unterwegs war, war leider keine zeit mehr für gemeinsame unternehmungen...aber auf geschoben ist nicht aufgehoben... vielleicht wirds schon nächstes jahr was mit dem mt. blanc von der italienischen seite aus...das hatten wir usprgl. schon für 2005 geplant...